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Schnelles Becken sorgt für viele neue Rekorde

Schwimmen : Schnelles Becken sorgt für viele neue Rekorde

Bei der Kurzbahn-DM der Schwimmer mit Handicap wurden unter anderem vier Weltrekorde und fünf Europarekorde aufgestellt. Für einen Teil der Starter ging es im Anschluss gleich zur WM nach Mexiko.

Vier Weltrekorde, fünf Europarekorde und 38 Deutsche Rekorde - das ist die tolle Ausbeute von der Deutschen Kurzbahn-Meisterschaft der Behinderten im Sportbad am Stadtpark. In seinem "Wohnzimmer" stellte Hannes Schürmann über 200 Meter Rücken einen neuen Weltrekord auf.

"Es ist ein ganz großartiges Gefühl, wenn man seine Leistung im heimischen Bad steigern kann", freute sich der Remscheider von der SG Bayer. Er konnte die herausragende Form, die er zuletzt bei einem DSV-Wettkampf mit einem inoffiziellen Weltrekord unter Beweis stellte, bestätigen. Unter den Augen von Bundestrainerin Ute Schinkewitz und NRW-Trainer der Paralympischen Schwimmer, Markus Hoffmann, gelang es auch der Lokalmatadorin Anna Krzyzaniak von der SG Remscheid zu überzeugen.

"Anna hat einen richtigen Leistungssprung gemacht. Jetzt kommt endlich die Belohnung für lange, harte Arbeit", urteilte Hoffmann. Krzyzaniak gab bei der Kurzbahn-DM ihre Visitenkarte auf 200 Meter Freistil ab - ein neuer Deutscher Rekord in ihrer Startklasse. Belohnt wurde sie von der Bundestrainerin mit einem Platz in der Jugendnationalmannschaft. "Wir haben bei der SG Bayer das Konzept so verändert, dass wir inklusiv trainieren. Das heißt wir schwimmen auch mit Sportlern ohne Behinderung. Dadurch haben Anna und auch Hannes einen riesigen Motivationsschub bekommen, weil sie nicht mehr allein für sich trainieren", erklärte Hoffmann.

Doch warum knacken Deutschlands beste Behinderten-Schwimmer in Remscheid reihenweise Rekorde? Stephan Schürmann, Sprecher des Paralympischen Schwimmteams NRW und Vater von Hannes Schürmann, hatte dafür eine Erklärung parat. "Remscheid hat ein schnelles Becken. Hier werden seit Jahren Rekorde geschwommen", sagte Schürmann senior. Zudem gebe es so viele hochklassige Kurzbahn-Wettbewerbe im Behindertensport nicht. "Innerhalb eines Jahres kann es riesige Leistungssprünge bei den jungen Teilnehmern geben."

Außerdem werde den Athleten rund um den Wettkampf jeder Wunsch erfüllt. "Hier herrscht für alle eine Wohlfühl-Atmosphäre. Die Sportler wissen das mit tollen Leistungen wertzuschätzen." Große Freude bereitete Schürmann vor allem der Schwimm-Nachwuchs, der mittlerweile auch auf Rekordjagd geht. "Nicht der Schnellste ist hier unbedingt der Sieger, sondern der Punktbeste seiner Startklasse", erläuterte Schürmann. Insgesamt 140 Schwimmer aus 53 Vereinen machten die Kurzbahn-DM zu einem großen Klassentreffen. "Man freut sich einfach jedes Jahr, die anderen Schwimmer wieder zu sehen", sagte Hannes Schürmann.

Eine weite Anreise hatte Maike Naomi Schnittger vom SC Potsdam für die DM auf sich genommen. Doch die Strecke Potsdam-Remscheid ist nur ein Wimpernschlag im Vergleich zu dem, was bei Schnittger nach dem Wettkampf auf dem Plan steht.

Als WM-Teilnehmerin flog sie gestern von Düsseldorf über Amsterdam in Richtung Mexiko. "Die Kurzbahn-DM war der letzte Höhepunkt vor der WM. Ich habe zwei Bestzeiten in 50 Meter und 100 Meter Kraulen geschafft", berichtete Schnittger. Über 200 Meter Freistil setzte sie ein weiteres Ausrufezeichen mit einem Weltrekord. "Obwohl ich eigentlich Sprinterin bin", merkte sie an. Ihre Vorfreude auf Mexiko war sichtlich groß, trotz sieben Stunden Zeitverschiebung und Höhenunterschied. Sie freue sich auf die mexikanische Sonne. "Die Leute denken immer, wir Sportler sehen so viel von der Welt. Doch unser Sightseeing-Programm beschränkt sich auf Hotel, Schwimmhalle und den Weg dazwischen", erklärte sie. Die DM war für sie ein wichtiger Teil ihrer WM-Vorbereitung gewesen. "Der Trainer konnte noch ein paar Anmerkungen zur Technik machen, die ich im Becken unter Wettkampfbedingungen umsetzen konnte."

(RP)