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Schlaraffia Glorimontana trifft sich zum 2500. Mal in Remscheid

Männer­vereinigung Schlaraffia Glorimontana in Remscheid : Im Namen des Uhus

Die Schlaraffia ist eine weltweite Männer­vereinigung, bei der es um Humor und Freundschaft geht. Themen wie Religion, Politik oder Beruf sind tabu.

Mit Spannung steige ich die wenigen Stufen im Hinterhof an der Elberfelder Straße 38 hinab. Der Uhu hat mir den Weg gewiesen. Ohne, dass ich klingeln oder klopfen musste, öffnet sich die Tür und der Mann dahinter schaut mich überrascht an. Seinen Augen sieht man an: „Oha! Eine Frau.“ Denn an diesem Abend werde ich, neben der Küchenfee, das einzige, lebende weibliche Wesen sein.

Warum? Ich bin zu Gast bei der Schlaraffia Glorimontana. Schlaraffia was? Genau so ging es mir vor diesem Abend auch. Denn die Schlaraffia ist eine Vereinigung nur für Männer. Nur zu besonderen Anlässen kommen auch ausnahmsweise Frauen dazu. Denn Frauen, so wird mir erklärt, verstehen nicht immer ganz den Humor, den die Männer bei ihren Treffen, den sogenannten Sippungen, pflegen.

Bei der feierlichen Eröffnung reiten die Gäste anderer „Reyche“ durch den mit Schwertern gebildeten Rittergang ein. Foto: Anna Mazzalupi

Nun denn, lasse ich mich einfach überraschen, was auf mich zukommt. Beim Betreten der „Stahlburg“, so werden die Vereinsräumlichkeiten genannt, fällt mir auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches auf – außer, dass die Männer Sakko und Krawatte tragen. Es wird Wert auf Etikette gelegt. Dass ich  beides nicht trage, wird mich augenzwinkernd nachgesehen.

Nachdem ich meinen Mantel abgelegt habe, werde ich in den großen Saal geleitet. Ein Aha-Moment. Denn der Raum sieht nicht aus wie ein normaler Vereinssaal, sondern ist an die Aufteilung eines Rittersaales angelegt. Große, hölzerne Kronleuchter dominieren den Raum mit kleinen Tafeln.

Das hat einen Grund: Das Schlaraffen-Dasein ist im Grunde ein mittelalterliches Spiel. Die Männer schlüpfen dafür aus ihrem „profanen Leben“ in Ritterrollen und pflegen nach dem Leitspruch der Schlaraffia („In arte voluptas“ – in der Kunst liegt das Vergnügen) bei ihren wöchentlichen Treffen von Oktober bis April Kunst, Humor und Freundschaft. Deshalb werden im Text nur die Ritternamen erwähnt.

Für das Ablegen pflegen die Sassen – so werden die Mitglieder genannt – ein Ritual. Sie verneigen sich mit gekreuzten Armen nach dem Betreten des Rittersaales vor dem Uhu, Tier der Weisheit und Symbol der Schlaraffen, die sich weltweit auf Deutsch verständigen. Der Legende nach soll der Uhu weiblich sein – allerdings ist das nicht belegt.

Ich bleibe also doch offiziell als einzige Frau unter Rittern – den „Rittern der roten Rose“. Die „Reychsfarben“ der Remscheider Schlaraffen sind schwarz, weiß und blau und finden sich selbstverständlich in der Rüstung wieder, die sie als Ritter kleidet. Den Namen erhalten sie übrigens nach dem Ritterschlag, wie mich mein „Betreuer“ für den Abend, Ritter Fix-Focus aufklärt.

Er ist Schlaraffe in dritter Generation und betreut als Junkermeister die Ritteranwärter, die Knappen und Junker. Für diese gibt es eine eigene Tafel, von der aus auch ich das Treiben verfolge. „Man muss ein Typ dafür sein, kunstsinnig und humorvoll, denn man muss über sich selbst lachen können“, sagt Ritter Fix-Focus. Themen wie Religion, Politik oder Beruf sind tabu.

Das wird beim Ablauf der Sippung deutlich. Sie folgt überall dem gleichen Zeremoniell und besteht aus zwei Teilen. Teil eins, die „Ambtshandlungen“, besteht aus formellen Abläufen, wird durch spitzfindige Wortbeiträge aber unterhaltsam aufgelockert. Bei der feierlichen Eröffnung werden die Gäste aus anderen Reychen durch die Oberschlaraffen begrüßt. Sie „reiten“ durch den mit Schwertern gebildeten Rittergang ein.

Beim zweiten Teil, der „Fechsung“ können Schlaraffen an der Rostra (Rednerpult) etwas in Prosa oder Reim zum Thema des Abends vortragen. Freilich ist auch das zur Unterhaltung gedacht, kann aber auch ernstere Züge enthalten.

Das Gemeinschaftsgefühl wird nicht nur durch das freundschaftliche Frotzeln gegeneinander gestärkt, sondern auch durch das gemeinsame Singen zu Beginn und Ende einer Sippung. „Man quält sich vorher die Treppe runter und hüpft sie nachher beschwingt wieder rauf“, merkt der Hofnarr Ritter Graf Hirsebrey mit einem Grinsen an. Ein wenig beschwingt war ich nach den zwei Stunden auch.