Schlaglöcher bereiten Kopfzerbrechen

Remscheid: Schlaglöcher bereiten Kopfzerbrechen

26,5 Millionen Euro stehen in diesem Jahr bereit, um Schlaglochstrecken zu beseitigen. Reichen wird das Geld allerdings nicht. Zudem fehlen den Technischen Betrieben Remscheid (TBR) Ingenieure und Bauleiter.

Die Nachbarn der Karl-Dowidat-Siedlung schalten vorzugsweise einen Gang zurück, bevor sie mit ihren Autos durch die Schlaglöcher vor ihrer Haustür poltern. Seit 15 Jahren steht ihre Straße in Lüttringhausen im Schadensbericht der Stadt Remscheid. Doch erst in ein paar weiteren Jahren dürfte sie tatsächlich erneuert werden. Zuvor sind andere Straßen an der Reihe, die sehen nämlich noch schlimmer aus.

26,5 Millionen Euro stehen in diesem Jahr bereit, um die schlimmsten Schlaglochstrecken zu beseitigen. Das ist knapp eine Million Euro mehr als im Vorjahr. Reichen wird das Geld dennoch nicht, denn das 429 Kilometer lange Straßennetz, das sich im Besitz der Stadt Remscheid befindet, hat in den zurückliegenden Jahren einen Substanzverzehr erlitten, der kaum aufzuholen ist. Und zwar nicht nur, weil das Geld für Sanierungen fehlt. Den Technischen Betrieben Remscheid (TBR) fehlen auch Ingenieure und Bauleiter.

Der Antrag der CDU-Ratsfraktion, die die Verwaltung im Hauptausschuss am gestrigen Abend aufforderte, mehr Geld für Straßensanierung bereitzustellen, mag deshalb bei den Anliegern der Rumpelstrecken mit Beifall quittiert werden; den riesigen Investitionsstau auf Remscheids Straßen löst er nicht auf.

"Wir haben zurzeit 6,5 Millionen Euro in der Umsetzung", erklärte Michael Zirngiebl, Chef der Technischen Betriebe Remscheid. Es sind zwei Großprojekte, nämlich der Ausbau der Kreuzung Trecknase und die Kanalsanierung in Bergisch Born. Hinzu kommen in jedem Jahr viele kleine Maßnahmen: 36 waren es 2016, 2017 rückten die Straßenbauarbeiter zu 41 Erneuerungen aus. "Mehr geht nicht", sagte Zirngiebl: "Wir haben nicht genug Personal." Und gut ausgebildete Ingenieure sind schwer zu bekommen. Immerhin: 2017 konnten die TBR eine zusätzliche Straßenbauleiterstelle schaffen, die Anfang 2018 auch besetzt werden konnte.

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Der Winter bescherte den Straßenmeistereien da bereits neue Arbeit. In den zurückliegenden Wochen verbauten die Teams, die im Volksmund als "Plätzchenkolonnen" bezeichnet werden, 24 Tonnen Wintermischgut. Bei einem Schlagloch werden durchschnittlich zehn Kilogramm verarbeitet. Rechnerisch verfüllten die Mitarbeiter also 2400 Schlaglöcher. Zugleich erfassten und dokumentierten die Arbeiter 2017 10.460 Kleinschäden. 620.000 Euro stehen für ihre Beseitigung bereit.

Fazit: "Grundsätzlich ist festzuhalten, dass sich die allgemeine Straßensubstanz weiterhin gravierend verschlechtert hat", erklärte Zirngiebl den Politikern. Eine neue Asphaltdecke reicht vielerorts längst nicht mehr aus. Die Straßen müssen aufwendig saniert, das heißt, auch die Tragschicht muss erneuert werden. Derweil kommt nicht nur der nächste Winter ganz bestimmt. Auch sollen für ein schnelles Internet in den nächsten zwei Jahren 1000 Kilometer Glasfaserkabel in Remscheid verlegt werden. Auf 220 Kilometern sollen Straßen und Bürgersteige dafür bis 2020 aufgebrochen und danach wieder verschlossen werden.

Den Männern der TBR schwant Böses. Erinnern sie sich doch an die Gräben, die die Telekom zuletzt in Remscheid aufgetan und anschließend schlecht verfüllt hinterlassen hatte. Und das nicht auf 220, sondern nur auf 24 Kilometern. "Wir arbeiten die Mängelliste bis heute ab", sagte Zirngiebl. Die neuen Kabelverleger erwartet er deshalb mit schlechter Vorahnung: "Ich weiß nicht, wie das funktionieren soll."

(RP)