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Rosenmontagszug in Remscheid: Lennep singt und strahlt

Karneval in Remscheid : Lennep singt und strahlt

Viele Jecken am Straßenrand feierten bei leichtem Nieselregen die 18 Gruppen des Lenneper Rosenmontagszugs. Einige huldigten dem Entdecker der X-Strahlen.

Die schwarze Gräfin, so nennen wir die Dame im dunklen Gewand mit einen Rosengesteck im langen Haar – der Nieselregen hat ihren bürgerlichen Namen auf dem Notizblock des Reporters in blaue Pfützen aufgelöst – erwartete den Zug auf der Höhe des Röntgen-Museums. Ganz vorne in der ersten Reihe stand sie und winkte den Jecken mit einem roten Lächelmund zu. Auch wenn der Himmel über Lennep am Rosenmontag alles andere als strahlte, in Lennep strahlten die meisten Gesichter, heiter, freudig, ausgelassen. Schlechtes Wetter. Na und! Regen am Rosenmontag. Na und? Graue Wolken über Lennep. Na und?

So mancher durchsichtige Regenschutzumhang dämpfte die Farbpracht der Kostüme etwas ab, aber dem bunten Treiben fehlte es dennoch nicht an Farbigkeit und Fröhlichkeit. 18 Gruppen nahmen Aufstellung an der Albrecht-Thaer-Straße. Kleine Trupps wie die fidelen Schlafmützen und große Ensembles wie die „Schmetterlinge“ von der „Welle“, Wagen wie der Schulbus des Freundeskreises der Hilda-Heinemann-Schule und Musikkapellen der „Bonzelet-Freunde“. Und aus vielen Lautsprechern kölsche Lieder.

Keine Spitzen gegen das DOC, kein Schild gegen die AfD, kein Geschimpfe gegen das Rathaus. Politisch gesehen präsentierte sich der Lenneper Karneval ziemlich harmlos. Gleichwohl, der Klimaschutz tauchte als Thema auf. „Eisbären für die Rettung des Klimas“ marschierten durch die Straßen Lenneps, Aufschriften wie „Bewahrt Gottes Schöpfung“ waren zu lesen. Und der Verein „unBehindert Miteinander“ schickte ein paar Schneemänner ins Rennen (Winter, war da was?), mit vielen Zylindern auf dem Kopf, aber ohne CO2-Ausstoß.

Auffällig viele fidele Knochenklappergestelle tummelten sich im Zug. Lebende Röntgenaufnahmen. Röntgen, der große Sohn Lenneps, der im März vor 175 Jahre im Haus am Gänsemarkt 1 zu Welt kam, stand dieses Jahr Pate beim Motto des Zugs. So liefen ein paar total verstrahlte Typen durch die Gegend. Wie die fidelen Schlafmützen. „Jeder strahlt etwas aus“ lautete ihr freundliches Karnevalsmotto. Und so lange der Vorrat reichte, gab es für die Jecken am Rande Rosen.

 Die schwarze Gräfin am Röntgen-Museum bekam inzwischen Unterstützung im Dauerlächeln und Dauerwinken und Dauerschunkeln. Eine kleine Gruppe kostümierter Freunde verwandelte die Ecke in einen Treffpunkt guter Laune, zumal inzwischen einige alkoholische Getränke gereicht wurden. Lennep alaaf.

Lennep alaaf? Thomas Schmittkamp fuhr auf dem Weg zum Start mit einem roten Kastenwagen, dem „Lennep Offensiv“-Mobil, die Reihen ab und testete über das Megaphon die Stimmung. Helau oder alaaf? In der fünften Jahreszeit gehört Lennep zum Rheinland, zu Köln. Damit sich keiner vertut: „Hier heißt es alaaf“, sagte die Megaphonstimme. Und schon schien überall das Trömmelchen aus Kölle zu schlagen.

Vor allem bei den „Schmetterlingen“ der „Welle“. Nein, bei den „Butterflies“ der „Welle“. „Butterflies“ höre sich viel besser an. „Und wir fliegen auch bei Regen, so lange die Schminke hält“, riefen die Damen. Tropische Farben trugen sie, ein Gemisch aus Grün, Blau und Schwarz. Und wie in jedem Jahr – der Formationstanz der Welle-Damen mit ihren fast 50 Karnevalistinnen gehörte zu den Stimmungs-Höhepunkten.

Wäre ein Jeck am Thüringsberg mit einem Transparent aufgetreten, auf dem steht, ein „Herz für Remscheid“, ein paar Sprüche hätte er sich mindestens anhören müssen, und auch die besten Kamelle des Zugs hätten kaum zur Beruhigung geführt. Aber wer wie die „Fründe“ mit Herzen so groß wie Schilder von Rittern durch den Stadtteil zieht und die Lenneper Kirchturmspitze im Schlepptau hat, dem schallten warmherzige Wohllaute entgegen. Lennep ist Lennep. Einzigartig. Zumindest an Karneval.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So schön war der Rosenmontagszug in Lennep 2020