Remscheid: Röntgen-Plakette geht nach Bayern

Remscheid: Röntgen-Plakette geht nach Bayern

Der Wissenschaftspreis Röntgen-Plakette ist eine der höchsten Auszeichnungen, die die Stadt Remscheid vergeben kann. In diesem Jahr wird der Münchener Wissenschaftler Professor Dr. Franz Pfeiffer in Lennep geehrt.

Die Röntgen-Plakette der Stadt geht in diesem Jahr an einen Münchener Physiker: Professor Dr. Franz Pfeiffer. Dank seiner Forschung mit den bislang ungenutzten elektromagnetischen Wellen der Röntgenstrahlung, können künftig etwa Krankheiten wie Brust- oder Lungenkrebs deutlich früher diagnostiziert werden.

Der Wissenschaftspreis Röntgen-Plakette ist eine der höchsten Auszeichnungen, die die Stadt Remscheid vergeben kann. Sie ist eine Art kleiner bergischer Nobelpreis, den die Gesellschaft der Freunde und Förderer des Deutschen Röntgen-Museums und die Stadt Remscheid jährlich an internationale Wissenschaftler verleiht. Bei den Fachleuten ist die Röntgen-Plakette enorm begehrt.

"Obwohl es sich dabei nur um einen Ehrenpreis handelt", sagt Dr. Uwe Busch, Direktor des Röntgen-Museums und Mitglied der gleichnamigen Fördergesellschaft. Hohe Preisgelder von einer Million Euro, wie etwa beim Leibniz-Preis, den Professor Dr. Franz Pfeiffer 2010 gewann, gibt es in Remscheid nicht. Dafür aber teilen sich die Preisträger den bergischen Titel mit hochkarätigen Wissenschaftlern und echten Nobelpreisträgern.

Verliehen wird die Röntgen-Plakette an Menschen, die sich "im weitesten Sinne um den Fortschritt und die Verbreitung der Röntgen zu verdankenden Entdeckung in Wissenschaft und Praxis besonders verdient gemacht haben." Der 45 Jahre alte Professor Dr. Franz Pfeiffer ist ein solcher Mann. Mit seiner Forschung zur Entwicklung der sogenannten Phasenkontrast-Bildgebung hat er einen neuen Weg gefunden, andere Röntgenbilder zu produzieren, indem er die bislang ungenutzten Eigenschaften der Strahlung verwendet.

"Normalerweise entstehen die Röntgenbilder dadurch, dass das bestrahlte Objekt die Strahlung absorbiert und auf dem Film der Schatten des Objekts sichtbar wird", beschreibt Dr. Ulrich Mödder, Vorsitzender der Fördergesellschaft.

Elektromagnetisch lassen sich die Strahlen aber auch anders verwenden, indem ihr Wellencharakter, wie beim Licht, genutzt wird. "Die Strahlung wird beim Auftreffen auf das Objekt auch minimal abgelenkt", sagt Mödder. Dadurch wird die Strahlung zum einen gebrochen, zum anderen gestreut, was wiederum andere Muster bildet, durch die neue Bilder entstehen.

Bei der Brechung der Strahlung entsteht der Phasenkontrast, der besonders gut für die Abbildung von Weichteilen, wie Leber, Brustdrüsen oder Prostata geeignet ist. Wird die Strahlung dagegen gestreut, entsteht der sogenannte Dunkelfeldkontrast. "Das ist besonders gut für Aufnahmen von Strukturen mit vielen Fasern, wie etwa der Lunge oder der Brust", erklärt Mödder.

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Durch diese Bilder, die sich aufeinanderlegen lassen, entstehen neue Möglichkeiten der Auswertung und der Diagnostik. Veränderungen im Gewebe und den Organen lassen sich dadurch viel früher erkennen.

"Über die biomedizinische Grundlagenforschung hinaus haben seine Forschungen ein immenses Potenzial für die Verbesserung der gesamten Palette der medizinischen Röntgen-Diagnostik", betont Museumsdirektor Dr. Uwe Busch: "Sie werden die Mammo-, Radio- und Computertomographie deutlich verbessern."

Professor Dr. Franz Pfeiffer wurde am 25. November 1972 in Kösching im oberbayrischen Landkreis Eichstätt geboren, studierte von 1993 bis 1999 Physik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Danach war Preisträger Pfeiffer als Wissenschaftler in Frankreich und den USA aktiv, ehe er 2009 als Physikprofessor an den Lehrstuhl für Biomedizinische Physik am Institut für Physik der Technischen Universität (TU) München berufen wurde. Seit 2012 ist er auch Professor in der Fakultät für Medizin der TU. Das ist eine Besonderheit.

Im Rahmen der Verleihung der Röntgen-Plakette wird Professor Dr. Franz Pfeiffer am Freitag, 20. April, von 15 bis 16.30 Uhr auf Schüler des Lenneper Röntgen-Gymnasiums (Rögy) treffen, die ihre Fragen an den Preisträger stellen werden.

Zur eigentlichen Verleihung am Samstag, 21. April, 11 Uhr, in der Klosterkirche, werden zahlreiche prominente Gäste aus Politik und Wissenschaft in der Röntgenstadt erwartet. Auch interessierte Bürger sind bei der Veranstaltung willkommen.

(RP)
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