Remscheid: Rentner verlieren Vermögen

Remscheid : Rentner verlieren Vermögen

Die Finanzkrise beutelt Sparer: Einem älteren Ehepaar pries eine Bank Zertifikate an, als sich die Pleite abzeichnete. Die Verbraucherzentrale registriert viele Anfragen von Bankkunden, die Geld in Risikopapiere angelegt haben.

Manch schönen Traum kann das Ehepaar Sch.* jetzt nicht mehr so verwirklichen wie geplant. Das über Jahre ersparte Vermögen ist auf einen Schlag dramatisch geschrumpft: Die beiden Rentner haben Lehman-Brother-Zertifikate gekauft, deren Kursverfall für Schlagzeilen sorgte. Heute ärgern sie sich über ihre Gutgläubigkeit bei der Geldanlageberatung ihrer Hausbank. Denn beim Kauf der Papiere hatte sich die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers längst abgezeichnet.

"Wir fühlen uns falsch beraten", sagt der fleißige Sparer, der bei der Rechtsberatung der Remscheider Verbraucherzentrale Hilfe suchte. Er und seine Frau gehören zu den zahlreichen Opfern, die durch Anlagen in der Finanzkrise viel Geld verloren haben. Sie versuchen jetzt, zumindest einen Teil über eine Entschädigung zurückzubekommen, berichtete Lydia Schwertner, Leiterin der Verbraucherberatung. In Remscheid nutzen seit den Bankenpleiten und dem Kursverfall mehr Bürger die Rechtsberatung. Rechtsanwalt Lutz Stader prüft im Auftrag der Verbraucherberatung gegen eine Gebühr juristische Möglichkeiten im Einzelfall. Zum Beispiel, ob auf außergerichtlichem Weg eine Entschädigung erreicht werden kann. Verbraucherschützer fordern eine Umkehr der Beweislast, erklärt Stader. Banken sollten das Beratungsgespräch mit dem Kunden beweissicher dokumentieren. Bisher müsse der Kunde beweisen, dass er falsch oder unzureichend beraten wurde.

Oftmals gehe die Initiative zur Anlageberatung vom Kreditinstitut aus, nicht vom Sparer selber. Auch das Ehepaar Sch. erhielt eine Einladung seiner Bank zu einem Beratungsgespräch, "als auf unserem Girokonto ein großes Plus war", berichtete der Rentner. Da er bis zu diesem Zeitpunkt gute Erfahrungen mit Empfehlungen seines Beraters gemacht hatte, habe er ihm vertraut, als er "lukrative Papiere" anbot. Papiere im Wert von 21 000 Euro kaufte das Ehepaar schließlich.

Dass irgendwo in der dicken Broschüre der Hinweis auf ein "Totalrisiko" auftauchte, war ihm nicht bewusst. Bei der so genannten Risikoprofil-Einschätzung hätten er und seine Frau keinen Einblick gewinnen können, was der Berater am PC notierte. Üblicherweise werde der Kunde gefragt, ob er die sichere Anlage bevorzuge oder eher auf hohe Renditen setze — mit dem damit verbundenen Risiko.

Wie Lutz Stader berichtet, prüfe die Verbraucherzentrale die Erstattung einer Betrugsanzeige gegen diese Bankengruppe, weil sie Profile ohne Kundenbefragung erstellt haben soll und die Anleger keinen Durchschlag davon erhalten haben sollen.

Für das Rentnerpaar, das jetzt auf einen Vergleich hofft, kommen künftig nur noch sichere Anlagen wie Festgeld in Frage. Mit den Zertifikaten hat es schlimmstenfalls etwa 25 000 Euro in den Sand gesetzt.

Info *Das Ehepaar möchte anonym bleiben.

(RP)