Remscheids Politiker zeigen kaum Interesse an Kultur

Remscheid: Kulturpolitiker zeigen kaum Interesse an Kultur

Häufig lässt der Ausschuss alles vermissen, was zu einem lebendigen Ausschuss gehört: Interesse, Engagement, Initiative und gelegentlich auch Sachkenntnis.

Besucher gibt es bei den Sitzungen des Kulturausschusses so gut wie nie. Einen Besuch kann man auch nicht empfehlen, denn die Art und Weise, wie sich die gewählten Kommunalpolitiker dort mit Remscheids Kultur beschäftigen, wirft ein schlechtes Licht auf die lokalpolitischen Gepflogenheiten an der Graswurzel der Demokratie. Häufig lässt der Ausschuss alles vermissen, was zu einem lebendigen Ausschuss gehört: Interesse, Engagement, Initiative und gelegentlich auch Sachkenntnis.

Die jüngste Sitzung des Kulturausschusses kann als Beispiel für die mentale Lethargie angeführt werden, die sich inzwischen zur Standardatmosphäre entwickelt hat. Die neue Theaterleiterin Rebecca Egeling stellte sich zum ersten Mal einem politischen Gremium vor. Die Mitglieder schienen aber keine Neigung zu verspüren, von dieser Frau, die in den nächsten fünf Jahren das Programm des Teo Otto Theaters bestimmt, mehr zu erfahren. Es gab eine einzige, kurze Frage zur Zukunft des Musikprogramms. Das war es. Es wäre aber für die Kulturpolitiker eine gute Gelegenheit gewesen, mit der neuen Theaterleiterin in einen Dialog zu treten, in welche Richtung sich das Theater entwickeln soll. Ist es keine Diskussion wert zu erfahren, wie das Spagat zu schaffen sei, das Stammpublikum zu befriedigen und gleichzeitig neues Publikum zu gewinnen? Sollte man nicht auch mal nachfragen, warum die Sparte Tanz weiter ein Schwerpunkt im Programm sein soll? Und wäre es nicht sinnvoll zu hören, was Frau Egeling darunter versteht, die Sparte Schauspiel neu zu ordnen? Von den Politikern ging das klare Signal aus: kein Bedarf an Informationen. Tagesordnungspunkt abhaken. Weiter machen.

Foto: Christian Peiseler
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Die kultivierte Interessenlosigkeit zeigt sich auch darin, dass die Politiker nur sehr selten der Sache auf den Grund gehen wollen und bei der Verwaltung nachhaken. Kulturdezernent Sven Wiertz stellte im Mai die Pläne für das Haus Cleff vor und zeigte auf, welche großen Hürden das Projekt nehmen muss, damit es verwirklicht werden kann. Immerhin steht zu befürchten, dass das entkernte Haus gar nicht mehr geöffnet werden kann, wenn es keine Zuschüsse gibt. Keine Nachfrage der Mitglieder dazu, wie es denn gelingen soll, das Haus Cleff zu einem Ort von nationaler Bedeutung zu machen. Warum nicht? Zu kompliziert? Zu heikel? Oder spricht man nur hinter verschlossener Tür? Jede Baustellenführung wird intensiver diskutiert als ein Spielplan der Symphoniker. Bedauerlich.

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