Remscheider Täter vor Gericht „Hätte ich kein Bargeld dabeigehabt, wäre ich jetzt tot“

Remscheid/Wuppertal · Sie wollten Geld und attackierten nach aktuellem Stand ihre Opfer mit einem Cuttermesser in der Kölner Innenstadt. Nun sitzen deshalb mehrere Remscheider vor dem Wuppertaler Landgericht.

Mehrere Remscheider attackierten Männer in der Kölner Innenstadt.

Mehrere Remscheider attackierten Männer in der Kölner Innenstadt.

Foto: dpa/Soeren Stache

Es ist der 12. November 2023, morgens um sechs, in Köln hatten sich die Karnevalisten gerade in die neue Session geschunkelt. Tarek A. ist auf dem Weg zum Hauptbahnhof, er will für zwei Tage mit dem Zug nach Amsterdam fahren. „Da hat mich ein Typ angesprochen und mir meinen Koffer weggenommen“, erinnert sich der 48-Jährige an das, was ihn bis heute traumatisiert. Der Mann habe ihm eine Frage gestellt, er habe geantwortet, dass er keine Zeit habe und zum Zug müsse. „Dann ging die Schlägerei los“, erzählt der Filialleiter eines Bekleidungsgeschäftes im Gerichtssaal.

Zwei Männer hätten ihn an die Wand gedrückt, einer hat ihm mit dem Cuttermesser mehrfach ins Gesicht geschnitten und gesagt: „Geld her oder du stirbst!“ Der mit dem Messer sei extrem aggressiv gewesen, „wie auf Drogen“. Die Vorsitzende Richterin Irina Schütz zeigt ein Foto der Wunde, sie reicht vom Ohr bis zum Kinn. „Hätte ich kein Bargeld dabeigehabt, wäre ich jetzt tot“, glaubt Tarek A. Die Täter hätten irgendwann von ihm abgelassen, einer habe den Typ mit dem Messer von ihm weggezogen. Er habe noch gehört, wie sie gesagt hätten, dass es da jemanden anderen gebe. „Und dann sind die tatsächlich gegangen, um den Anderen zu attackieren“, erinnert sich Tarek A. an das dramatische Geschehen in jener Nacht in der Kölner Innenstadt.

Dem zweiten Opfer sei er kurz darauf bei der Polizei begegnet, sie seien beide ins Krankenhaus gebracht worden. Der Mann auch ein Passant, sei schlimmer dran gewesen als er: „Schnittwunden im Gesicht, der konnte nicht mehr reden“.

Zwischen 15 und 20 Männer habe er damals im Umfeld des Geschehens gesehen, die fünf, die ihn attackiert haben sollen, hätten zu dieser Gruppe gehört. Vier der mutmaßlichen Täter sitzen nun im Saal L 147 des Wuppertaler Landgerichts, zwei in Remscheid geborene Sudanesen (16, 19), ein Italiener (16) und ein Tunesier (17). Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten schweren Raub vor, zwei Wochen später sollen sie drei weitere Passanten ausgeraubt und teils lebensgefährlich verletzt haben.

Die Vorsitzende Richterin Irina Schütz hatte Tarek A. gerade als Zeugen entlassen, da ergreift der 48-Jährige noch mal das Wort: Drei der Angeklagten erkenne er wieder, auch den mit dem Messer. „So etwas vergisst man nicht“, sagt er, um nun, auf Nachfrage eines Verteidigers ein drittes Mal zu erzählen, wie der Raubüberfall genau ablief: Mit dem Messer unter der Nase verletzt, an die Wand gedrückt, mit den Knien in den Bauch und in den Unterleib getreten, mit dem Messer quer übers Gesicht, dann sei er auf der Straße zusammengebrochen.

Was all das mit Tarek A. gemacht hat, sieht man, wenn man ihn jenseits des Gerichtssaals beobachtet: Er kann nicht durch die Sicherheitsschleuse gehen, in engen Räumen bekommt er Panik. Er will anfangs nicht in den Gerichtssaal und keinesfalls dort den Angeklagten begegnen. Damit er es dennoch tut, setzt sich ein Wachtmeister dazwischen. Die Staatsanwältin lässt er wissen: „Seit dem Überfall bin ich nicht mehr normal“. Er habe geglaubt, in Deutschland sei er sicher. Seit dem Überfall mache er eine Therapie.