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Remscheider Tannenhof: Patient wird übergriffig – Prozess

Fälle im Remscheider Tannenhof : Patient wird übergriffig – Prozess

Das Wuppertaler Landgericht verhandelt derzeit wegen sexueller Übergriffe gegen einen 54-jährigen Würzburger, der im Juli und im November 2018 zwei Pflegerinnen im Tannenhof sexuell genötigt haben soll.

Der Beschuldigte war zur Tatzeit als Patient in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht, wegen seiner psychischen Erkrankung gilt er als schuldunfähig. Die Staatsanwaltschaft hat die Durchführung eines Sicherungsverfahrens beantragt, dem 54-Jährigen droht die dauerhafte Einweisung in den Maßregelvollzug.

Die angeklagten Vorfälle liegen bereits zwei Jahre zurück, am 10. Juli soll der Beschuldigte einer Krankenschwester (25) unbemerkt auf die Personaltoilette gefolgt sein. Als die Frau die Toilettentür geöffnet habe, soll der Mann sie bedrängt und ihr an die Brust gefasst haben. Trotz Gegenwehr soll er dem Opfer die Hose geöffnet und in den Slip gegriffen haben. Der Pflegekraft soll es dann gelungen sein, den Beschuldigten von sich wegzustoßen und sich selbst in der Toilette einzuschließen. Dort habe sie gewartet, bis der Patient die Personaltoilette verlassen habe.

Ein weiterer Übergriff richtete sich ebenfalls gegen eine Pflegerin, die der Beschuldigte mit beiden Händen am Hals gepackt und an die Wand gedrückt hatte. Die 22-Jährige hatte laut um Hilfe gerufen, kurz darauf waren Kollegen aus dem Dienstzimmer herbeigeeilt.

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Nach mehrfachen Aufenthalten im Tannenhof soll dort bereits bekannt gewesen sein, dass der Beschuldigte des Öfteren sexuell übergriffig gewesen sei. Am Tag des Übergriffs auf die 25-jährige Pflegekraft im Juli 2018 soll er zuvor eine Patientin sexuell belästigt haben. Beide seien unruhig im Flur hin- und hergelaufen, bevor der Mann die Frau gegen deren Willen auf ein Bett gesetzt und ihr unter den Rock gefasst habe. Auch andere Mitpatientinnen und sogar deren Besucher sollen von ihm „an den Po gefasst“ und bedrängt worden sein.

Der Beschuldigte selbst ist augenscheinlich nicht mehr in der Lage, die Folgen seines Tuns zu überblicken. Nach dem Abitur die Ausbildung zum Steuerfachgehilfen, zwei Ehen und zwei Kinder: In der ersten Lebenshälfte scheint alles ganz normal gelaufen zu sein. Mittlerweile ist der 54-Jährige von seiner dementiellen Erkrankung derart gezeichnet, dass die Kammer bereits nach einer halben Stunde ohne ihn weiter verhandeln musste.

Die Kritik der Nebenklageanwältin Juliane Hilbricht, die eines der beiden Opfer vertritt, richtet sich hingegen gegen die Stiftung Tannenhof. Dort soll man ihrer mittlerweile in einer anderen Klinik beschäftigten Mandantin nach dem Vorfall auf der Personaltoilette den Eindruck vermittelt haben: Du bist Krankenschwester in der Psychiatrie, da musst du durch.

Die junge Frau sei erst auf eine andere Station versetzt worden, als sie sich nach einem psychischen Zusammenbruch selbst krankgemeldet habe. Es gebe zu wenig Notfallknöpfe auf der Station und kein Bewusstsein dafür, dass Opfer derartiger Übergriffe psychologische Unterstützung bräuchten. „Und das in einer Psychiatrie“, so Hilbricht, die dazu beklagt, dass die Klinik ihren Schutzauftrag gegenüber Angestellten nicht begriffen habe.

Schlimm sei im Übrigen auch, dass gleichermaßen ignorant mit Patientinnen und deren Besuchern umgegangen werde – auch hier gebe es nämlich Übergriffe, die dort offenbar als „normal“ hingenommen würden.