Remscheider Symphoniker überzeugen mit Frida Gold

Remscheider Symphoniker : Sternstunden mit Frida Gold

Im ausverkauften Teo Otto Theater eröffneten die Bergischen Symphoniker die zweite Runde der Reihe „On Fire“. Miki Kekenj, Konzertmeister des Orchesters, schrieb die Arrangements, dirigierte und moderierte den Abend.

Es ist nicht ohne Gefahr, wenn ein Orchester wie die Bergischen Symphoniker sich mit der vielschichtigen Welt der Popmusik verbindet. Die Gefahr liegt darin, dass die Streicher und Celli, die Bratschen und der Kontrabass den so fein austarierten Sound einer Band wie Frida Gold weichspülen zu einem Meer aus seichten Klängen. Wie es so häufig passiert, wenn Streicher nur oberflächlich zur Sättigung der romantischen Farben beitragen.

An diesem Abend ist alles anders. Keine Gefahr. Die übliche Gitarre und das Schlagzeug hat wohl keiner der Besucher im Teo Otto Theater wirklich vermisst bei dem zweistündigen Konzert aus der Reihe „On fire“. Und selbst die Sängerin Alina Süggeler erlebt ihre eigenen Songs von einer neuen Seite. „Es ist für uns etwas Besonderes, unsere Lieder aus deiner Welt zu hören“, sagt Süggeler zu Miki Kekenj. Der Konzertmeister der Bergischen Symphoniker schreibt die Arrangements, dirigiert und moderiert. Der Transfer funktioniert. Mehr noch. Er überzeugt. Mehr noch. An manchen Stellen gibt es jene Momente, die Konzerte außergewöhnlich machen: Die Musik schiebt einen in eine andere Umlaufbahn, in der das duale System des Alltag zersplittert.

Alina Süggeler trägt einen Hosenanzug mit weitem Dekolletee und rot-weißen Streifen an den Seiten und rote Schuhe. Sie sitzt auf einem hohen Hocker. Die ganze Zeit. So wie ihre Begleiter, der Gitarrist Andreas Weizel. Ab und zu greift der Mann mit den hochgesteckten Haaren und einem gestreiften weiten Anzug zur akustischen oder zur weißen E-Gitarre, um die lyrischen Songs zu unterstützen und dem Orchesterklang eine erdige Gegenstimme zu geben. Sein E-Gitarrensolo schneidet sich wie ein Metallbohrer durch das feine Klangmuster aus Geigen und Bratschen, um am Ende ganz zu verlöschen. Wunderbar.

Im Mittelpunkt sternfunkelt die Stimme von Süggeler. Sie klingt zart und geschmeidig. Ihr Volumen ist begrenzt, aber ihre Artikulationskraft reicht bis in die kleinste Nuancierung jeder Silbe. Manchmal schließt sie die Augen, fuchtelt sacht mit den Händen, als würde sie gerne noch mehr ausdrücken wollen als sie besingen kann. Ihre Songwelt besteht aus Träumen, aus Liebe, aus Hoffnung, aus Utopien. Ihre Texte reimen sich nicht leichtfertig. Keine Zeile ist auf Pointe getrimmt. Frida Gold hat etwas zu erzählen und zu fragen. „Wo sind wir zu Hause?“ „Wovon sollen wir träumen?“ „Alle Frauen in mir sind müde . . .“

Ihre Phantasie schöpft aus den Gewässern der Melancholie. Sie mischt meistens einen Fingerhut voller Schmerz in ihre Lieder. Ihre Kunst besteht darin, nicht süßlich zu werden, nicht ins Klischee abzurutschen. Und selbst solche Zeilen wie „Liebe ist meine Religion“ nimmt man ihr ab. Es singt keine Weltverbesserin auf der Bühne, sondern eine Frau, die sich viele Gedanken über die Welt der Menschen macht.

Das Publikum saugt diesen Abend auf. Das vierte Konzert der Reihe „On fire“ unterstreicht nachdrücklich, dass die Bergischen Symphoniker auf dem richtigen Weg sind, sich mit ungewöhnlichen Formaten ein anderes Publikum zu erobern. 600 Plätze. Ausverkauft. Drei Zugaben. Und die Vorfreude auf die nächsten beiden Konzert in dieser Saison ist schon heute riesig.

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