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Remscheider soll Stief-Oma mit Messer getötet haben

Remscheider muss sich vor Landgericht verantworten : 36-Jähriger soll Seniorin mit Messer getötet haben

„Wäre es nicht um ein Tötungsdelikt gegangen, hätte es auch ein ganz normales Gespräch gewesen sein können.“ So beschrieb der als Zeuge geladene Kriminalkommissar die erste Vernehmung des 36-jährigen Remscheiders, der die Stiefgroßmutter seiner langjährigen Lebensgefährtin mit einem Messer getötet haben soll.

Nur wenige Tage nach dem Mord im September 2019 hatte er sich im Beisein seines Anwalts bei der Polizei gestellt und den Beamten auf der Wache in nüchternen Worten die erschreckenden Abläufe geschildert. Der Auslöser für die Tat: Der Arbeitslose will sich auf die Bitte nach einem Darlehen mit einem „hämischen Lachen“ von seinem Opfer als Verlierer verspottet gefühlt haben. Daraufhin sei der äußerlich ruhige, aber innerlich labil Depressive ausgerastet.

So jedenfalls schilderte es der erfahrene Polizist, der in 15 Jahren Ermittlungstätigkeit noch bei keinem Täter einen solchen Kontrast zwischen persönlicher Beherrschung einerseits und der brutalen Tötung andererseits erlebt haben will. Geradezu schmerzlich genau sei die emotionslose und sachliche Tatbeschreibung in der Vernehmung gewesen: Es habe keine Beschönigungen, keine Selbstverteidigung und keine Rechtfertigungen gegeben. Der Angeklagte habe gewollt, dass es vorbei sei und die Tötungsabsicht zugegeben mit den Worten: „Ich wollte, dass sie aufhört zu schreien.“

Ähnlich betroffen reagierte eine Psychologin, die den 36-Jährigen in der offenen Station der Stiftung Tannenhof betreut hatte. Nur schwer sei sie dessen verschlossener Psyche nähergekommen, hinter der sich tiefe Depressionen, aber auch Gewaltfantasien verborgen haben sollen. Der Verlust seines Arbeitsplatzes und die Trennung von seiner Familie habe dem Mann schwer zu schaffen gemacht. Dazu hätten ihn hohe Schulden und die Spielsucht bedrückt. Aber Emotionen deswegen zuzulassen? Dies schien er bis zum Äußersten vermeiden zu wollen.

Hilfe habe er dann im Tannenhof gesucht, mehrfach habe er sich dort selbst in die Psychiatrie eingewiesen. Am Morgen der Tat soll er sich bei der Psychologin abgemeldet haben - angeblich um einen Termin bei Gericht und einen Vorstellungstermin bei einem möglichen Arbeitgeber wahrzunehmen. Tatsächlich aber habe er die alte Dame besucht und sie um Geld gebeten, was in der Katastrophe geendet habe. Als er am Nachmittag wieder in die Therapie zurückkehrt sei, habe sie trotz langjähriger Erfahrung keinen Unterschied in seinem Verhalten bemerken können.

Auch andere Betreuer aus dem Tannenhof, die als Zeugen gehört wurden, sahen keine Gefahren vom Angeklagten ausgehen. Ein Anruf seiner Schwester, dass er zwei Messer und Klebeband mit in die Klinik genommen habe, sei trotzdem ernst genommen worden. Der Angeklagte sei sofort nachdrücklich befragt, sein Zimmer ohne Ergebnis durchsucht worden. Gefunden hatte man offenbar nichts, also sei Entwarnung gegeben worden.

Aggressive Tendenzen habe man beim Angeklagten nicht sehen können - man betrachtete ihn als ruhig und ausgeglichen, wenn auch sehr zurückgezogen. Die Kontakte zu anderen Patienten seien störungsfrei gewesen. Eine Fremdgefährdung habe man für weniger wahrscheinlich gehalten wie einen möglichen Selbstmord.

Fortsetzung Der Prozess wird am 22. Mai mit der Einlassung des Angeklagten fortgesetzt.