Missbrauch von Kind in Remscheid Angeklagter pocht auf Einvernehmlichkeit

Remscheid/Wuppertal · Ein Remscheider sitzt vor dem Wuppertaler Landgericht, weil er seine 13-jährige Nichte sexuell missbraucht haben soll. Während der Verhandlung beleidigte er das mutmaßliche Opfer und behauptete, das Kind habe ihn bedrängt.

 Ein Remscheider ist wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt.

Ein Remscheider ist wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt.

Foto: dpa/Oliver Berg

Seine Nichte sei „mit allen Wassern“ gewaschen, sie sei „ein abgebrühtes Stück Scheiße“. Was man von dem wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagten Remscheider im Gerichtssaal zu hören bekam, war zutiefst verstörend. Das Mädchen habe den Sex mit ihm nicht nur gewollt, sondern ihn sogar dazu gedrängt. „Sie wollen uns ernsthaft glauben lassen, dass das alles von dem Mädchen ausging?“ stellte die Vorsitzende Richterin Irina Schütz gleich zu Beginn klar, dass man sich keinesfalls auf das argumentative Niveau des Angeklagten begeben wolle. In den von der Jugendschutzkammer geführten Prozessen bekomme sie fälschlicherweise immer wieder zu hören, dass die Sexualstraftäter von ihren Opfern manipuliert worden sein sollen. Das Mädchen habe gegenüber Ermittlern dazu auch noch gesagt, dass der 35-Jährige sie geschlagen und getreten haben soll: mit diesem Tatvorwurf wandte sich Schütz an den Angeklagten, der erneut zum „Gegenschlag“ ausholte: „Lügen konnte sie schon immer gut“.

Dass der Sex mit dem Mädchen „einvernehmlich“ gewesen sei, räumte auch die Staatsanwältin ein. Allerdings habe es sich bei dem Opfer um ein Kind gehandelt und der Angeklagte hätte wissen müssen, dass das eine Straftat sei. Hinzu war gekommen, das er Aufnahmen von sich und seiner Nichte in sozialen Netzwerken verschickt haben soll. Dazu noch Selfies mit erigiertem Penis und kinderpornografische Aufnahmen. Um Kinder sei es ihm dabei aber nicht gegangen, „das hätte auch eine 30-Jährige sein können“, ließ der Remscheider das Gericht wissen.

Er müsse sich um seine pflegebedürftige Mutter kümmern und als dann auch noch der an Krebs erkrankte Vater gestorben sei, sei er in eine seelische Krise geraten: „Meine Welt ist zusammengebrochen, ich habe einfach aufgegeben“. Nach der Beerdigung habe er sich komplett zurückgezogen, in dieser Zeit habe „alles angefangen“. Seine Nichte habe ihn damals öfters in seiner Wohnung besucht, das Mädchen habe Streit mit seiner Mutter gehabt, er habe die 13-Jährige „getröstet.“ Sie habe zu ihm gesagt, das sie „Gefühle für ihn habe“ und das er ihr „erster Mann“ sein solle. Auf ihre Annäherungsversuche habe er sich anfangs nicht eingelassen, und dann sei es eben „passiert“. „Das Mädchen hat Ihnen gesagt ‚du bist mein erster Mann‘ und Sie haben gesagt: ‚Super, das machen wir jetzt?‘“, will die Vorsitzende Richterin kopfschüttelnd vom Angeklagten wissen.

Der 35-Jährige sucht derweil weiter nach Gründen, die das Ganze wie einen „Ausrutscher“ aussehen lassen sollen. Zuvor hatte er aber auch das gesagt: „So will ich nicht mehr weitermachen.“ In der Untersuchungshaft habe er viel Zeit gehabt zum Nachdenken, er wolle unbedingt eine Sexualtherapie machen. Im Prozessverlauf wurde klar: Der Angeklagte ist einschlägig vorbestraft, schon damals hatte man kinderpornografische Aufnahmen auf seinem Handy gefunden. Am Mittwoch will die Kammer das Urteil verkünden.

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