Rosenhügel / Hasenberg: Remscheider Quartiere unter der Lupe

Rosenhügel / Hasenberg: Remscheider Quartiere unter der Lupe

Wissenschaftler der Uni Dortmund haben zehn Monate lang Menschen in Rosenhügel und Hasenberg begleitet. Das Ergebnis soll nun in Strategien zur Quartiersgestaltung einfließen.

Sie haben Fragen gestellt und wollten es genau wissen: Leben die Menschen gerne im Stadtteil Rosenhügel? Was nervt die Bewohner am Lenneper Hasenberg? Mit welchen Problemen schlagen sich die Menschen in den beiden Remscheider Stadtteilen herum?

Zehn Monate lang waren die Wissenschaftler der Technischen Universität Dortmund im Zeichen der Quartiersforschung in Rosenhügel und Hasenberg unterwegs. Sie fragten Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte, arme und wohlhabendere Anwohner, Alte und Junge, Gesunde und Kranke. Am Dienstagabend stellten sie ihre Ergebnisse vor. "Wir haben festgestellt, dass es eine große Zufriedenheit mit dem Leben in den Stadtteilen gibt", erklärte Dr. Nina Schuster.

Das "Aber" folgte allerdings auf den Fuß. Schließlich hatten die Wissenschaftler nicht locker gelassen. Zu oft hatte es in der Vergangenheit bundesweit Aussagen darüber gegeben, dass Menschen in Quartieren deutlich weniger Chancen und Perspektiven hätten als andere. Das Team der TU Dortmund hatte sich deswegen vorgenommen, das Thema empirisch anzugehen - ergebnisoffen und ganz sachlich.

Und deswegen fragten sie weiter: Woher rührt die Zufriedenheit? Auf was verzichten die Menschen? Und liegen im Quartier vielleicht doch Ursachen für Benachteiligungen? "Die Bewohner in Rosenhügel freuen sich über die gute Infrastruktur", erklärte Anne Volkmann. Alles, was sie erledigen müssen, liege nur ein paar Fußschritte entfernt. Und durch die vielen Begegnungsmöglichkeiten würden die Menschen auch in Kontakt bleiben.

Am Lenneper Hasenberg allerdings konzentriere sich der Quartiersgedanke vor allem auf das Wohnen: "Es gibt Anwohner, die genießen Ruhe und Natur", stellte Dr. Nina Schuster fest, "und andere leiden dort unter der Abgeschiedenheit."

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Und so lautete das Ergebnis der Wissenschaftler am Ende: "Quartiere sind zwar nicht die Ursache für Benachteiligung, aber sie können diese verstärken." Das bedeutet: Menschen mit wenig Geld oder schlechter Gesundheit, ohne Arbeit und Bildung oder mit Altersgebrechen können im Quartier an ihre Grenzen geraten.

Fehlende Mobilität und Facharztpraxen, lange Wege zum nächsten Supermarkt, der letzte Bäcker, der die Türen schließt und zunehmende Anonymität würden dann schnell zum Problem. "Auf der anderen Seite gab es Menschen, die in diesen Situationen den Zusammenhalt in den Quartieren und das Heimatgefühl lobten", berichtete Dr. Nina Schuster.

Differenziert wollen die Wissenschaftler deswegen die Situation in den Quartieren betrachten. "Unsere Ergebnisse werden im nächsten Schritt in Strategieplanungen einfließen", erklärte Professor Thorsten Wiechmann. Gemeinsam mit Stadt und Wohnungsbaugesellschaft, mit den Menschen in den Vierteln, engagierten Initiativen und allen interessierten Remscheidern sollen im nächsten Jahr Strategien entwickelt werden, um die Lebensqualität in den Quartieren weiter zu verbessern.

Neben Rosenhügel und Hasenberg wird es dann auch um Hohenhagen und Honsberg gehen. Themen wie Mobilität, Quartiersmanagement, soziale Treffpunkte, Praxen, Unterstützungsangebote und kulturelle und sportliche Projekte sollen dann bedacht werden - und modellhaft für Quartiersplanungen im ganzen Land stehen.

"Es wird nicht bei der Analyse bleiben", betonte Professor Thorsten Wiechmann, "es soll etwas geschehen. Die Quartiere werden sich verändern."

(RP)
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