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Remscheider Löwen-Festival: Auftakt mit Kaschämm bei Regen und Sturm​

Löwen-Festival in Remscheid mit „Kaschämm“ : Auftakt bei Regen und Sturm

Am Donnerstagabend eröffneten die Kölsch-Rocker „Kaschämm“ das erste Löwen-Festival nach der Corona-Zwangspause. Allerdings zeigte sich das Wetter von seiner weniger schönen Seite.

Den ganzen Donnerstag brennt die Sommersonne von einem geradezu malerischen blau-weißen Himmel – und am Abend steht man mit Regenschirm und Jacke in Regen und Wind auf dem Rathausplatz. Umso ungerechter wird das Ganze, wenn man sich bewusst macht, dass es der Auftakt zum ersten Löwen-Festival seit 2019 ist. Ob das eine Verschwörung ist? Ach was, „Kaschämm“-Sänger Daniel hat es da eher mit Zweckoptimismus: „Ich bin froh, dass wir so viele überdachte Stellen auf dem Rathausplatz haben“, sagt er nach dem Auftaktsong, zu dessen ersten Tönen es wieder kräftig zu regnen begonnen hat. Wieder? Ja, denn schon bei Singer/Songwriter Happy Isyan, Gewinner des Newcomer Festivals von 2019, der mit seiner melancholischen Gitarrenmusik mehr als nur Höflichkeitsapplaus bekommt, kommt der erste heftige Regenguss auf den Rathausplatz nieder.

Sei‘s drum. Die Menschen sind froh, dass es endlich wieder Livemusik unter dem wachsamen Auge des Löwen gibt. Eine ganze Menge Unentwegter bleibt dann auch auf dem Rathausplatz stehen, während es den Großteil der Besucherinnen und Besucher dann aber doch erst einmal unter das Vordach des Allee-Centers zieht. Was aber nicht gleichzusetzen ist mit gelangweiltem Beobachten von der Seitenlinie aus. Dazu ist die Musik des Kölner Sextetts auch ganz und gar nicht geeignet. Solange der Dom nicht wegfliegt, respektive das Remscheider Rathaus, wird gerockt. Und zwar ganz nach der im Karneval erprobten Lesart der großen „Kaschämm“-Vorbilder – namentlich etwa Bands wie die „Brings“, die „Paveier“, die „Höhner“ oder auch neuere Vertreter wie „Miljö“ oder „Lupo“.

 Deckung vor dem Regen suchten die einen unterm Schirm, die anderen am Bierstand.
Deckung vor dem Regen suchten die einen unterm Schirm, die anderen am Bierstand. Foto: Jürgen Moll
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Das macht Spaß, keine Frage, da wird zum „Nanana“-Refrain des „Miljö“-Hits „Wolkeplatz“ sowohl im „Westflügel“ als auch in der „Südkurve“ – also besagten regengeschützten Randbereichen des Theodor-Heuss-Platzes – mitgesungen, geschunkelt und auf Daniels Frage („Habt ihr noch Spaß?“) lautstark „Ja!“ zurückgebrüllt. Weil, auch wenn es ein Klischee sein mag, dem Remscheider macht doch so ein bisschen stürmisches Regenwetter nichts aus.

Entsprechend läuft auch Cheforganisator Maximilian Süß zwar mit Gänsehaut aber doch breitem Grinsen im Gesicht über den Platz. Und wenn die musikalische Untermalung zu diesem Regentanz der etwas ungeplanten Art dann auch noch dermaßen in die Beine geht, wie es der „Paveier“-Hit „Leev Marie“ oder das „Brings“-Gebet „Halleluja“ fraglos machen, dann spielt der Regen irgendwann eben auch keine Rolle mehr. Zumal er irgendwann gnädigerweise sogar weniger wird und schließlich ganz nachlässt.

Es leert sich also der Rathausplatz nicht wirklich, auch wenn das Wetter einfach wirklich nicht besonders schön und schlicht auch nicht passend für Ende Juni ist. Der Temperatursturz ist enorm.

Manches lässt sich einfach nicht schönreden – dafür aber durchaus schöner spielen. „Kaschämm“ haben Spaß beim Musizieren und ein gutes Händchen bei der Songauswahl. Wenngleich ein Song wie der „Paveier“-Klassiker „Nie mehr Alkohol“ in der aktuellen Situation vielleicht etwas kontraproduktiv anmuten mag . . . Aber solcherlei Doping ist eigentlich nicht nötig, auch wenn den Menschen auf dem Rathausplatz das Bier und die Cocktails durchaus schmecken. Dafür wird etwa bei „För die Liebe net“ von „Lupo“ an gleich mehreren Stellen im Publikum getanzt – was ja durchaus auch für ein wenig Wärme in den Knochen sorgt.

Die Stimmung ist bei den flotteren Songs also naturgemäß besser, aber auch das romantische Liebeslied „Marie“ von „Kasalla“ kommt gut an. Schließlich kann auch der Schwoof als Tanzbewegung durchgehen. Aber es sind die schnelleren Stücke, bei denen es auf dem Rathausplatz richtig rundgeht. Und die meisten Hymnen können die Remscheider auch problemlos mitsingen – die kleine Atemwolke vorm Gesicht irritiert nur kurz –, etwa die „Brings“-Nummer „Ne kölsche Jung“, die wohl bekannteste Liebeserklärung an die Domstadt, natürlich „Hey Kölle, du bes e Jeföhl“ von den „Höhnern“, oder auch „Nie mehr Fastelovend“ von „Querbeat“.

Und dann regnet es doch wieder – allerdings nur rot-weiße Papierschlangen aus der Konfettikanone, die sich mit lautem Knall und quer über den ganzen Rathausplatz entlädt. Und spätestens dann ist man mit der Welt und dem Wetter wieder verwöhnt.