Remscheider kämpfen mit Holzfiguren gegen Raser

Lennep : Hasenberger kämpfen mit Holzfiguren gegen Raser

Die Interessengemeinschaft Hasenberg stellte 13 Holzkinder am Straßenrand auf. Die Polizei sieht solche Mahnungen mit Skepsis.

(ric) Der Höhenweg in Lennep ist eine breite und gerade Straße. Wer dort Auto fährt, ist deshalb leicht schneller unterwegs als mit den erlaubten 50 oder 30 Stundenkilometern. Auch die Emil-Nohl-Straße und der Hasenberger Weg gelten unter den Nachbarn am Hasenberg als Rennstrecke. Statt sich darüber zu beklagen, griff Ralf Genniges, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Hasenberg, zu Pinsel und Farbe: 13 Kinderfiguren aus Holz sollen die Autofahrer weniger Gas geben lassen. „Wir hoffen, dass es fruchtet“, sagt Genniges: „Wir möchten die Menschen damit wachrütteln.“ Schließlich leben am Hasenberg viele Kinder, die an der Emil-Nohl-Straße die Grundschule oder den Kindergarten besuchen. Die Holzfiguren sehen ihren lebendigen Vorbildern verblüffend ähnlich. Das wirkt. Jedenfalls machten die Hasenberger im vergangenen Jahr gute Erfahrungen. „Es wurde danach langsamer gefahren“, sagt Ralf Genniges.

Die Polizei bleibt skeptisch. Zwar intervenierten ihre Beamten nicht dagegen, als die Hasenberger ihre Idee auf einer Stadtteilkonferenz vorstellten. Die Kollegen der Verkehrsunfallkommission halten indes wenig davon, wenn Anwohner mittelbar in den Straßenverkehr eingreifen. Zumal sich die Beispiele dafür häufen. Anwohner hinterlassen Bobbycars am Straßenrand, zuletzt gesehen in Frielinghausen. Ebenso sollen Spielzeugbagger den Autofahrern signalisieren, dass sie hier mit spielenden Kindern rechnen müssen. Das Problem: Weil Bagger, Bobbycars, Schilder und Co. mittlerweile an vielen Orten zu sehen sind, verblasst die Wirkung.

Zudem, sagt Stefan Weiand, Polizeihauptkommissar und -sprecher: „Wer solche Dinge aufstellt, muss sich fragen, ob er am Ende auch das erreicht, was er erreichen möchte. Oder ob genau das Gegenteil dabei herauskommen könnte.“ Mit anderen Worten: Die Polizei fürchtet, dass die Warnungen am Ende für mehr Unfälle sorgen als sie verhindern.

Das sieht freilich auch manch ein Autofahrer so: „Ich bin voll in die Eisen gegangen“, hinterließ einer auf der Facebookseite der Interessengemeinschaft, was nach Einschätzung von Stefan Weiand darauf schließen lässt, dass der Mann ebenfalls nicht gerade gemächlich unterwegs war.

Eine Handhabe gegen die Figuren am Hasenberg hat die Polizei übrigens nicht. Jedenfalls nicht, so lange sie auf privatem Grund stehen. Lieber sähen es die Beamten gleichwohl, die Anwohner überließen Warnungen der Straßenverkehrsbehörde.

Eben darauf möchte die IG Hasenberg jedoch nicht mehr warten. Kontakte zur Stadt gab es viele, berichtet Ralf Genniges. Zu Beginn der Tempo-30-Zone wurde ein großes Schild auf die Fahrbahn gemalt. Mit mäßigem Erfolg. Die 300 Euro für die Holzfiguren und die Farbe machte Annette Hundhausen, Kassiererein der Interessengemeinschaft Hasenberg, deshalb gern locker.

Mehr von RP ONLINE