Remscheider findet Menschenknochen im Erdaushub

Am Röntgen-Stadion : Menschenknochen im Erdaushub

Gebeine wurden auf der Baustelle am Röntgen-Stadion entdeckt. Sie stammen von der Stadtkirche.

Schauriger Fund auf der Baustelle am Röntgen-Stadion: Ein Spaziergänger mit Hund ist dort am Sonntag auf menschliche Knochen gestoßen. Doch ein Kapitalverbrechen liegt mit großer Wahrscheinlichkeit nicht vor. Aller Voraussicht nach stammen die Gebeine von einem Friedhof, den es vor langer Zeit an der evangelischen Stadtkirche in Lennep gegeben hat. Mit Erdaushub von dort wurden sie am Röntgen-Stadion abgekippt.

„Ich finde das im höchsten Maße pietätlos“, erklärte der 53-jährige Lenneper, der mit Namen nicht genannt werden möchte. Weil das Tor zur Baustelle nicht versperrt gewesen sei, hatte er sich auf die Baustelle begeben. Das Gelände kenne er als Trainingsplatz. „Ich wollte schauen, wie es heute aussieht.“ Er stieß auf Schädelteile, Schulter-, Kiefer-, Oberschenkelknochen.

Uwe Jantke leitet den Bereich Kanalneubau bei den Technischen Betrieben Remscheid (TBR). Im Auftrag der TBR verlegt ein Bauunternehmen an dem ehemaligen Ascheplatz neue Kanäle. Das geschieht in Vorbereitung des Umbaus der Lenneper Kreuzung und in Vorbereitung des geplanten Designer Outlet Centers.

Jantke ahnt, woher die Knochen stammen. Bei den Kanalarbeiten hat das Bauunternehmen Aushub verfüllt, der an der Lenneper Stadtkirche angefallen ist. Auch dort hatten die TBR jüngst einen neuen Kanal verlegt und waren dabei auf menschliche Knochen gestoßen. Wo heute Pflastersteine liegen, bestatteten die Lenneper vor vielen Jahren ihre Toten.

Die Knochen, die der Bagger an der Stadtkirche freilegte, befanden sich allerdings nicht in alten Gräbern. „Sie lagen ungeordnet mit Steinen und Erde in dem Kanalgraben“, berichtet Uwe Jantke. Die letzten Arbeiten am Kanal an der Stadtkirche datiert er auf die Zeit rund um die Jahrhundertwende. „Wir gehen davon aus, dass die Arbeiter damals auf die alten Gräber gestoßen sind und die Gebeine danach kurzerhand mit in den Graben geworfen haben.“ Die TBR veranlassten die Beisetzung der Knochen auf dem evangelischen Friedhof. Dazu kam es auch. Ein nicht geringer Teil muss allerdings übersehen worden sein und wurde am Stadion abgekippt.

Die Kriminalpolizei, die den Fundort in Augenschein nahm, stellte ihre Ermittlungen zwischenzeitlich ein und übergab den Fall dem städtischen Ordnungsamt. Das wird weitere Recherchen anstrengen, denn theoretisch können die Skelettteile auch noch von anderer Herkunft sein. Nicht nur die TBR, beziehungsweise das von der TBR beauftragte Bauunternehmen, sondern noch andere Unternehmen sind auf der Baustelle am Lenneper Stadion tätig. „Der Fund wird uns also noch länger beschäftigen“, sagt Ordnungsamtsleiter Jürgen Beckmann.

Am Montag machten sich Mitarbeiter des Bauunternehmens daran, die Steine und Erde nach menschlichen Resten durchzusehen. Sie sollen danach ebenfalls auf dem evangelischen Friedhof ihre letzte Ruhestätte finden.

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