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Remscheider Familie ist Nachhaltigkeit auch an Weihnachten wichtig

Remscheider Familie versucht Weihnachten so nachhaltig wie möglich zu feiern : Feiertage ohne viel Müll

Die Familie Westenhöfer-Grammeth versucht Weihnachten möglichst nachhaltig zu verbringen. Das betrifft die Geschenke, aber auch das Essen.

Weihnachten ist ein ambivalentes Fest. Ambivalent deswegen, weil auf der einen Seite die Botschaft des Jesus-Kindes im ärmlichen Stall von Bethlehem ist, auf der anderen Seite aber der Kommerz und immer mehr Geschenke für viele Menschen im Mittelpunkt stehen. Sandra Westenhöfer-Grammeth, ihr Mann Armin und Sohn Severin wollen das nicht mehr in dieser Form mitmachen. „Wir sind nicht ganz Zero Waste – aber wir bemühen uns schon um ein möglichst nachhaltiges Fest“, sagt sie. So sei etwa der Weihnachtsbaum nicht bei einer Plantage gekauft worden, sondern komme von einem kleinen Stück Wald in Solingen, das sich im Familienbesitz befindet. „Dort holen wir jedes Jahr einen Baum, die Bäume sind nicht gespritzt und auch nicht gestaucht“, sagt Armin Westenhöfer. Gestauchte Bäume seien chemisch behandelt, so dass sie dichter wachsen würden. Der Baum werde an Heiligabend mit altem Christbaumschmuck behängt. „Der hing teilweise schon bei meiner Oma am Weihnachtsbaum“, sagt Sabine Westenhöfer-Grammeth.

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Die Erwachsenen würden sich auch nichts zu Weihnachten schenken. „Das haben wir schon seit ein paar Jahren so entschieden. Unser Sohn Severin bekommt natürlich schon Weihnachtsgeschenke, aber da sind auch schon mal gebrauchte Sachen dabei“, sagt Sandra Westenhöfer-Grammeth. Das habe sich auch in der weiteren Familie durchgesetzt – und auch unabhängig von Weihnachten. „Etwa mit meiner Schwester und deren Kindern. Da werden beispielsweise die Spielsachen hin- und hergeschenkt, die das eine Kind nicht mehr mag“, sagt Armin Westenhöfer.

Weihnachten sei für die beiden Remscheider nicht unbedingt mit vielen und großen Geschenken verbunden. „Es geht eher darum, dass wir Zeit miteinander verbringen“, sagt Sandra Westenhöfer-Grammeth. „Mein Mann war an Weihnachten 2017 schwer krank im Krankenhaus. Seitdem hat das Fest für uns eine andere Bedeutung“, sagt sie.

Zwar wolle die Remscheiderin nicht komplett auf Geschenkpapier verzichten. Aber auch hier müsse es ja kein Plastik sein. „Ich habe schon mal Zeitungspapier verwendet – das geht auch ganz gut und man kann da ja beispielsweise schöne Bildmotive nach außen nehmen“, sagt sie. Zum Geburtstag habe Sohn Severin in diesem Jahr ein Stand-up-paddle-Board bekommen. „Das war natürlich sehr groß – als Verpackung habe ich einfach eine Decke genommen“, sagt Sandra Westenhöfer-Grammeth. Die Freude bei ihrem Sohn sei kein Stück kleiner gewesen, als wenn das Geschenk „richtig“ verpackt gewesen sei. „Nach den Feiertagen haben wir wirklich sehr wenig Müll“, sagt Armin Westenhöfer und ergänzt: „Wenn man die ganze Sache pragmatisch angeht, kann man schon mit einfachen Mitteln viel erreichen.“

Die Familie ist auch aktiv in der Remscheider Foodsharing-Bewegung: Sandra Westenhöfer-Grammeth ist Abholerin. „Deswegen gibt es auch zu Weihnachten gerettete Lebensmittel. In diesem Jahr ist es Ente“, sagt sie. Die habe sie bereits im Herbst gerettet. „Das geht zwar nicht ohne Verpackung, meistens Plastik, aber immerhin mussten die Lebensmittel nicht weggeworfen werden. Die Ente habe ich eingefroren“, sagt sie. Mit ein wenig Planung könne es so auch zu Weihnachten ein schönes Menü aus geretteten Lebensmitteln geben. „Es ist doch die Hauptsache, dass die Sachen nicht weggeworfen werden müssen. Das ist doch das Schlimmste, wenn das passiert“, sagt Armin Westenhöfer.

Im Kleinen beteilige sich auch Sohn Severin am nachhaltigen Weihnachtsfest. „Er will uns natürlich auch etwas schenken“, sagt seine Mutter. Da er gern schnitze, hätten sie und ihr Mann sich etwas aussuchen können. „Das Material dafür bekommt er vom Vater eines Freundes, der hat einen Dachdeckerbetrieb. Und im nahegelegenen Wald findet er natürlich auch alles Mögliche an Holz zum Schnitzen“, sagt Armin Westenhöfer. Man gehe einfach bewusster mit der ganzen Thematik der Nachhaltigkeit um. „Gerade wenn man sich die Werbung im Fernsehen ansieht, dann merkt man, wie extrem da eine das-muss-man-alles-haben-Haltung präsentiert wird. Ich finde das beinahe eklig“, sagt Armin Westenhöfer.