Remscheider Eschbachtalsperre als Wohlfühloase

Eschbachtalsperre : Wohlfühloase und Quell des Lebens

Die Eschbachtalsperre, erste Trinkwasser-Talsperre Deutschlands, ist heute auch ein Naherholungsgebiet mit Autobahnanschluss.

Sie ist stille Oase und zugleich grüne Lunge, Versorger und Ruhepol für Gestresste und Naturverbundene. Sie ist Quelle der Geschichte der Werkzeugstadt und immer einen Besuch wert. Die Rede ist von Deutschlands ältester Stauanlage, der Eschbachtalsperre.

Eigentlich liegt die Eschbachtalsperre mittendrin und doch – auf ihren einladenden Wanderpfaden – so fernab von allem. Kein Wunder also, dass sich unweit der Raststätte der Autobahn 1, zwischen Remscheid und Wermelskirchen, eigentlich zu jeder Jahreszeit Menschen eine Auszeit gönnen. Sportlich aktive nutzen den attraktiven, rund drei Kilometer langen Rundweg um die Talsperre gerne zum Joggen, Spazierengehen und Hundeausführen. Welpen an der langen Schleppleine lernen hier nicht selten den Umgang mit Natur und Mensch, Generationen von jungen Remscheidern erkunden hier teilweise zum ersten Mal die diversen Unterschiede der heimischen Flora.

Die Büste von Robert Böker erinnert an den Ehrenbürger der Stadt Remscheid, der entscheidend für den Bau der Talsperre war. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

„Ich komme regelmäßig mit den Kindern her“, erzählt Spaziergängerin Sylvia. Die 36-Jährige ist mit Freundin Patrizia (34), den Jungs Luca (6), Samuel (5), Tochter Sophie (2) und Familienhund Kobi an der Talsperre unterwegs. „Es ist tatsächlich wie eine kleine Auszeit vom Alltag. Die Kinder haben Spaß in der Natur, und auch wir Erwachsene können abschalten.“ Für die beiden Jungs ist der Wald ein Abenteuerspielplatz. „Ich habe schon mal ein Eichhörnchen hier vorbeilaufen sehen“, berichtet Luca stolz.

Alles Wissenswerte über die erste Trinkwasser-Talsperre Deutschlands verrät die Tafel an der Staumauer. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Die Eindrücke sind vielfältig. Nach einem langen Winter erwacht der Wald um die Stauanlage in den prächtigsten Grüntönen, fröhliches Vogelgezwitscher belebt die Kulisse. Im Herbst rieseln die gelb, rot und bräunlich verfärbten Blätter der Bäume kraftlos zu Boden und sorgen beim Spazieren für ein wohltuendes und geruhsames Rascheln. Von der Raserei auf der Autobahn ist zwischen Wald und Sperre nichts zu hören, und schnell lässt sich der Alltagsstress vergessen. Einfach mal Durchatmen, während auf dem Wasser nahe der Staumauer eine süße Entenfamilie immer wieder ab- und auftaucht und dabei hypnotisierende Wasserkreise auf der Oberfläche erzeugt.

Doch die Eschbachtalsperre ist weitaus mehr als ein Naherholungsgebiet. Die Stauanlage, 1889 bis 1891 erbaut und zwischen 1892 und 1893 erstmals in Betrieb genommen, dient gemeinsam mit der Neye- und der Dhünntalsperre zur Wasserversorgung der Remscheider Bevölkerung. Geplant wurde die damals innovative Staumauer vom Aachener Architekten Otto Intze, dem zu Ehren die Straße benannt wurde, die heute zur 160 Meter langen aus Remscheider Schieferbruchstein erbauten Staumauer führt. Über eine Million Kubikmeter Fassungsvolumen besitzt die Talsperre und eine Wasseroberfläche von 14 Hektar – etwas kleiner als die Binnenalster in Hamburg, aber so groß, dass das US-Pentagon bequem Platz darauf finden würde.

Gestaut wird darin, wie sollte es anders sein, der Eschbach, Lebensader der Remscheider Werkzeuggeschichte: An ihren Ufern entlang siedelten sich vor vielen Jahrhunderten die ersten Mühlen und Kotten an, in denen mittels der Wasserkraft Mühlen und Hämmer in Bewegung gebracht wurden. Sie waren Grundstein der Remscheider Werkzeug- und Industriegeschichte. Ein besonders historisches Exemplar in diesem Gebiet ist die Mebusmühle, urkundlich erstmals Mitte des 16. Jahrhunderts erwähnt, heute ein schickes Restaurant am Fuß der Talsperre. Den historischen Charme, sagt Inhaber Mario Romanowski, versprüht die restaurierte Mebusmühle (heute Restaurant Romanowski) immer noch. „Man spürt, dass es zu den außergewöhnlichen Bauten gehört und etwas Besonderes ist, wenn man die meterdicken Wände aus Naturstein sieht, die noch erhalten sind.“

Sein Haus ist auch bei Wanderern und Spaziergängern beliebt, die nach ihrem Ausflug zum Kaffeetrinken einkehren. Eine bergische Kaffeetafel gibt es auch, sagt Romanowski. Nur auf die traditionelle Dröppelminna muss verzichtet werden.

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