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Remscheider entwickelt neues Smartphone

Start up : Remscheider entwickelt neues Smartphone

Dr. Jörg Wurzer will mit seinem Volla Phone eine Alternative zu Apple und Samsung bieten.

Wenn jemand eine Idee hat, für die er brennt, dann kann sich daraus etwas Großes, etwas mit Substanz entwickeln. Bei Dr. Jörg Wurzer aus Remscheid merkt man im Gespräch fraglos, dass er für seine Idee brennt. In seiner Gestik steckt jede Menge Enthusiasmus, wenn er über sie spricht. Und dabei ist die Idee schon lange nicht mehr nur das, sondern schon eine ausgereifte Angelegenheit, die kurz vor der Veröffentlichung steht. Der Remscheider Unternehmer hat ein Smartphone entwickelt, mit dem er Großes vorhat. „Wir möchten mit dem Volla Phone nicht nur eine Marktnische einnehmen, sondern ein Segment etablieren“, sagt er. Ein ambitioniertes Ziel. „Aber eines, das zu schaffen ist“, ergänzt er.

Hinter der Idee, ein eigenes Smartphone auf den Markt zu bringen, steckt aber natürlich in erster Linie eine Philosphie. „Ich möchte die Dinge vereinfachen. Ich möchte Einfachheit auf die teils hochkomplexen Smartphones übertragen“, sagt Wurzer. Als er 2017 mit den ersten Überlegungen zum Volla Phone angefangen hatte, sei es ihm vor allem um die Vereinfachung von Strukturen gegangen. „Bei Apple oder Samsung arbeiten hervorragende Ingenieure. Aber das, was sie entwickeln ist eben nicht gerade einfach strukturiert“, sagt Wurzer. Ein zweiter Punkt sei die Datensicherheit. „Ich will die persönlichen Daten vor dem Missbrauch durch Google, Apple und Konsorten schützen.“ Sicherheit und Einfachheit – das sind die Themen, die beim Volla Phone oberste Priorität haben.

Aber was ist das überhaupt, das Volla Phone? „Das Wort ist vom lateinischen Wort Vollaticus, also etwa der Fließende, der Fliegende, abgeleitet. Es ist ja nicht wirklich einfach, heutzutage einen freien Markennamen zu finden“, sagt Wurzer. Volla sei nicht geschützt gewesen – mittlerweile ist es in China, Europa und den USA –, er lasse sich gut aussprechen und erfülle noch eine weitere, nicht unwichtige Vorraussetzung: „Soweit ich herausgefunden habe, bedeutet er auch auf keiner Sprache irgendetwas Dummes oder Vulgäres.“

Die Software basiert auf einer Open-Source-Version von Android. Und sie ist reduziert. „Das Benutzererlebnis soll so einfach wie möglich sein. Man muss sich nicht durch zig verschiedene Menüs oder Apps klicken, um dahinzukommen, wo man hin will“, sagt Wurzer. Und tatsächlich: Wenn man den Bildschirm aktiviert sieht man nur einen roten Punkt, der eine Art Menü aufruft, ansonsten aber einen blinkenden Cursor, der unter dem Wort „Springboard“ blinkt. „Man kann das eintippen, was man gerade machen oder suchen möchte, und das System antizipiert, was der Nutzer wollen könnte“, sagt Wurzer.

So erscheint etwa beim Eintippen des @-Symbols eine Liste von Kontakten. Oder man tippt einfach einen Begriff ein und das System bietet einem unterschiedliche Vorschläge dazu an. Hinter dem roten Punkt verbergen sich Kontakte, Nachrichten oder Unterhaltungen – quellenübergreifend. „Wir wollten alles entschlacken und vereinfachen“, sagt Wurzer. Natürlich ist das Volla Phone kein High-End-Produkt wie das Samsung Galaxy 8 oder das iPhone 11 pro. „Wir haben uns für einen Mittelklasse-Prozessor und eine 16-Megapixel-Kamera entschieden. Produziert wird das Gerät in Deutschland bei der Firma Gigaset in Bocholt. Dort haben wir, entsprechend unserer Unternehmensphilosophie, gute Arbeitsbedingungen. Und auch einen guten Preis“, sagt Wurzer.

Finanziert werden soll das Startup über eine Crowdfunding-Aktion. Die gibt es in der zweiten Auflage, da die erste im Vorjahr wegen zu hoch gesteckter Ziele nicht erreicht wurde. „Wir gehen jetzt bewusst kleine Schritte, auch wenn wir wissen, dass es in diesem Ideensegment noch viele weitere Ideen gibt. Die Crowdfunding-Aktion geht noch bis zum 4. März“, sagt Wurzer. Und dann sieht man wieder, wie es in ihm brennt, wie die Ideen rauswollen. „Wir haben noch so viel mehr vor als nur ein Smartphone. Wenn wir mit anderen Startups in die gleiche Richtung arbeiten, können wir das Duopol von Apple und Google um ein weiteres Segment erweitern“, sagt er.