Remscheid : Pferdestall als Gedenkstätte eingeweiht

Verein eröffnete am Donnerstag offiziell den ehemaligen Pferdestall im Innenhof der Polizeiwache als Gedenk- und Bildungsstätte. Unter den zahlreichen Gästen der Veranstaltung war auch NRW-Innenminister Herbert Reul.

Vergangenen Herbst eröffneten Schüler der Geschichts-AG des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums (EMA) ihre erste Ausstellung zum Schicksal Remscheider Juden. Dazu luden sie in einen alten Schuppen – den sogenannten Pferdestall – im Innenhof der Remscheider Polizeiwache ein, wo während der NS-Zeit verfolgte Bürger eingesperrt, gefoltert und später deportiert wurden.

Am Donnerstag, nicht einmal ein Jahr nach dieser Ausstellung, traten dieselben Schüler, die sich mittlerweile als Verein zusammengeschlossen haben, im Pferdestall vor eine Vielzahl an geladenen Gästen, um gemeinsam mit Vertretern der Landes- und Stadtpolitik, Mitschülern und Unterstützern den Ort als Gedenk- und Bildungsstätte zu eröffnen.

„Ich freue mich sehr, dass der Pferdestall heute als Gedenkstätte eingeweiht wird“, sagte Francesco Lo Pinto (17), einer der stellvertretenden Vorsitzenden des erst vor drei Monaten gegründeten Vereins. EMA-Schulleiter Olaf Wiegand sprach voller Stolz über das Engagement seiner Schüler, denen die Eröffnung zu verdanken sei. Er zog Parallelen zur Bewegung von US-amerikanischen Schülern, die sich nach einem Amoklauf an einer Schule in Florida mobilisierten und unter dem Namen „Never again“ eine Organisation gründeten, um sich für stärkere Kontrollen des Schusswaffenbesitzes einzusetzen. „Um ‚never again‘ geht es auch hier“, sagte Wiegand. Die Geschichte nicht zu vergessen, damit solch schlimme Taten nie wieder geschehen.

Hans Heinz Schumacher, ehemaliger EMA-Rektor und Vorsitzender des Vereins, ging noch weiter: Als er bei einem Besuch von Nachfahren des jüdischen Unternehmers Siegmund Frank (Seidenhaus Frank auf der Alleestraße) das Wort „Mitschüler“ auf der Gedenktafel an jüdische EMA-Schüler ins Englische übersetzen sollte, tat er das spontan mit „one of us“ (einer von uns). „Ja, jedes Opfer und auch jeder Täter war einer von uns. Auch heute sind sie alle ‚one of us‘, diejenigen die schemenhaft auf der Straße wegrennen ebenso wie die, die den Arm zum Hitlergruß heben.“ Ein Bewusstsein zu schaffen, aus der Geschichte zu lernen, nicht die Fehler aus der Vergangenheit zu wiederholen, das sei das Ziel der Gedenkstätte. „Und was kann unserer Gesellschaft besseres passieren, als junge Menschen, die sich genau dafür einsetzen?“, fragte Schumacher.

NRW-Innenminister Herbert Reul und Polizeipräsident Markus Röhrl beglückwünschten die Schüler für ihr Engagement und äußerten nicht nur mit ihrem Erscheinen Unterstützung für das Vorhaben. Beide waren aktiv daran beteiligt, dass der Pferdestall – im Besitz des Landes NRW und in der Verwaltung des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW – demnächst ganz offiziell und langfristig als Gedenk- und Bildungsstätte eingeweiht werden kann. Derzeit werde der Nutzungsvertrag erarbeitet, damit künftig – so der Wunsch des Innenministers – „der Ort nicht nur als Ort zur Erinnerung an die Toten, sondern als Mahnmal genutzt wird“. Eine Gedenk- und Bildungsstätte, in der auch die Geschichte der Polizei den jungen Beamten als Mahnung dienen soll, sagte Röhrl: „Ich werde einen Besuch im Pferdestall anordnen.“

Aktuell zu sehen sind im Pferdestall die Ausstellung über Remscheider Juden der EMA-Geschichts-AG sowie eine Gastausstellung aus Mainz zu den besetzten Benelux-Ländern während des Dritten Reiches. Kontakt über Facebook unter @GuBPferdestallRS.

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