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Remscheid: Zusätzliche Schichten statt Krise

Wirtschaft in Remscheid : Zusätzliche Schichten statt Krise

Die Firma Jahn Kunststoffe produziert einen Spuckschutz. Das Geschäft boomt.

Große Teile der bergischen Wirtschaft stehen wegen des Coronavirus still. Doch ein Unternehmen aus Remscheid hat alle Hände voll zu tun. Zumindest noch. „Im Moment arbeiten wir hier alle zwölf Stunden pro Tag. Und das ganze Team zieht mit“, sagt Jens Jahn. „Und wir haben sogar schon Aufträge auf befreundete Unternehmen verteilt.“

Zusammen mit seiner Schwester Nicole leitet Jens Jahn die Firma Jahn Kunststoffe. Die verarbeitet und verkauft sonst Kunststoffe unterschiedlicher Art und Form für viele verschiedene Anwendungen. Seit letzter Woche dreht sich aber alles um ein Produkt: Spuckschutz für Bedientheken. Im Prinzip eine Acrylglascheibe mit einer Durchreiche für Waren und Geld, die auf Theken und Tresen angebracht werden kann. Das Virus Sars-CoV-2 wird überwiegend durch Tröpfcheninfektion übertragen, wenn Infizierte andere Menschen anniesen oder -husten. Der Spuckschutz bildet eine Barriere. Betriebe, die trotz des Virus nicht auf Publikumsverkehr verzichten können, schützen damit ihr Personal.

Vorletzte Woche Donnerstag habe er den ersten Spuckschutz ausgeliefert, sagt Jens Jahn. Seitdem sei der Markt explodiert. Nahezu jede Apotheke in der Umgebung habe bereits einen, dazu viele Arztpraxen und einige Tankstellen. „Jetzt gerade produzieren wir 4000 Stück für die Post.“ Anfangs habe man die Lieferungen noch persönlich zu den Kunden in der näheren Umgebung gebracht. „Das schaffen wir inzwischen gar nicht mehr.“ Stattdessen würden im Schnitt rund 500 Pakete pro Tag das Unternehmen verlassen. Viel mehr als an normalen Tagen.

Die Anregung zu dem Spuckschutz stamme von seiner Schwägerin, sagt Jens Jahn. „Die ist Pharmazeutisch-technische Assistentin in einer Apotheke und hat gefragt, ob wir so etwas bauen können.“ Schließlich kann eine Apotheke gerade jetzt nicht einfach den Betrieb einstellen. Guido Dasbach, Inhaber der Vieringhauser Apotheke und ein guter Bekannter, sei dann der zweite Kunde gewesen. „Die haben auch noch tolle Sonderanfertigungen bekommen.“ Inzwischen habe man längst auf ein Baukastensystem umgestellt, bei dem wenige Bauteile zusammengesteckt werden. Doch auch das wird massenhaft bestellt.

Ein warmer Segen, den die Firma gerne mitnimmt. Wohl wissend, dass das nicht ewig anhält. „Wir bauen uns damit jetzt einen Puffer auf, um später besser durch die Krise zu kommen“, sagt Mitinhaberin Nicole Jahn. 22 Menschen arbeiten für das Unternehmen, ihnen allen möchte man Kurzarbeit oder gar Entlassungen so lange wie möglich ersparen. Dafür hat die Firma auf eine Art Zwei-Schichtbetrieb umgestellt – und auch das letzte Wochenende durchgearbeitet. Unermüdlich schneiden die Mitarbeiter die Bauteile zu, verpacken und versenden sie. Doch ein Ende des Booms ist in Sicht. Auch weil kaum noch Material zu bekommen sei, berichtet Jens Jahn: „Acryl ist zur Zeit europaweit ausverkauft.“ Die Industrie arbeite mit Hochdruck an Nachschub.