Remscheid: Zentralbibliothek ohne Leitung

Kulturpolitik in Remscheid: Zentralbibliothek ohne Leitung

Der neue Leiter Michael Wening hat nach zehn Monaten gekündigt. Die Nachfolgesuche wird schwierig.

Vorigen Freitag hatte Michael Wening seinen letzten Arbeitstag als Leiter der Zentralbibliothek. Im Januar trat der 39-Jährige die Stelle erst an. Doch Beruf und Familienleben ließen sich nicht in Einklang bringen. Wening erfuhr am Tag seines Bewerbungsgesprächs, dass seine Frau schwanger war. Mutter und Kind leben in Koblenz. Wening pendelte, da die Ehefrau nicht von der Mosel ins Bergische ziehen wollte.

Nun hat er eine Position mit Beamtenstatus in einer wissenschaftlichen Bibliothek in Bonn gefunden. Und Remscheid muss sich erneut auf die Suche begeben. „Das ist eine schwierige Aufgabe, denn der Markt ist leergefegt“, sagt Nicole Grüdl-Jakobs, Leiterin des Kommunalen Bildungszentrums, zu dem auch die Zentralbibliothek gehört. Bei der letzten Ausschreibung haben sich auf die Position drei Bewerber gemeldet. Bibliothekare werden überall gesucht. Altersfluktuation gibt es nicht nur in Remscheid. Mit Universitätsstädten kann die Werkzeugstadt nicht konkurrieren. Büchermenschen brauchen meist urbanes Leben. „Wir haben eigentlich nur eine Chance, wenn die Bewerber aus der Region kommen und sich für den Standort Remscheid entscheiden und ihn nicht nur für kurze Zeit als Sprungbrett benutzen“, sagt Grüdl-Jakobs.

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Auf die neue Bibliotheksleitung wartet eine große Herausforderung. Sie hat die Aufgabe, daran mitzuwirken, die Bücherei an der Scharffstraße in eine Bibliothek des 21. Jahrhunderts zu verwandeln. So wie sie heute arbeitet, kann sie in der Zukunft nicht mehr bestehen. „Die Anforderungen an eine moderne Bibliothek haben sich grundlegend geändert“, sagt Grüdl-Jakobs.

Die Bibliotheken müssen sich neu erfinden. Es genügt nicht mehr, nur Bücher und Medien zum Ausleihen vorzuhalten. Unter den Stichworten wie „Lernort“, „Informationsknotenpunkt“ oder „Aufenthaltsqualität“ deuten sich die Konzepte für den Wandel an. Zeitungen aus 95 Ländern in 54 Sprachen auf einem sogenannten Pressdisplay lesen, bei einer Tasse Kaffee die Neuerscheinungen durchstöbern oder im hauseigenen Café einen Literaturstamm-Tisch besuchen – all das sind Ideen, die in den nächsten Jahren umgesetzt werden sollen. Funktionierendes Wlan und moderne PC-Arbeitsplätze verstehen sich von selbst. Doch das dreigeschossige Gebäude aus den 1960er-Jahren bietet für all die neuen Anforderungen und Ausstattungen kaum genügend Platz. Zunächst muss entschieden werden, an welcher Stelle ein neuer Aufzug eingebaut wird, der alle Stockwerke verbindet. Denn zur Bibliothek des 21. Jahrhunderts gehört die Barrierefreiheit. An dieser Entscheidung orientiert sich der neue Zuschnitt der Bücherei.

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