Remscheider Stadtarchiv Zeitdokumente vor Zerfall geschützt

Remscheid · Das Stadtarchiv hat alte Meldekarten entsäuern und digitalisieren lassen. Die Kosten für die Arbeitsschritte belaufen sich bislang auf fast 80.000 Euro.

 Sarah Baldy (v.l.), Viola Meike und Matthias Beil vom Stadtarchiv zeigen Einwohnermeldekarten vor und nach dem Entsäuern.

Sarah Baldy (v.l.), Viola Meike und Matthias Beil vom Stadtarchiv zeigen Einwohnermeldekarten vor und nach dem Entsäuern.

Foto: Jürgen Moll

Die alten Papp-Karteiblätter sind vergilbt, an einigen Stellen pergamentpapierartig dünn, zerfallen teilweise an den Rändern schon beim vorsichtigen Anfassen. Und das wundert auch nicht, schließlich sind diese alten Einwohnermeldekarten der Stadt Remscheid teilweise bis zu 140 Jahre alt.

„Früher wurde Papier hauptsächlich aus einem Holzfaserbrei hergestellt, in dem auch etwas groberer Holzschliff und andere Stoffe wie Harz mit verarbeitet wurden. Im Laufe der vielen Jahre entstand dadurch ein saures Milieu, das das Papier bröckelig werden lässt“, erklärt der Restaurator des Stadtarchivs, Matthias Beil.

Da die Dokumente nicht nur ein Stück Zeitgeschichte, sondern mitunter auch für die Ahnenforschung und die Erbenermittlung unverzichtbar sind, wurden seit April 2021 bereits 75 Prozent der Einwohnermeldekartei (Insgesamt 201.760 Meldekarten) in einem Spezialunternehmen in Pulheim maschinell entsäuert. „Vereinfacht gesagt sorgen zusätzlich eingebrachte alkalische Reserven dafür, dass das Papier für weitere mehrere einhundert Jahre beständig bleibt“, informiert der Experte. Zudem wurden bereits alle Karten digitalisiert. Gesamtdatenmenge: 4 Terabyte.

Zwei Arbeitsschritte, die ihre Zeit benötigt haben – erst im September 2022, also gut eineinhalb Jahre später, sind die bearbeiteten Karteikarten wieder im Stadtarchiv eingetroffen. In modernen Archivkartons, die zusätzlich vor dem Papierzerfall schützen. „Unsere insgesamt 201.760 Meldekarten haben ein Gesamtgewicht von 3200 Kilogramm. Man kann sich also vorstellen, was wir beim Ein- und Ausladen der Kartons aus dem Transporter geschleppt haben. Wir konnten uns das Fitnessstudio echt sparen“, erinnert sich Archivarin Sarah Baldy lachend zurück.

Die Kosten für beide Arbeitsschritte belaufen sich bislang auf fast 80.000 Euro. „Wir haben Glück, dass wir viele Gelder aus unterschiedlichen Fördertöpfen erhalten haben, sodass der städtische Eigenanteil nur bei 11.487 Euro lag“, berichtet Viola Meike vom Stadtarchiv erfreut.

Nun hofft die Archivarin, dass auch das letzte Viertel der Karten zeitnah entsäuert werden kann. „Das hängt ein wenig von den Fördergeldern ab“, weiß Viola Meike. „Aber ich denke schon, dass das 2023 passieren wird.“

Bei den Einwohnermeldekarten handelt es sich übrigens nur um Karten aus Remscheid. Weil Lennep und Lüttringhausen damals noch nicht dazu gehörten, werden diese an anderer Stelle archiviert. Die Einwohnermeldekarten wurden angelegt, wenn sich das Familienoberhaupt – damals war das in der Regel der Mann – in Remscheid angemeldet oder dort einen eigenen Haushalt gegründet hatte. Zusätzlich wurden die Ehefrau und die Kinder aufgelistet – alle mit ihren persönlichen Daten.

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