Remscheid: Zeigt her eure Füße

Workshop in Lennep : Zeigt her eure Füße

Es wird Zeit, seine eigenen Füße besser kennenzulernen, findet Sabina Fröhler. Und deswegen bietet die Tanzlehrerin einen Fitnesskurs für Füße an – unter dem Titel „Fuß fit – Feel good“.

Socken aus, Hose hochkrempeln und den warmen Holzboden unter den Füßen spüren. „Schon die erste Aufgabe ist eine Herausforderung“, sagt Sabina Fröhler und spaziert gut gelaunt über das helle Holz im Tanzsaal.

Die meisten Menschen seien eher befangen, wenn es um ihre Füße gehe, hat die Tanzlehrerin festgestellt. Schwielen, Höcker, schmutzige Nägel: „Da lassen die Leute ihre Socken lieber an.“ Nicht bei Sabina Fröhler. Sie macht den Teilnehmern ihrer Fuß-Fitnesskurse Mut, zu ihren Füßen zu stehen und ihnen etwas zu gönnen, sie für den Alltag und ihre Aufgaben zu stärken. „Laufen, locker bewegen und diesen Gefühlen nachspüren“, sagt die Tanzlehrerin und schwebt weiter über den warmen Boden. Mal rollen die Füße nach links ab, mal nach rechts, dann beginnen sie fast zu hüpfen. „Dabei werden wir uns erstmal bewusst, wie wir gehen“, sagt sie. Und dann nimmt sie vor dem großen Spiegel Platz.

Wie beim Fitnessprogramm für den ganzen Körper, hat sie den sportlichen Aufgaben im Workshop eine Aufwärmphase vorangestellt. Vorsichtig beginnt sie die Zehen zu trennen und zeigt kleine Massagegriffe. „Wir schaffen Freiraum“, sagt sie. Erst im Sitzen, dann im Stehen. Und die Füße beginnen die Aufmerksamkeit zu genießen. Bereitwillig kreisen und drehen sie. Dann nimmt die Tanzlehrerin die Zehen in den Fokus: „Wir beobachten manchmal, dass das Gehirn den Zehen zwar Botschaften sendet, die dann aber nicht umgesetzt werden können“, sagt Sabina Fröhler. Dann weigern sich Zehen, sich zu heben oder sich vom Nachbar-Zeh zu trennen. „Das kann man trainieren“, sagt die Fachfrau und berichtet von den Erlebnissen aus vergangenen Workshops. Vor allem Frauen würden häufig an Ballenzehen, dem Hallux valgus leiden. Auch sie können vom Fitnesstraining für die Füße profitieren, sagt Sabina Fröhler.

Und dann öffnet sie ihr mobiles Fußfitnesscenter und befördert dabei einen ganz Schwung kleiner, grüner Bälle zutage. Franklin-Bälle, nennt die Expertin die kleinen Hilfsmittel – benannt nach dem Erfinder der Trainingsmethode. Statt der bekannten Stacheln haben die kleinen Bälle ein Krater-Muster – ungleiche Vertiefungen, die vor allem dann spürbar werden, wenn die Franklin-Bälle nicht zu stark aufgepumpt werden.

„Als erstes lassen wir den Fuß nun den Ball quetschen“, erklärt sie. Die empfindsame Fußsohle fährt vor und zurück, die Fußstruktur wird massiert, fiese Stellen melden sich. Bevor die Tanzlehrerin die Seite wechselt, lockert sie sich. „Ich merke schon, wie sich die eine Seite meines Körpers gelockert und entspannt hat“, sagt sie, „die andere ruft nach Gleichberechtigung.“ Also kommt der Ball am anderen Fuß zum Einsatz. Und dabei bringt Sabina Fröhler die Reflexzonen ins Spiel: Es habe bereits Workshop-Teilnehmer gegeben, die die Folgen der Übung im ganzen Körper gespürt hätten.

Eine Dame mit Bandscheibenvorfall habe berichtet, ihr sei das Laufen danach leichter gefallen. „Auf jeden Fall sorgen die Übungen aber für eine Kräftigung der Füße und für mehr Beweglichkeit“, sagt Sabina Fröhler, „und wir kümmern uns um Verletzungsprophylaxe und eine gesunde Haltung.“

Sabina Fröhler sitzt auf dem hellen Holzboden der Lenneper Tanz-Etage und zeigt ihre Hilfsmittel. Foto: Theresa Demski

Dafür kommt als nächstes das Gymnastikband ins Spiel: Im Sitzen werden die Füße gestreckt, die Gelenke zum Gegensteuern aufgefordert. „An diesem Punkt können wir auch ganz individuell arbeiten“, erklärt die Tanzlehrerin. So könne das elastische Gymnastikband auch zur Stärkung der Zehen genutzt werden. Das könne richtig anstrengend werden, weiß die Fachfrau. Die Fußfitness bringt die Teilnehmer zum Schwitzen. Umso wichtiger sei es, den Füßen am Ende des Workshops Wellness zu gönnen: Dann stellt die Fachfrau Fußbutter bereit und zeigt Griffe zum Ausmassieren. „Meistens gehen wir nach den Workshops beschwingter“, sagt sie. Und viele Teilnehmer seien sich mit dem Fitnesskurs ihrer Füße erst richtig bewusst geworden. Wer mag, kauft einen der kleinen Bälle und baut die Übungen dann im Alltag ein. „Ich empfehle auch, zu Hause einfach mal barfuß zu laufen“, sagt Sabina Fröhler. Das vertreibe auch die Befangenheit.

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