Remscheid: Wohltuende Weite im Kirchenraum

Gotteshäuser in Remscheid : Wohltuende Weite im Kirchenraum

St. Josef ist die einzige katholische Kirche in Remscheid mit einer Krypta. Im vergangenen Jahr wurde sie 90 Jahre alt.

Die Kirche St. Josef im Remscheider Süden an der Menninghauser Straße 5 ist ein wuchtiger Bau, in dem sich jedoch ein Raum befindet, der einem nicht direkt ins Auge fällt – und der in den Remscheider katholischen Kirchen eine Einzigartigkeit darstellt. „St. Josef ist die einzige der Kirchen in der Stadt, in der sich eine Krypta befindet“, sagt Stadtdechant Monsignore Thomas Kaster.

Und in der Tat, betritt man die Kirche durch einen Seiteneingang, führt rechts der Weg in den Kirchenraum, während links eine Treppe nach unten führt. „Dort wurden ursprünglich am Freitagnachmittag die Werktagsgottesdienste gefeiert. Aber erfreulicherweise ist dann die Zahl der Besucher wieder angestiegen, so dass es da unten zu eng wurde“, sagte Kaster, der den vier Kirchen im Pfarrverband St. Suitbertus vorsteht: St. Suitbertus, St. Marien, St. Engelbert und eben St. Josef. Heute würden dort am Sonntag die Kleinkindergottesdienste für Kinder im Kindergartenalter stattfinden, sagt Kaster.

Die Kirche St. Josef konnte 2018 einen runden Geburtstag feiern, denn der Grundstein für das große Gotteshaus wurde am 1. Juli 1928 gelegt, vor also beinahe 91 Jahren. Und auch noch im Verlauf des Jahres 1928 wurde der Bau fertiggestellt, so dass der damalige Weihbischof Dr. Joseph Hammels die Kirche am 16. Dezember 1928 weihen konnte. Dabei waren die ersten Pläne noch viel älter, denn der Kirchbauverein St. Josef gründete sich bereits im Jahr 1904, die Erd- und Mauerarbeiten begannen bereits 1914, mussten dann aber wegen des Ersten Weltkrieges eingestellt werden.

Was bei der gerade angeordneten und kaum verschnörkelten Kirche sofort ins Auge fällt, ist, dass es sich um eine Anbetungskirche handelt, deren Architektur auf den Altar hin ausgerichtet ist. „Ja“, bestätigt der Stadtdechant und ergänzt, „der Altar ist relativ hoch gelegen und nicht im Mittelpunkt der Gemeinde, wie das in anderen Remscheider katholischen Kirchen durchaus der Fall ist.“ Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil seien viele Kirchen umgebaut worden, damit sich der Pfarrer am Altar mehr in der Mitte der Gemeinde befinde. Diese Anordnung sei auch in den frühen 2000er-Jahren nicht verändert worden, als die Kirche renoviert wurde.

Allerdings begebe er sich gerne mit dem Handmikrofon weg vom Ambo, hinunter an den Mittelgang, wenn er in den Sonntagsmessen predige, sagt Kaster. „Das Schöne in St. Josef ist ja, dass es hier nur an den Seiten Säulen gibt, so dass ich einen freien Blick in die Gemeinde habe.“ So könne die Kommunikation mit den Gläubigen ganz unmittelbar funktionieren. „Deswegen bin ich auch sehr gerne hier, um die Messe zu feiern“, sagt Kaster. Die Höhe und Weite des unverbauten Kirchenraums löse bei ihm ein ganz anderes Empfinden aus als etwa St. Suitbertus mit ihren niedrigen Decken und den vielen Nischen. „Das hat dort eher etwas Behütendes – es kann aber auch etwas Bedrückendes haben. Hier in St. Josef hingegen ist das vorherrschende Raumgefühl eines der Weite. Das merkt man schon direkt, wenn man den Blick an die Decke schweifen lässt“, sagt Kaster.

Wer das macht, wird ein in Blautönen gehaltenes und abstraktes Deckengemälde entdecken. „Für mich ist das eine Art Wasserfluss – das Wort Gottes fließt in Richtung des Altars“, sagt Kaster. Und tatsächlich könnte sich das Deckengemälde hinter dem Altar auf das dortige Gemälde ergießen. „Das ist für mich, ohne es genau zu wissen, ein Abbild des himmlischen Jerusalem, ein Ausblick auf die Zukunft, die wir Menschen mit Gott einmal haben werden“, sagt Kaster. Dazu passe auch, dass die Kirche bei Sonnenschein am Morgen eine sehr helle und sonnendurchflutete Atmosphäre habe. „Das Altarbild macht deutlich, was wir am Altar als Gemeinde zusammen feiern: das Zusammensein mit Gott. Ich finde das sehr schön und beruhigend“, sagt Kaster.

Bei St. Josef handelt es sich um eine Anbetungskirche, deren Architektur auf den Altar hin ausgerichtet ist. Foto: Moll, Jürgen (jumo)
Die Kirche St. Josef feierte 2018 einen runden Geburtstag, denn der Grundstein wurde am 1. Juli 1928 gelegt. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Der namensgebende Patron, der Heilige Josef, ist in einer so schönen wie schlichten Statue in der Kirche verewigt worden. Erstellt wurde sie vom Dinslakener Künstler Johann Tefert. Am Sockel findet sich die Inschrift: „St. Josef war ein gerechter Mann.“ Geweiht wurde die Statue am 29. Mai 1938. In der Zeit des Zweiten Weltkriegs hat auch St. Josef schweren Schaden erlitten. „Remscheid wurde ja bei einem Großangriff aus der Luft in der Nacht vom 30. auf den 31. Juli 1943 zu 80 Prozent zerstört. St. Josef wurde auch getroffen – allerdings expoldierte die schwere Sprengbombe, die ins rechte Seitenschiff fiel, nicht“, sagt Kaster. Dennoch sei die Kirche beschädigt, das Küster- und das Pfarrhaus brannten vollständig nieder. Und auch die ursprüngliche Kirchenglocke sei zu Rüstungszwecken entwendet und eingeschmolzen worden. Davon ist heute gottlob nichts mehr zu sehen, St. Josef in Menninghausen ist das große und stolze Gebäude, das es auch zu seiner Gründung von 91 Jahren schon gewesen ist.