Remscheid: „Wir machen die Stadt noch lebendiger“

Jugendprojekt #5630 : „Wir machen die Stadt noch lebendiger“

Die jungen Teilnehmer des Remscheider Jugendprojekts gestalten am kommenden Freitag die Abschlussshow beim „Andersraum“ in Lennep in der Kirche St-Bonaventura. Ein Besuch bei der Generalprobe in Lüttringhausen.

Finn blickt hochkonzentriert in die Halle – und dann scheint sich sein Körper zu erinnern. Er beginnt zu fliegen, zu wirbeln, zu schweben. Der 13-Jährige nutzt die Trampoline zum Absprung über die großen Holzzahlen, die in der Halle verteilt sind. #5630. „Wir haben viele Extraproben in diesen beiden Wochen“, erzählt Finn in einer kleinen Pause. Das sei manchmal anstrengend, mache aber vor allem Spaß.

Seit vier Jahren ist Finn Gasper ein Artistic Jumper. „Aber dieses Mal sind wir noch ein bisschen mehr“, sagt der 13-Jährige. Und dann beobachtet er, wie die Musiker ihre Geigen, Flöten und Cellos auspacken und wie die Tänzer von nebenan in die große Halle im Lüttringhauser Sportzentrum tänzeln. „Wir gehören alle zu #5630“, sagt der junge Sportler, „das ist noch größer.“ Er sei stolz darauf, ein Teil dieses Projektes zu sein und freue sich, gemeinsam endlich auf der Bühne zu stehen. „Remscheid ist überhaupt nicht öde“, sagt er dann noch, „und wir zeigen das jetzt zusammen und geben der Sache ein Gesicht.“

Vereinskollegin Tuana Akyazi bringt ein ähnliches Verständnis für die Teilnahme an dem großen Remscheider Jugendprojekt #5630 mit, das Marcel Haupt und Jochen Peitz im vergangenen Jahr ins Leben gerufen haben. „Wir machen diese Stadt jetzt noch ein bisschen lebendiger.“ Am Samstag bekommt die Vision von Marcel Haupt und Jochen Peitz in Lüttringhausen ein Gesicht. „Dieser Teil macht am meisten Spaß“, sagt Peitz, der den ankommenden Künstlern am Eingang ihren Platz und die Umkleiden zeigt. Ein schwieriges Jahr liege hinter ihnen. „Aber jetzt wird auch für die Jugendlichen erlebbar, was wir uns erträumt haben“, sagt der Projektmacher.

Isabel Maar ist mit dabei: Sie hat 2019 beim Remscheider Newcomer Bandfestival den 1. Platz belegt. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Am kommenden Freitag stehen die Jugendlichen von #5630 auf Einladung der Erfinder vom „Andersraum“ in Lennep endlich gemeinsam auf der Bühne – wenn auch nicht die ganze Gruppe, dann doch ein bunter Teil des großen Ensembles. Die jungen Künstler gestalten die Abschlusshow in St. Bonaventura. „Das ist für uns eine spannende Sache“, sagt Peitz, „aber auch eine große Herausforderung.“ Gemeinsam mit Marcel Haupt hat er eine aufwändige Grafik der Kirche erstellt, um die Abläufe punktgenau planen zu können. Eine besondere Tontechnik kommt dazu. „Das ist logistisch für uns eine große Sache“, sagt Peitz und zeigt allen Teilnehmern auf dem Bildschirm, wie die Show in der leeren Kirche in Lennep ablaufen soll, wo wer seinen Platz hat und wohin Trampoline verschwinden, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Sechs Stunden Generalprobe sind am Samstag angelegt – und alle teilnehmenden Künstler des Projektes kommen zusammen. Sopranistin Lorena Warkentin ist dabei, Lidia Morante Maldonado mit poetischen Zeilen, Singer-Songwriterin Isabel Maar, die 36 jungen Musiker von „Moments of Music“, das Tanzensemble Verve und schließlich Vincent Kuhlen, der eigene Texte als Loop-Akustik-Pop performt. „Wir bringen außerdem zwei unserer Videoinstallationen mit“, sagt Peitz, „die Menschen sollen eine Vorstellung bekommen, was wir eigentlich machen und wie unsere große Show aussehen kann.“ Die Vorfreude bricht sich schon bei der Generalprobe Bahn. Das gilt für Sänger Benjamin Knaup, der zur Show zum ersten Mal auf einer großen Bühne stehen wird. „Das ist einfach Wahnsinn“, strahlt der junge Künstler, „so viele verschiedene Menschen und ein gemeinsames Ziel.“ Und das gilt für Monika Biskupek, die mit ihren jungen Musikern von „Moments of Music“ dabei ist. „Wir alle werden hier Teil einer ganz ungewöhnlichen Sache“, sagt sie strahlend.