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Remscheid: Wildkirsche kann vermutlich stehen bleiben

Kita-Bau in Lennep : Wildkirsche kann vermutlich stehen bleiben

Nach etwa 16 Minuten am Mittwochnachmittag war die erste Open-Air-Sitzung eines politischen Gremiums in Remscheid wieder geschlossen.

Am Mittwochnachmittag traf sich die Lenneper Bezirksvertretung (BV) auf dem Gelände der zukünftigen neuen Kita der Stadtsparkasse Remscheid an der Hackenberger Straße, um über die Zukunft eines Baumes zu entscheiden. Aller Voraussicht nach kann die strittige Wildkirche nun stehen bleiben. 

Vor Ort ließen sich die Politiker den Grund für den verspäteten Fällantrag von Architekt Jörg Böing vom Kita-Planungsteam erläutern. Dieser fehlte nämlich bei der Tischvorlage zur regulären Sitzung der BV am 11. Februar, weshalb die Mitglieder keine Entscheidung treffen wollten. Doch die Zeit drängt, es dürfen aufgrund der Schutzzeit für Vögel von März bis Oktober nur noch bis diesen Sonntag Baumentfernungen erfolgen. 

Der Baum außerhalb des Baugrundstücks im hinteren Bereich wurde bei der Vermessung des Grundstücks übersehen. Warum, konnte Böing auch nicht erklären. Fest steht jedoch, dass er für eine Betonwinkelsteinwand weichen müsste. Diese sei nötig, um Höhenunterschiede abzufangen und das komplette Gelände auf dasselbe, ebene Niveau zu bringen. Orientierungspunkt ist die Höhe der Hackenberger Straße. „Man nimmt es augenscheinlich nicht wahr, aber von der Straße bis zu diesem Punkt liegen rund 1,50 Meter Höhenunterschied“, erklärte Böing. Die Winkelsteinwand beginnt an der Seite zum OGS-Gelände, steigt kontinuierlich an bis zum höchsten Punkt, rund zwei Meter, und geht dann über Eck.

Der Architekt konnte aber eine Kompromisslösung präsentieren. Demnach könnte die Mauer etwas eher enden und der Rest durch eine Böschung abgesichert werden. Dadurch bleibe nicht nur die Wildkirsche, sondern auch ein weiterer Baum verschont. „Unser Ziel ist es, möglichst viel Grün zu erhalten“, betonte Böing. Letztlich sei das auch aus finanzieller Sicht eine gute Lösung, da die Fällkosten eingespart werden. Der Haken: Zum Sitzungstermin hatte Böing noch keine schriftliche Zusage des Bauordnungsamts, sondern nur das mündliche Okay. Die Erfahrung habe aber gezeigt, dass man sich darauf verlassen könne. Als zu großes „Wagnis“ bezeichnete der stellvertretende Bezirksbürgermeister Markus Kötter (CDU) den Kompromiss. 

Um den Kita-Bau in modularer Bauweise durch eine fehlende Fällgenehmigung nicht weiter zu verzögern, fasste die BV einen Vorbehaltsbeschluss. Dieser besagt, dass der Baum nur dann gefällt werden dürfe, wenn die Option der verkürzten Wand nicht zum Tragen komme. Allerdings ging dieser Beschluss mit sechs Ja-Stimmen und fünf Nein-Stimmen (von der CDU-Fraktion und der AfD) nur knapp durch. Jörg Böing zeigte sich zuversichtlich, dass die Wildkirche stehen bleiben kann.