Remscheid: Wiedersehen mit alten Bekannten

Teo Otto Theater in Remscheid : Wiedersehen mit alten Bekannten

Der Spielplan für die neue Saison steht unter dem Motto „Freu(n)de“. Schlachtrösser des Repertoires wie „Kunst“ „Rocky Horror Show“ und „My Fair Lady“ werden gezeigt. Außerdem treten viele lokale Künstler im Theater auf.

Das soll Kunst sein? Eine weiße Leinwand und sonst nichts? In der Komödie „Kunst“ der französischen Autorin Yazmina Reza bleibt es nicht bei einem Streit über Geschmacksfragen. Die Kunstdebatte unter drei Freunden beleuchtet die Untiefen einer Männerfreundschaft, bei der der Bilderstreit nur als Vehikel genutzt wird, um an der Wahrheit zu kratzen. „Kunst“, geschrieben 1994, gehört inzwischen zu den Komödienklassikern. Wer dieses Stück sieht, verlässt das Theater heiterer und verstörter als er hineingegangen ist. In der nächsten Saison kommt es in einer Produktion der Konzertagentur Landgraf ins Teo Otto Theater. Eine Komödie für Freunde der gehobenen Unterhaltung.

„Freu(n)de“ heißt das Motto des neuen Spielplans, den Lutz Heinrichs und Constanze Mandt in Vertretung eines künstlerischen Leiters zusammengestellt haben. Der Spielplan setzt auf Bühnen und Schauspieler, mit denen Remscheid seit Jahren freundschaftlich zusammenarbeitet. Dazu zählen das Theater Hagen, die Burghofbühne Dinslaken, das Landestheater Detmold oder die Bremer Shakespeare-Company. Ob das alles Kunst ist, darüber lässt sich erst diskutieren, wenn die Produktionen gezeigt wurden. Auf dem Papier macht der Spielplan einige Versprechungen auf schöne Theaterabende.

Produktionen mit Musik gehören zu den publikumswirksamsten Aufführungen im Teo Otto Theater. Mehrere Schlachtrösser des Repertoires werden angekündigt. Die durchgedrehte Geschichte der beiden Erdlinge Janet und Brad wird in der „Rocky Horror Show“ erzählt. Nach einer Autopanne landen beide im Schloss des Transylvaniers Dr. Frank ,N‘ Furter. Ein Stück voller Songs, die jeder schon mal gehört auch. Genauso wie „Es grünt so grün ...“ aus „My Fair Lady“. Ob diese Inszenierung die Metoo-Debatte reflektiert oder sich an Altmännerphantasien klammert? Wir werden sehen. In der Junk-Opera „Shockheaded Peter“ geht es grausamer zu als im furchtbaren Struwwelpeter. Am Ende überlebt keiner. Ob Goethes Faust in „Faust I reloaded“ überlebt, scheint zweifelhaft. Die Version aus Esslingen mit zwei Schauspielern stellt Goethes Klassiker auf den Kopf und bedient sich dafür beim Frühstücksfernsehen, bei vorabendlichen Kochshows, intellektuellen Late-Night-Talks, Facebook, YouTube und Castingshows — und landet doch immer wieder bei Goethe, heißt es in einer Ankündigung. Mit „Charles III“ fantasiert sich die Bremer Shakespeare-Company in die Zeit nach Elisabeth II, so wie es vielleicht Shakespeare gemacht hätte. Stützpfeiler des neuen Programms bildet eine große Anzahl von Künstlern und Theatergruppen aus Remscheid. Wie immer gastiert die Volksbühne Lüttringhausen zum Start der Saison (warum überhaupt?). Für ein ausverkauftes Haus sorgt Christoph Spenglers „Rock around the Xmas tree“ zur Weihnachtszeit. Das WTT zeigt seinen „Don Quijote“. Die Solinger kommen mit ihrer Eigenproduktion. Sie spielen Mozarts „Entführung aus dem Serail“. Die Musik- und Kunstschule wirkt bei einer Kinderoper mit. Die Wuppertaler Bühnen gastieren mit „Romeo und Julia“. Nachdem das dortige Schauspielhaus nur noch in einem Schuhkarton untergebracht ist, kann das Ensemble in Remscheid auf einen großen Bühne spielen. Auch eine Form von Nachbarschaftshilfe.

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