Ansichtssache Wie aus jungen Verlierern Gewinner werden können

Meinung · Die Studie „Jugend in Deutschland“ hat ergeben, dass es den Jugendlichen derzeit schlecht geht. Unsere Redakteurin will das so nicht stehen lassen. 

 Jugendliche sind nicht ausschließlich Verlierer der Pandemie.

Jugendliche sind nicht ausschließlich Verlierer der Pandemie.

Foto: dpa/Fernando Gutierrez-Juarez

Bislang heißt es ja immer, Jugendliche seien neben den Kindern die Verlierer der Pandemie und natürlich, da ist auch viel Wahres dran: Zu wenig soziale Kontakte, Gefühle von Einsamkeit und Depression, eine neue Lernstrategie, die so manchen ins schulische Verderben gebracht hat. Überlagert und gefolgt vom Ukraine-Krieg, den Ängsten und Sorgen, die damit einhergehen, dazu der Klimawandel, die Inflation. Die aktuelle Studie über 14 bis 29-Jährige fasst es so zusammen: Die Jugend befindet sich im Dauer-Krisenmodus.

Manchmal aber lohnt es, sich die andere Seite der Medaille auch mal näher anschauen. Neben dem halb leeren auch das halb volle Glas zu sehen. So erzählte mir ein 19-Jähriger, dass Nike-Schuhe und Alpha-Industrie-Hoodies zwar nach wie vor „nice“ seien, aber es Wichtigeres gebe: Freunde, Familie, Gesundheit.

Meine Tochter, 21 Jahre, Studentin in Aachen, ist davon überzeugt, dass Corona den eh überfälligen digitalen Fortschritt und die damit verbundene berufliche Vielfalt um ein Vielfaches angekurbelt hat: Vorlesungen könnten jetzt etwa bei Krankheit trotzdem besucht werden – zusätzlich zur Präsenz nämlich auch digital.

Ihr gleichaltriger Freund sieht die sozialen Medien nun viel kritischer, schätzt die wahren Kontakte heute umso mehr. Er betont, er habe, gelernt Verantwortung zu übernehmen, die eigenen Bedürfnisse auch mal hinten anzustellen, Rücksicht zu nehmen. Und: Der Druck, stets unter Leuten sein zu müssen, um bloß nicht zu verpassen – so wie es noch vor der Pandemie gewesen ist –, sei kaum noch vorhanden. Der Blick auf die kleinen Freuden sei wesentlich geschärft worden. 

Und letztlich habe auch das Klima durch die zwei Jahre viel gewonnen: Weniger CO2 Ausstoß durch weniger Straßenverkehr und weniger Flugreisen von Geschäftsleuten, die ihre Meetings statt in Präsenz in Zoom-Konferenzen abgehalten haben. 

Was mich besonders berührt hat, war unlängst die Aussage eines 16-jährigen Schülers. Auf die Frage, was er denn später mal beruflich machen wolle, habe er früher immer nur die Achseln gezuckt. „Durch Corona hab ich gemerkt, wie viel Freude mir es macht, mich um andere zu sorgen. Und jetzt gebe ich in der Schule richtig Gas, denn ich will unbedingt Rettungssanitäter werden.“

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