Remscheid: Wenn der Bus vor der Nase wegfährt

Öffentlicher Nahverkehr in Remscheid : Wenn der Bus vor der Nase wegfährt

Warum nutzen Busfahrer nicht den Funk, um Kollegen der Anschlusslinien zum Warten aufzufordern, fragt ein Leser aus Lüttringhausen. Genau so sollte es im Normalfall funktionieren, sagen die Stadtwerke. Aber es gibt Ausnahmen.

Die Verkehrsbetriebe der Stadtwerke planen im ersten Quartal dieses Jahres eine große Befragung ihrer Buskunden. BM-Leser Siegfried Fastenrath weiß bereits jetzt genau, was er den Interviewern berichten will, wenn sie ihn auf der Fahrt ansprechen. Als regelmäßiger Nutzer der Buslinie 660 im Streckenabschnitt zwischen Kranerhof und Rathaus Lüttringhausen ärgert er sich darüber, dass er am Rathaus häufig den Anschluss an die Buslinie 654 verpasst.

Seine Kritik: Obwohl dieser Haltepunkt als Umsteigeort bekannt sei, betrage der Abstand zwischen fahrplanmäßiger Ankunft der 660 und Abfahrt der 654 in Richtung Lennep teilweise nur eine Minute. Da die 660 „in neun von zehn Fällen nicht pünktlich“ unterwegs sei, verpasse er regelmäßig seinen Anschluss, berichtet der 61-Jährige. Seine Forderung: Die Taktung sollte geändert werden. „Der Puffer muss größer werden.“

Völlig unverständlich ist für ihn zudem, dass er „seine“ 654 oft sogar noch von der Haltestelle losfahren sieht, wenn die 660 in die Bucht an der Kreuzbergstraße einfährt. Zweierlei Fragen kommen ihm dazu: Warum warten die Fahrer nicht, wenn sie doch sehen, dass ein Bus ankommt? Und warum nutzen die Fahrer der 660 nicht ihren Bordfunk, um den Kollegen zur Übernahme der Umsteiger aufzufordern und ihr baldiges Eintreffen anzukündigen. Auch an der „Blumeninsel“ am Hauptbahnhof sei ihm dies schon passiert.

Alle Fahrer sind angehalten, den Funk für diesen Service zu nutzen, sagt Harald Pauli, Verkehrsplaner bei den Stadtwerken auf BM-Anfrage. Dazu gebe es klare Anweisungen der Stadtwerke. Es komme aber immer auf die Situation an. Möglich sei etwa, dass der Fahrer bereits gewartet hat, die Verspätung des erwarteten Busses aber zu groß geworden ist. Dann müsse der Bus starten, um einerseits seinen Fahrplan einzuhalten und andererseits an anderen Umsteigepunkten in der Stadt nicht neue Probleme zu schaffen.

Grundsätzlich nachvollziehen kann Pauli die Kritik von Siegfried Fastenrath aber. Wenn einem der Bus vor der Nase wegfahre, sei das ärgerlich. Ein größerer Zeit-Puffer sei im Prinzip eine gute Idee, sagt Pauli. Doch auch hier gelte: Längere Pausen an der einen Stelle können Hetze an der anderen Stelle bedeuten. Die Feinabstimmung der Pläne im Streckennetz lasse das manchmal nicht zu.

Die Linie 660 werde auf jeden Fall auch Teil der Kundenbefragung sein, versichert Achim Freund, Bereichsleiter im Verkehrsmanagement der Stadtwerke. Ziel sei es, alle Buslinien zu unterschiedlichen Tageszeiten abzudecken, um ein möglichst genaues Bild zu bekommen. Zwar seien diese Interviews, die mit standardisierten Fragebögen arbeiten, nicht als offene Kritikgespräche gedacht. Da von den Interviewern aber gezielt auch nach den Thema Umsteigeverhalten gefragt werde, passe das von Siegfried Fastenrath vorgetragene Thema gleichwohl gut in die Befragung hinein. Gerade für den Bereich der zukünftigen Taktung im Fahrplan erhoffen sich die Stadtwerke Erkenntnisse.

Die Befragungen finden im Zeitraum vom 11. März bis zum 14. April statt. Vom 6. bis 12. Mai gibt es noch ein zweites Intervall.