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Remscheid: Wasserturm steht zum Verkauf

Südbezirk Remscheid : Wasserturm steht zum Verkauf

Wer möchte das Projekt fortsetzen? Wolfgang Stache hat das Gebäude von 1889 bereits teilsaniert. Für 189.000 Euro kann man es jetzt kaufen.

Eigentlich könnte man hier schwimmen. Denn dort, wo nun ein Boden eingezogen wurde, stand das Wasser einst fünf Meter hoch: Der ehemalige Wasserturm an der Berghauser Straße steht zum Verkauf. Unternehmer und Immobilienbesitzer Wolfgang Stache (50) hat das besondere Gebäude aus dem Jahr 1889 bereits teilsaniert. Nun sucht er einen Käufer, der „mit Geld und Ideen“ seine Arbeit fortführt. Den Grundstein dafür hat der selbstständige Handwerker der Stache Bau UG bereits gelegt. Wer also schon immer davon geträumt hat, in einem besonderen Objekt zu leben oder zu arbeiten, kann sich diesen Traum nun für 189.000 Euro erfüllen.

Vor rund zwölf Jahren hat Wolfgang Stache den ehemaligen, denkmalgeschützten Wasserbehälter „in jugendlichem Leichtsinn“ von einem Privatmann gekauft. Direkt dorthinter befinden sich sein eigenes Wohnhaus, seine Werkstatt und ein 500 Quadratmeter großer Gewerbekomplex, der ebenfalls ihm gehört. Der ehemalige Fressnapf an der Burger Straße kann ab sofort auch in Kleinflächen angemietet werden.

Aber erst einmal möchte der Remscheider, der auch im Südbezirk aufgewachsen ist, den alten Wasserturm verkaufen. „Ich kenne das Gebäude noch aus der Zeit, als es noch der EWR gehörte. Damals wohnte der Wasserturmwärter hier.“ Der Energieversorger habe das 18 Meter hohe Gebäude einst für einen symbolischen Euro an einen Privatmann verkauft, der wiederum an Stache. Der Bau-Experte hat das Objekt laut eigener Aussage auch schon der angrenzenden Firma angeboten: Vaillant. Der Noch-Eigentümer könnte sich in den verschiedenen Turm-Ebenen gut Konferenzräume vorstellen. Im ersten Stock gibt es bereits eine voll ausgebaute 62 Quadratmeter große Wohnung, die zurzeit vermietet ist. Überall gibt es den gleichen Grundriss, wobei das Mauerwerk nicht lotrecht ist und der Turm nach oben hin kegelförmig zuläuft. Auf der Rückseite könnte ein Aufzug installiert werden, sagt Stache. Denn ansonsten gibt es nur einen Fluchtweg: einen Treppenturm, der sich durchs Gebäude nach oben schlängelt.

Das Dach und die Fassade des 130 Jahre alten Schätzchens hat der 50-Jährige bereits erneuert. Der Schiefer ist neu, das Kopfsteinpflaster auf dem Vorplatz ebenfalls, zwei gusseiserne Laternen aus der damaligen Zeit zieren den Eingang. Außen müsste nur noch die Verkleidung gemacht werden. Zudem hat der Handwerker Fenster und Türen eingebaut sowie den oberen Bereich bereits mit einer Wärmeisolierung versehen. Die sogenannte Laterne direkt unter der Fahne spendet viel Licht: Stache hat die 96 Gläser per Hand eingesetzt und verkittet.

Apropos: Die verzinkte Fahne, die über den Häusern am Zentralpunkt thront und bereits von Weitem zu sehen ist, auf den 18 Meter hohen Turm zu setzen, sei ein Kraftakt gewesen, erzählt Wolfgang Stache. „Ich habe sie nach den alten Plänen aus 1889 anfertigen lassen. Sie besteht aus dickem Guss – und wiegt etwa 100 Kilogramm.“ Mit einer 35Meter hohen Bühne hat Stache das Schwergewicht auf die Kuppel gesetzt – die Hebebühne habe es nur gerade eben noch geschafft. „Und da oben herrschen Windgeschwindigkeiten jenseits von Gut und Böse“, sagt der Handwerker,

Der alte Charakter ist überall erhalten geblieben. So ist das alte Wasserrohr, das einst das Wasser aus dem Keller hoch in den Kessel pumpte, noch komplett erhalten. Der Kesselboden ist freitragend: Er liegt auf den Mauersegmenten auf. Ihn zieren tausende Metallnieten, wie sie auch in der Müngstener Brücke verbaut wurden.

„Zur damaligen Zeit war dieser Bau eine Riesennummer“, sagt Stache. „Intze soll als Planer dabei gewesen sein.“ Otto Intze wirkte stark im Südbezirk: Er baute die erste Trinkwassertalsperre Deutschlands, die Eschbachtalsperre.

Wenn man zur Decke schaut, sieht man die alten Metallträger, die sternförmig vom Treppenhaus aus nach außen zulaufen. Dazwischen wurde Beton gegossen. „Man muss sich mal vorstellen, wie die damals gearbeitet haben“, ist Stache immer noch begeistert. Auch der alte Notüberlauf und die Metallbrücke, über die man das oberste Dachfenster erreicht, sind noch da.

Wer mag, kann Otto Intzes Erbe nun nach 130 Jahren kaufen. Interessenten können sich per E-Mail bei Wolfgang Stache melden:
stache@hotmail.de

(Boll)