Remscheid: Waffenschein – Boom ebbt ab

Remscheid: Waffenschein – Boom ebbt ab

Die Remscheider rüsten ab. Oder besser: etwas weniger auf.

Die Anträge auf Erteilung des Kleinen Waffenscheins sind im Bergischen Städtedreieck rückläufig. Von knapp 600 im Jahr 2017 ging die Zahl bis November 2018 auf 322 zurück. Zum Vergleich: 2016 beantragten mehr als 2000 Bürger im Polizeipräsidium Wuppertal die Genehmigung, in der Öffentlichkeit eine Schreckschuss- oder Gaspistole führen zu dürfen.

Die Polizei warnte davor: Waffen – auch Sprays oder Elektroschocker – „vermitteln ein trügerisches Gefühl von Sicherheit“. Rasch könne sich die Waffe nicht gegen den Angreifer, sondern auch gegen sich selbst richten, schrieb die damalige Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher jedem Antragsteller. Es half wenig. Statt die Menschen von ihrem Vorhaben abzubringen, musste sie ihren Fachbereich Waffenrecht im Wuppertaler Präsidium personell aufstocken, um die Antragsflut auf Ausstellung des Kleinen Waffenscheins zu kanalisieren. Hohe Ansprüche an den Antragsteller stellt der Gesetzgeber an die Ausstellung nicht. Die Genehmigungen erteilten die Beamten vielleicht gerade deshalb nur widerwillig. Sie wissen: Mehr Waffen sorgen nicht für mehr Sicherheit. Das Gegenteil ist der Fall.

Bei jenen, die in Remscheid vor allem Jäger und Sportschützen ausrüsten, die eine waffenrechtliche Erlaubnis vorweisen können, sorgte die Bewaffnung der Bürger für eine ungeahnte Nachfrage nach Gas- und Signalwaffen. Zum Beispiel bei Ulrich Michel. „Das war heftig“, erzählt der Inhaber in seinem Geschäft K.F. Michel Jagdausrüstung.

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Statt gestandenen Waidmännern und -frauen, die er üblicherweise als Stammkunden begrüßt, standen verunsicherte Bürger vor seinen Vitrinen und fragten nach Revolvern und Pistolen für Gaspatronen. Noch mehr verlangten nach CS-Gas und Pfefferspray. „Die Nachfrage war gigantisch“, sagt Ulrich Michel.

Das hat sich gelegt. Nur rund um Silvester zog die Nachfrage nach Signalwaffen an – zum Abschießen von Feuerwerk. Ulrich Michel nimmt sich jeden seiner Kunden zur Brust, klärt ihn über die Gefahren auf, lässt sich den Empfang von Verhaltensregeln per Unterschrift quittieren. Denn: „Es bleibt eine Waffe, ihre Anwendung kann tödlich enden.“

Aus diesem Grund sieht die Polizei mit Wohlwollen den Rückgang der Antragszahlen. „Das ist die richtige Richtung“, sagt Stefan Weiand, Sprecher der Wuppertaler Behörde. Wobei mehr als 300 Neuanträge 2018 der Polizei nach wie vor zu viele sind. Denn die Zahl der Bürger, die sich im Städtedreieck völlig legal mit der Gaswaffe im Holster unter Menschen begeben dürfen, dürfte bei annähernd 5000 liegen.

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