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Remscheid: Vierjährigen ins Koma geprügelt - Stadt sah keine Hinweise auf Gewalt

Vierjährigen ins Koma geprügelt : Stadt sah keine Hinweise auf das Risiko einer Misshandlung

In Remscheid soll ein 24-Jähriger den vier Jahre alten Sohn seiner Freundin so heftig verprügelt haben, dass das Kind seitdem im Koma liegt und um sein Leben kämpft. Laut Stadt gab es im Vorfeld keine Hinweise auf Gewalt in der Familie.

Das teilte die Stadt am Donnerstagnachmittag mit. Mehrere Medien hatten im Rathaus um eine Stellungnahme gebeten, nachdem ein Nachbar vor Journalisten berichtet hatte, dass es im Sommer Hinweise auf Probleme ans Jugendamt gegeben habe.

Ende Juni ging tatsächlich ein Hinweis beim Jugendamt ein, berichtet die Stadt. Nachbarn beschwerten sich über laute Musik und Streit in der Wohnung der alleinerziehenden, 21 Jahre alten Mutter. Noch am gleichen Tag habe ein Hausbesuch stattgefunden. "Die Fachkräfte kamen zu dem Ergebnis, dass keine Anzeichen für eine Kindeswohlgefährdung festzustellen waren", schreibt die Stadt. Sozialdezernent Thomas Neuhaus ergänzte am Abend auf Nachfrage unserer Redaktion, dass das Kind an diesem Tag auch in Augenschein genommen worden sei. Es habe bei dem Hausbesuch keinerlei Hinweise auf Gewalthandlungen gegen das Kind gegeben. In einem solchen Fall werden Kinder in Obhut genommen.

Gleichwohl habe die Stadt die junge Familie im Anschluss weiter eng begleitet und weitere Unterstützungsmöglichkeiten aufgezeigt. Die Stadt legt sich fest: "Zu keinem Zeitpunkt gab es Hinweise auf ein Gewaltpotential zwischen Mutter und Kind. Das Risiko einer Misshandlung durch Dritte war für die Stadt Remscheid nicht erkennbar."

Die ausführliche Stellungnahme der Stadt zeigt auf, dass die junge Mutter und ihr Sohn über einen langen Zeitraum begleitet wurden. "Es gab ein funktionierendes Hilfenetzwerk", sagt Neuhaus. Wie berichtet, war eine von der Stadt bezahlte und begleitete Betreuung durch eine Jugendhilfe-Einrichtung Ende 2016 im Einvernehmen mit der Mutter beendet worden. Die Prognose für Mutter und Kind war damals gut.

Die Stadt habe aber weiter ein Auge auf die Familie gehabt. "Die Entwicklung der alleinerziehenden Mutter und ihres Sohnes hat auch nach Abschluss der Jugendhilfemaßnahme einen positiven Verlauf genommen." Es habe "tragfähige Kontakte im familiären Umfeld", einen Betreuungsplatz in einem Kindergarten und "anlassbezogene kinderärztliche Versorgung" gegeben. "Das Kind besuchte regelmäßig den Kindergarten und machte altersentsprechend gute Fortschritte", heißt es weiter.

Die Stadt hofft nun, "dass das Kind trotz der schweren Verletzungen" bald genesen wird. Die Begleitung der Familie werde auch "in Zukunft jederzeit sichergestellt".