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Remscheid: Unterwegs auf dem Jakobsweg

Kultur in Remscheid : Unterwegs auf dem Jakobsweg

Rund 500 Besucher wollten das Gastspiel des Westfälischen Landestheaters Castrop-Rauxel im Remscheider Teo Otto Theater sehen. Geboten wurde die Bühnenfassung von Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“.

Hape Kerkeling hat mit seinem Selbstfindungsroman „Ich bin dann mal weg“ Anfang des Jahrtausends nicht nur für einen richtigen Pilgerboom in Deutschland gesorgt, sondern in erster Linie ein enorm unterhaltsames und zum Nachdenken anregendes Buch geschrieben. Eines, das 2013 sehr gut mit dem wunderbaren Devid Striesow in der Hauptrolle verfilmt wurde – das man sich aber hingegen als Theaterstück nicht so recht vorstellen mochte.

Regisseur Urs Alexander Schleiff und sein gut aufgelegtes Ensemble des Westfälischen Landestheaters Castrop-Rauxel hatten sich nun an eine Theaterbearbeitung des Stoffes von Monika Reithofer gewagt, was am Mittwochabend etwa 500 Besucher im gut gefüllten Teo Otto Theater sehen wollten. Dort gab es zumindest drei Requisiten mit Wiedererkennungswert, die das Landestheater unbedingt auf die Bühne bringen musste: nämlich Kerkelings Wanderstock, seinen roten Rucksack und den Hut. Und die waren auch allesamt vorhanden – und lagen in der Pause mitten auf der leeren Bühne.

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Den Bühnenhintergrund nahmen hingegen sieben große Stellwände ein, auf denen mal die Wanderschuhe Kerkelings zu sehen waren, dann wieder Bild- und Videoeinspielungen vom Jakobsweg. Leider war das oft etwas dunkel, was die Qualität ein wenig schmälerte. Immer wieder wurden die Stellwände auch zur Seite gezogen, um Platz für Herbergen, Massageräume oder andere Örtlichkeiten der Handlung zu machen. Simpel und effektiv zugleich.

Hauptdarsteller Mike Kühne hatte es indes nicht leicht, blieben doch sowohl Kerkeling als auch vor allem Striesow in der Filmversion unerreichbare Größen. Hatte man sich aber einmal damit abgefunden, dass diese Vorlagen eben weit entfernt bleiben würden, bekam man in den rund zwei Stunden durchaus gute Unterhaltung geboten. Kerkelings mühsamer Weg zu sich selbst – und nach Santiago de Compostela, dem Ziel aller Jakobsweg-Pilger – war gespickt mit allerlei kuriosen Gestalten, mal der Phantasie des überhitzten Hirns des Wanderers geschuldet, mal der Tatsache, dass der „Camino“ eben auch von skurrilen Persönlichkeiten bewandert wird. So etwa die nervige Schnabbel (Vesna Buljevic), die Österreicherin (Xenia Wolfgramm) oder der seltsame Peruaner Americo (Burghard Braun). Dabei standen sowohl humorvolle Unterhaltungen, tiefgründige Diskussionen und selbstreflektierende Monologe im Zentrum des Geschehens auf dem „Camino“. Das mündete dann etwa in Sätzen wie: „Manchmal ist es das Vernünftigste, einfach nur herrlich verrückt zu sein.“

Natürlich war die Philosophie „Der Weg ist das Ziel“ weniger tiefgründig, als man es wohl vermitteln wollte. Aber wenn Pilgerin Larissa (ebenfalls Buljevic – die Schauspieler hatten bis auf Kühne mehrere Rollen) solche Sätze sagte: „Irgendwann hat der Weg jeden soweit, dass er weint“, oder Kerkeling seinen ganz persönlichen und privaten Moment erlebte, in dem er Gott auf dem „Camino“ begegnete – die drei Worte „Tu y yo“, spanisch für „du und ich“, auf einer Hauswand geschrieben –, dann ertappte man sich schon dabei, das Ganze trotz seichter Philosophie richtig gut und nicht zuletzt erstrebenswert zu finden.

Allerdings durfte man getrost bezweifeln, dass die Darbietung des Westfälischen Landestheaters für einen neuen Pilgerboom sorgen würde. Dazu waren die schauspielerischen Leistungen stellenweise einfach zu hölzern. Dazu kam die erwähnte Unerreichbarkeit der Vorbilder, die nur schwer aus dem Kopf zu kriegen waren.

Am Ende blieb ein leicht zwiespältiges Gefühl, das einem einmal mehr zu bestätigen schien, dass nicht jede Form der Adaption von Buchvorlagen gleich gut gelingen konnte. Die Geschichte selbst war jedoch insgesamt stark und unterhaltsam genug, um über die volle Abenddistanz tragen zu können, so dass man nicht gänzlich enttäuscht nach Hause ging.

Und dem Gros des Publikums schien es gemessen am Applaus sogar sehr gut gefallen zu haben.