Remscheid: Unterstützung für Hebammen in Eritrea

Hilfe aus Remscheid : Unterstützung für Hebammen in Eritrea

Die Hilfsorganisation „MET4A“ ist mit einem Mediziner-Team nach Eritrea gereist. Im Gepäck: medizinisches Material und viel Erfahrung.

Es ist eine Art Glücksspiel. 10.000 Frauen erreichen im Jahr die Geburtenstation in den beiden Kliniken in Asmara, um dort ihre Kinder zur Welt zu bringen. Die Hebammen kümmern sich um die hochschwangeren Patientinnen, tasten Bäuche ab und kommen dann zu einer Einschätzung. „Nur im Notfall rufen sie einen Arzt dazu“, sagt Professor Helmut Kaulhausen. Die Verantwortung der Hebammen ist also groß.

„Umso wichtiger, dass sie Notfälle auch erkennen können“, sagt der Mediziner aus Radevormwald. Und da kommt die Remscheider Hilfsorganisation „Medical education and training for Africa“ (MET4A) ins Spiel: Kinderärzte, Gynäkologen, Operationsschwestern, Anästhesisten, Lehrhebammen, Neonatologen und Medizintechniker aus ganz Deutschland haben sich an einen Tisch gesetzt und über Hilfe zur Selbsthilfe für Kliniken in afrikanischen Ländern beraten. Erst unter dem Dach des Hammer Forums und seit vergangenem Sommer unter der Flagge des neu gegründeten Remscheider Vereins „MET4A“ engagieren sich die deutschen Ärzte ehrenamtlich für Fortbildungsprogramme in Eritrea und der Teilrepublik Sansibar.

Zum ersten Einsatz im Ausland machte sich ein Team um Professor Kaulhausen im März auf den Weg. Ihr Ziel: Asmara in Tansania. „Unter Regie des Hammer Forums haben wir in den beiden Kliniken in Asmara schon 2003 Fortbildungsprogramme entworfen und Mediziner zu Fachärzten für Frauenheilkunde und Geburtshilfe ausgebildet“, erzählt Kaulhausen. Weil das Hammer Forum dann aber den Fokus enger auf die Hilfe für Kinder lenkte und die Geburtshilfe damit in den Hintergrund rückte, entschieden die engagierten Mediziner, ihre eigene Hilfsinitiative zu gründen: „MET4A“ entstand. „Im Grunde führen wir aber unsere Arbeit fort“, sagt Kaulhausen. Und so traf das Ärzte-Team im März in den beiden Kliniken in Asmara auf alte Freunde und gute Bekannte.

Im Fokus standen nun die Hebammen: „Die jungen Fachkräfte, die am College ausgebildet wurden, kommen mit gutem Fachwissen auf die Geburtenstationen“, hat der Frauenarzt und ehemalige Chefarzt der Frauenklinik in Remscheid festgestellt. Fortbildung allerdings spiele in Eritrea überhaupt keine Rolle – diese Lücke füllen nun die Mediziner aus Deutschland. Mit Vorlesungen, praktischen Übungen und einem Abschlusstest in der Tasche reiste das Ärzte-Team in Asmara an – und traf dort auf offene Ohren und großes Interesse.

„Uns ging es dieses Mal vor allem darum, die Hebammen im Ultraschall auszubilden“, erklärt Kaulhausen. Wie liegt ein Kind? Droht eine Steißlage? Werden Mehrlinge erwartet? Ist ein Kaiserschnitt nötig? Bisher konnten viele Hebammen und Entbindungshelfer diese Fragen bei der Aufnahme zur Geburt gar nicht abklären. Die neuen Kenntnisse dürften den Alltag auf den beiden Geburtenstationen in Asmara verändern. „Und damit begegnen wir sowohl der großen Müttersterblichkeit in den Kliniken als auch den Problemen bei der Versorgung der Neugeborenen“, sagt Kaulhausen. Auch Themen wie die Überwachung Neugeborener, Reanimation, Blutungen und Bluthochdruck bei Schwangeren bringen die Mediziner aus Deutschland mit. „Und wir sehen, dass unsere Arbeit und die neuen Kenntnisse die Mitarbeiter dort motivieren“, hat der 74-Jährige beobachtet.

Die neuen Kenntnisse dürften die Arbeit auf den beiden Geburtenstationen in Asmara verändern. Foto: MAT4A
Prof. Dr. Helmut Kaulhausen (l.) war mit einem Team in Afrika, um medizinisches Personal fortzubilden. Foto: Christian Gnoth

Zwei Wochen blieb das Ärzteteam und schulte die Entbindungshelfer und Hebammen, lieferte Hilfsmittel wie Vakuumpumpen, Nabelschnurklemmen, Antibiotika und Spinalnadeln ab. Im Spätsommer will das nächste Team der Initiative zur Klinik nach Sansibar aufbrechen – Förderanträge für Ultraschallgeräte sind bei Stiftungen und Ministerien gestellt. „Aber wir brauchen auch Spenden“, wirbt Professor Kaulhausen. Nur so ist auch der nächste ehrenamtliche Einsatz der Mediziner möglich. „Man hat so viel Erfahrung und Wissen während seines Arbeitslebens gesammelt“, erklärt der Frauenarzt seine eigene Motivation, „und das kann und will man auch während des Ruhestands noch anwenden, um zu helfen.“

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