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Remscheid: Unternehmer skeptisch bei Konjunktur

Wirtschaftspolitik in Remscheid : Unternehmer skeptisch bei Konjunktur

Die eingetrübte Stimmung sei aber kein Hinweis auf eine Rezession, sagt IHK-Geschäftsführer Wenge.

Die Remscheider Unternehmer sind skeptisch, was das wirtschaftliche Wachstum in diesem Jahr angeht. Zu viele politische Unwegbarkeiten dämpfen die Erwartungen. Das ergab eine Umfrage der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK). Der Erwartungsindex sinkt von minus zwei auf minus 14. Das heißt, die Pessimisten geben bei der Umfrage unter insgesamt 97 Unternehmen den Ton an. Michael Wenge, Geschäftsführer der Bergischen IHK, will aber die konjunkturellen Aussichten nicht allzu schwarz malen. Die gute bergische Konjunktur verliere zwar etwas an Schwung, es sei aber nicht angebracht, diese Dellen als Ankündigung einer Rezession zu deuten.

Im Bergischen Städtedreieck ist die Skepsis der Remscheider Unternehmen am größten. Das liegt in erster Linie an der Abhängigkeit der Remscheider Wirtschaft vom Export. Die politische Großwetterlage erschwert den freien Handel mit Gütern. Die USA schotten sich ab, die chinesische Konjunktur trübe sich ein, der ungewisse Ausgang beim Brexit sorge in den Führungsetagen für Zurückhaltung. Trotz dieser gedämpften Erwartungen zeigen die Umfrageergebnisse, dass die wirtschaftliche Lage weiterhin stabil sei. Die Experten der IHK gehen aber davon aus, dass die Konjunktur in der Werkzeugstadt ihren Höhepunkt hinter sich habe.

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Die Remscheider Industrie bildete lange Zeit den Vorreiter für Prosperität. Während der Finanzkrise 2007/08 erlebte die Stadt einen wirtschaftlichen Tiefpunkt. Drei Jahre dauerte es, um die Verwerfungen des Raubtierkapitalismus’ wieder aufzufangen. Danach ging es fast stetig bergauf. Eine Boomphase, die an die Wirtschaftswunderzeit der 1960er-Jahre erinnerte.

Die aktuelle konjunkturelle Delle wird sich auf dem Arbeitsmarkt in Remscheid wohl nicht bemerkbar machen. Laut IHK wollen die Unternehmen ihr Personal sogar aufstocken. „Mit Personalabbau ist nicht zu rechnen“, sagte Wenge. Die Investitionen sollen sich auf das Inland konzentrieren. Laut Wenge fließt das Geld nicht in erster Linie in Erweiterungen der Kapazitäten, sondern in die Entwicklung von neuen Produkten.

In keiner anderen Branche ist die Stimmung so gut wie bei den Kreditinstituten. Auch wenn sie nur einen kleinen Teil im Remscheider Wirtschaftsleben ausmachen, sie winken mit optimistischen Bilanzaussichten. Die Vorstände der Sparkasse und der Volksbank runzeln bei den Bilanzpressekonferenzen zwar immer mit der Stirn, wenn das Thema Zinsen zur Sprache kommt. Aber die Vergabe von Baukrediten erweist sich als lukrativ.

Die Kommune hat die Möglichkeit, an der Gewerbesteuer zu drehen, um einerseits mehr Geld in die Stadtkasse zu bekommen, oder andererseits Unternehmen durch niedrige Steuersätze zu locken. Wenge zufolge werde aber der Faktor Steuer überschätzt: „Er steht erst an vierter Stelle auf der Prioritätenliste der Firmen.“ Wichtiger sind Gewerbeflächen, Breitbandausbau sowie Fachkräfte vor Ort. Bei der Entwicklung von Gewerbeflächen tut sich die Stadt schwer. Nach dem Scheitern des Projekts Blume an der Autobahn, konzentriert man sich auf das Gebiet Gleisdreieck. Auch die Erdbeerfelder zwischen Lennep und Bergisch Born sind weiter im Gespräch. „Für die Zukunft ist es wichtig, dass die Qualität bei den Standortfaktoren stimmt“, sagte der IHK-Geschäftsführer.