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Remscheid: Umzug zum Leyerbach mit vier Bienenvölkern

Umweltschutz in Remscheid : Umzug zum Leyerbach mit vier Bienenvölkern

Für das Wohl ihrer Insekten zog Michela Gerigk aus Wuppertal nach Lüttringhausen. Ihr Hobby versteht die Imkerin als aktiven Umweltschutz. Die Einnahmen aus dem Honigverkauf investiert sie vor allem in Futter für die Bienen, die sonst nicht überleben könnten, wie sie sagt.

Michaela Gerigk ist Hobbyimkerin aus Leidenschaft, aber auch aus tiefster Überzeugung. Denn ihr Hobby versteht die 55-Jährige, die kürzlich mit ihren Bienen von Wuppertal nach Lüttringhausen an den Leyerbach gezogen ist, als aktiven Umweltschutz. Und der sei dringend nötig, wie sie an ihren Bienenvölkern beobachtet.

Mitten im Grünen, etwas abgelegen am Lenhartzhammer, summt es seit einigen Monaten kräftig. Vier von Gerigks insgesamt acht Bienenvölkern haben in der Nähe des Leyerbachs, umgeben von Schlehe, Weißdorn, Kirsche und Brombeeren, ein neues zu Hause gefunden. Den übrigen vier Völkern gewährt ein Privatmann auf seinem Grundstück in Birke Obhut. Ein echtes Paradies für die schwarz-gelben Flügeltierchen, versichert die stolze Bienenmutter. Zuvor lebte sie mit ihrem Mann und den Bienen auf Wuppertaler Stadtgebiet in Frielinghausen. Doch dort war es zuletzt bedrohlich für ihre Tiere. „In Wuppertals besteht ein großer Baumbestand aus Tannen. Wegen der großen Monokulturen herrscht dort zurzeit ein großes Tannensterben“, erklärt die Hobbyimkerin, die sich seit vier Jahren der Imkerei widmet und zahlreiche Schulungen und Fortbildungen absolviert hat. Die Bienen, obwohl sie für die Futtersuche bis zu drei Kilometer weit fliegen können, fanden kaum noch Nahrung. Das Ergebnis: geschwächte Bienenvölker, die so gut wie kaum noch Honig produzierten und von Gerigk mittels Zuckerwasser notversorgt werden mussten. Zudem gab es ein Wespenproblem.

Das neue Zuhause ist ruhiger und bietet wesentlich mehr Nährstoffe, der Honig schmeckt dadurch besser. Doch auch hier zeichnen sich schon Probleme ab, wie die Neu-Lüttringhauserin bemerkt hat. Der Wald im Lenhartzhammer besteht zu einem großen Teil aus Fichten, die dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen sind. Normalerweise sammeln die Bienen Blattmilben, die sie für ihren Wintervorrat brauchen. Doch wenn die Bäume um sie herum absterben, finden sie immer weniger davon.

Auch die Klimaerwärmung machen den Insekten zu schaffen: Im Sommer, wo das Bienenvolk mit gut 40.000 Bienen ihre Hochzeit feiert, ist es mittlerweile zu heiß, um auf Futtersuche zu gehen. Im Winter, wo das Volk in der Regel nur noch aus rund 15.000 Bienen besteht, ist es zu warm, so dass ihr Honig, den sie als Winterreserve in ihren Waben haben, nicht mehr gefriert, sondern schimmelt. Würden Imker nicht notfüttern, würden die Bienen über den Winter verhungern, sagt Gerigk. Dieses Hobby sei also durchaus ein aufwendiges, wenn es vernünftig betrieben wird und keineswegs monetär profitabel auszurichten. Ein rund 450 Gramm großes Honigglas verkauft Gerigk für rund fünf Euro. Gewinne erziele sie damit nicht. „Das Geld wird eher für neues Equipment, vor allem aber für neues Bienenfutter investiert“, berichtet sie.

„Wer glaubt, man stellt sich irgendwo ein Volk hin und erntet dann nach einigen Monaten den Honig, der irrt sich“, sagt Gerigk. Viele Schulungen seien nötig, ebenso ein entsprechendes Equipment. Außerdem sind Bienen sehr sensible Tiere, die viel Fürsorge benötigen. Wenn es Imker nicht mehr gäbe, sagt Gerigk nachdenklich, gäbe es möglicherweise kaum noch Bienen, weil sie ohne medizinische Versorgung an der Faulbrut zugrunde gehen oder – aufgrund der klimatischen Bedingungen – verhungern würden. „Deswegen ist mein Hobby mein persönlicher Beitrag für die Umwelt.“