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Remscheid: Theaterprojekt zum Thema Jammern

Akademie in Remscheid : Theaterprojekt zum Thema Jammern

Unter dem Titel „Konferenz der Jammerlappen“ haben Kinder und Jugendliche in der Akademie Remscheid mit Pädagogen ein Theaterstück erarbeitet.

Die Stimmung bei der Generalprobe am Donnerstagnachmittag im großen Saal der Akademie Remscheid ist konzentriert, gespannt – und gut gelaunt. Ganz in schwarz gekleidet sind die 24 Kinder, Jugendlichen und Mitarbeitenden der Evangelischen Jugendhilfe Bergisch Land bei der Sache. Sie verpassen unter den wachsamen Augen der Theaterpädagogin Sandra Anklam ihrer „Konferenz der Jammerlappen“ den letzten Schliff – nur wenige Regieanweisungen sind noch nötig. Hier das Mikro etwas lauter machen, dort die Position auf der Bühne noch etwas verändern. Aber das alles klappt schon recht gut, wie auch an den zufriedenen Gesichtern auf und vor der Bühne zu sehen ist. Was insbesondere deswegen so beeindruckend ist, weil hier erstens keine Schauspieler am Werk sind, und zweitens das etwa halbstündige Stück in gerade einmal zweieinhalb Tagen geschrieben und einstudiert worden ist.

Nur den Titel hat Sandra Anklam vorgegeben. „Ja, die ‚Konferenz der Jammerlappen‘ war vorgegeben. Denn schließlich betrifft das Thema Jammern uns alle“, sagt die Leiterin des Fachbereichs Theaterpädagogik. Vorgegeben gewesen seien zudem auch die einzelnen Elemente, die sich aus Bewegungen, Choreographien und Sprechteilen zusammensetzten. „Aber wie die Teilnehmenden das dann umgesetzt haben, haben sie in kleinen Gruppen gemeinsam erarbeitet“, sagt Sandra Anklam. So hätten sie etwa die allgemeine Vorgabe „als Gruppe über die Bühne gehen“ in eine Art Schwarmbewegung umgesetzt. Eindrucksvoll ist auch die Szene, in der die Gruppe am Bühnenrand steht und im Wechsel einzeln oder zusammen sagen, was sie ärgert, gipfelnd im Ausruf, den wohl jeder Mensch auf der Welt teilen dürfte: „Scheiß-Corona!“

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Möglich geworden ist das intergenerationelle Theaterprojekt – die Teilnehmenden sind zwischen 8 und 58 Jahren –, das in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfindet, durch eine Spende in Höhe von 5000 Euro von er Evangelischen Kirche im Rheinland, wie Markus Emonts von der Jugendhilfe sagt. „Es ist ein tolles Projekt, ich finde es besonders gut, zu sehen, wie sie konzentriert bei der Sache sind“, sagt Emonts. Es sei für alle Teilnehmenden eine besondere Erfahrung, da sie von Dienstagnachmittag bis Freitagmorgen mit Übernachtung in der Akademie gewesen seien. „Unsere Jugendlichen haben viel mit Erwachsenen zu tun, die reden, reden und reden – jetzt habe auch sie die Möglichkeit, sich einmal auszudrücken. Das ist wichtig“, sagt Emonts.

Eine Teilnehmerin ist die 13-jährige Celine. Sie wirkt nach der Generalprobe etwas aufgekratzt, ist freudig und aufgeregt. Dabei habe sie am ersten Tag noch gedacht: „Das wird doch total langweilig, wir haben da nur Aufwärmübungen gemacht“, sagt das Mädchen und lacht. Aber schon bald habe sich das Projekt verändert. „Wir konnten uns einbringen, das war schon sehr spannend“, sagt die 13-Jährige. So hätten sie etwa im Chor mitmachen können, in einer Rap-Gruppe oder einer Gesangsgruppe. „Das wir da auch unsere eigenen Ideen und Vorstellungen unterbringen konnten, fand ich richtig gut“, sagt Celine.

Vor der Premiere sei sie aufgeregt, sagt Sandra Anklam lachend. „Das wird sich dann auch noch verschlimmern – vor allem dann, wenn der Moment der Premiere begonnen hat“, ergänzt sie. Denn dann, so sagt die Theaterpädagogin, habe sie es nicht mehr in der Hand, was auf der Bühne passiert. Wie sich dann gezeigt hat, eine unnötige Sorge. Denn bei der Aufführung, zu der dann am frühen Donnerstagabend über 50 Zuschauer gekommen sind, klappt alles „ganz fulminant“, wie Sandra Anklam sagt. Danach sei die Erleichterung riesig gewesen. „Die Kinder und Jugendlichen haben sich dann nach der Premiere noch in einer langen Diskonacht gefeiert“, sagt Sandra Anklam.