Remscheid: Taxifahrer fürchten Uber nicht

Wirtschaft in Remscheid : Taxifahrer fürchten Uber nicht

Etwa 800.000 Fahrten pro Jahr vermittelt die Taxizentrale in Remscheid. Den größten Anteil belegen die Transporte zum Krankenhaus oder zum Arzt. 36 Fahrzeuge sind im Einsatz.

Wenn es regnet, wenn glatte Straßen und Schneefall angekündigt werden, freut sich Geschäftsführer Armin Schötz (53). Bei schlechtem Wetter klingelt es häufiger in der Taxizentrale an der Lenneper Straße 2. Die Menschen steigen dann gerne aufs Taxi um.

Spontanes Taxifahren ist in Remscheid nicht sehr verbreitet. Im Vergleich zu anderen Großstädten halten am Bahnhof keine Züge, aus denen Hunderte von Menschen strömen und nach einem Taxi winken. Von den 800.000 Fahrten im Jahr gehen ein großer Teil der Taxitransporte zu einem Krankenhaus. Ob zur Dialyse ins Sana-Klinikum, zur Chemotherapie nach Köln oder Düsseldorf, zu Untersuchung zum Arzt – in mindestens jedem zweiten Taxi sitzt ein Mensch, der Hilfe braucht. Der Taxifahrer holt die Kunden ab, hilft ihnen in den Wagen, begleitet sie bei Bedarf bis auf Station. An diesen Transporten ist das Dienstleistungsunternehmen Uber nach Einschätzung von Schötz nicht interessiert. „In Remscheid mache ich mir keine großen Sorgen. In anderen Großstädten sieht das anders aus“, sagt Schötz.

Uber ist eine Technologie-Plattform, die sogenannte Fahrer-Partner mit Fahrgästen mithilfe einer Smartphone-App verbindet. In Städten, in denen Uber aktiv ist, kann der Kunde eine Fahrt mit der App bestellen. Wenn die Anfrage angenommen wurde, zeigt die App die geschätzte Ankunftszeit des Fahrzeugs am Abholort an. Der Kunde gibt das Ziel ein. Nach Zielankunft wird der Fahrpreis automatisch berechnet und ein eingerichtetes Uber-Konto belastet. „Die wollen nur Geld mit ihren Klicks verdienen. Mit Krankenfahrten und den Abrechnungen mit den Krankenkassen wollen die sich nicht rumschlagen“, sagt Schötz.

34 Taxi-Fahrzeugen sind in Remscheid zugelassen. Die Taxizentrale organisiert den Einsatz der Fahrzeuge, die insgesamt die Interessen von 21 Taxi-Unternehmen vertritt. „Wir sind wohl noch die einzige Stadt, die nach einem Dienstplan arbeitet“, sagt Schötz, der in Remscheid selbst über Jahre Taxi gefahren ist. Das System sieht vor, dass jedes Fahrzeug innerhalb von neun Wochen alle Schichten gefahren ist. Die attraktiven Schichten am frühen Vormittag und späten Nachmittag, und die weniger attraktiven Schichten zwischen ein und fünf Uhr in der Nacht. „Bei mir wird jedes Fahrzeug gleich behandelt“, sagt Schötz.

120 bis 140 Fahrer sind im Einsatz. Sie werden Schötz zufolge nach Mindestlohn bezahlt. Das sind aktuell 9,19 Euro pro Stunde. Die Einführung des Mindestlohns vor zwei Jahren hat in dieser Branche dazu geführt, dass die Zahl der Arbeitsplätze gesunken ist. Früher waren es laut Schötz 180 bis 200 Plätze.

„Schicken Sie mir bitte einen deutschen Fahrer“ – diese Bitte will Schötz nicht erfüllen. „Ich schicke Ihnen einen vernünftigen Fahrer“, lautet seine Antwort. Und er erwartet von allen Taxifahrern eine offene und freundliche Haltung. Typen, die im Auto sitzen bleiben und automatisch die Klappe des Kofferraums öffnen, könne er nicht gebrauchen. Taxifahrer sind auch kleine Seelsorger. Ältere Menschen schaffen es nicht mehr, einzukaufen oder ein dringend benötigtes Rezept in der Apotheke abzuholen. Auch solche „Einkaufsfahrten“ vermittelt die Taxizentrale. Manchmal entwickelt sich eine persönliche Beziehung. Wie mit dem Freundeskreis von vier älteren Damen, die sich jede Woche zum Bridge-Spiel treffen. Immer bei einer anderen Spielerin. Und immer bestellen sie ein Taxi.