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Remscheid: Tauben sorgen für reichlich Ärger

Plage in Hasten : Tauben sorgen für reichlich Ärger

Inge Milz hält Fenster und Türen geschlossen. Auch bei der jetzigen Hitze traut die 82-jährige Remscheiderin sich nicht, sie zu öffnen. „Dann hätte ich die Tiere in der Wohnung“, sagt sie und deutet mit dem Finger auf drei Tauben, die sich von außen auf ihrer Fensterbank niedergelassen haben.

Die Vögel bilden nur die Vorhut einer ganzen Schar, die sich allabendlich samt flügge gewordenem Nachwuchs auf dem Dach des Einfamilienhauses an der Hohenbirker Straße niederlassen. Für die Nachbarn sind die Tiere längst zur Plage geworden. Doch die Behörden winken ab: nicht zuständig.

Von verwilderten und halbwilden Stadttauben berichten schon die Gelehrten des Altertums. An ihrer Lebensweise hat sich seither ziemlich wenig geändert. Tauben leben dort, wo sie Nahrung und Nistmöglichkeiten finden. Ob im alten Griechenland oder in deutschen Innenstadtlagen.

Auf der Alleestraße ist der Tisch täglich reich gedeckt und Nistmöglichkeiten finden die anspruchslosen Tiere ebenfalls viele. Ihre Nester bauen sie in Nischen oder Löchern der Fassaden, wovon es zum Beispiel in der Sinn-Leffers-Ruine jede Menge gibt.

Vor Jahrzehnten ließ die Stadt Remscheid die Tiere dort noch vergiften. Bevor die ersten Einkäufer auf die Alleestraße kamen, holten die Stadtsoldaten die Kadaver von der Straße. Daran ist aus Tierschutzgründen heute nicht mehr zu denken und die Jagd ist zwischen Häusern ohnehin verboten.

Die Stadt versucht, ihre eigenen Gebäude insbesondere vor dem Vogelkot zu schützen. So sollen Netze verhindern, dass die Tiere in der Fassade des Rathauses brüten. Zudem: Wer die Vögel füttert, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einem Bußgeld rechnen. Das hat einen weiteren Grund: Tauben verbreiten den Speckkäfer, den Vogelfloh und andere Parasiten und Schädlinge, die auch für den Menschen gefährlich werden können. Dennoch gibt es immer wieder Menschen, die sich selbst Tierfreunde nennen, und den Vögeln Brotreste oder Körner vorwerfen.

Einen solchen Vogelfreund vermutet Jürgen Beckmann, Leiter des Remscheider Ordnungsamtes, auch in der Nachbarschaft von Inge Milz. „Das ist sehr ärgerlich“, sagt er und empfiehlt den Nachbarn zur Abwehr Netze oder Stacheln, um die Häuser für die Tiere unzugänglich zu machen.

Inge Milz hofft unterdessen auf die Einsicht des unbekannten Taubenfreundes, der die Tiere anfüttert. Solange hält sie die Fenster geschlossen und meidet auch die Terrasse. „Wenn die Tauben angeflogen kommen, kann man sich im Freien nicht mehr aufhalten.“