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Remscheid: Stefan Jürgens’ flexibler Spagat zwischen Comedy und Musik

Auftritt in Remscheid : Stefan Jürgens’ flexibler Spagat zwischen Comedy und Musik

In der Lenneper Klosterkirche stand der Musiker und Comedian Stefan Jürgens, bekannt unter anderem aus der RTL-Show „Samstag Nacht“, vor zahlreichen Zuhörern auf der Bühne.

(wow) Selbstironscher Stand-up und nachdenkliche Singer-/Songwritermusik – das ist eine Kombination, die man jetzt nicht unbedingt nah beieinander verorten würde. Mit dem bereits zweimal verschobenen Auftritt von Stefan Jürgens gab es am Donnerstagabend in der erfreulich gut besuchten Klosterkirche indes genau diese Mischung.

Die Zuhörer hatten richtig Lust darauf, das merkte man schon vor dem Auftritt am irgendwie gespannten Summen im Publikum und am Applaus, als Jürgens gutgelaunt die Treppe nach unten auf die Bühne kam. 18 Monate sei es her, seufzte er zur Begrüßung, dass er zuletzt auf einer Bühne gestanden sei – „schön, dass ihr alle wieder hier seid“, sagte er in Richtung des Publikums. Noch nimmt man diese Worte den Künstlern ab, irgendwann aber müssen sie sich eine andere Begrüßung einfallen lassen – und diese überall gleiche Anmoderation wird hoffentlich so Geschichte sein wie Corona.

Sei’s drum, und natürlich war Corona Thema, aber insgesamt eher am Rande. Denn im Mittelpunkt des Abends standen die Songs des nach wie vor aktuellen Albums „Was zählt“, die Jürgens am Klavier mit dezenter Effekt-Begleitung präsentierte. Es erforderte aber durchaus ein wenig Flexibilität, wenn man den Spagat zwischen Stand-up und Ernsthaftigkeit mitmachen wollte. Denn Jürgens quatschte, bequem im Sessel sitzend, etwa über seine drei Töchter, die den „alternden Odysseus an der Leine zum Shopping“ führten, oder über „meinen persönlichen Oliver-Pocher-Moment in einem kleinen Café am Prenzlauer Berg“. Außerdem haute er Sätze wie diesen raus: „Früher hab ich Sinn und Aufgaben im Leben gesucht, heute suche ich nur meine Brille.“

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Und dann, nur einen Augenblick später, saß er wieder an seinem Klavier, griff in die Tasten und spielte nachdenkliche, ernste Songs, die sich mit der verrinnenden Zeit beschäftigten („Unsere Zeit“), in denen es um verpasste Chancen ging („Sieben Leben“) oder sich mit Erinnerungen an vergangene Tage auseinandersetzten („Mein alter Tisch“). Beides für sich war gut, wurde auch einwandfrei präsentiert. Denn als gelernter Schauspieler, als ehemaliger Berliner Tatort-Kommissar, wusste Jürgens natürlich genau, wie man Ausdruck und Intensität in die Erzählstimme legte. Und auf der anderen Seite hatte er ein Händchen für gute, anspruchsvolle Songs - die er zugleich mit starkem Texten versah.

Allerdings – konsistent war dann doch anders. War das nun Kabarett oder Konzert? Schenkel klopfen oder betroffen gucken? So recht wusste man nicht, wofür man sich entscheiden sollte, auch weil die Übergänge manchmal durchaus recht rustikal vollzogen wurden. Dem größten Teil des Publikum indes gefiel es, wie sich am lauten Gelächter in den lustigen Momenten und dem ebenso lauten Applaus nach jedem Song zeigte. Spagat gelungen, könnte man sagen.