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Remscheid: Start-up-Center schützt vor Blauäugigkeit

Wirtschaft in Remscheid : Start-up-Center schützt vor Blauäugigkeit

Die Sparkasse bietet der Gründerszene ein Forum zum Austausch mit Unternehmern aus der Industrie an.

Wen das Gründerfieber packt, der läuft Gefahr, zunächst mal in die Euphoriefalle zu tappen. Gründer sind heftig überzeugt von ihrer Idee, von ihrer Einmaligkeit und ihres Erfolgs. Um aber zu überprüfen, ob der Gründer nicht unter hochgradiger Blauäugigkeit leidet, hat die Sparkasse nun ein Start-up-Center gegründet. Es soll im produktiven Dialog geklärt werden, ob die Idee Chancen auf Erfolg hat. Gründen ist einfach, heißt es auf der Internetseite der Sparkasse. Aber um dauerhaft auch wirtschaftlichen Erfolg zu haben, ist viel Arbeit, Mut und Flexibilität erforderlich. „Wir nehmen die Gründer an die Hand“, sagte Sandra Wagner bei der Gründung des Start-up-Centers der Sparkasse am Montagabend. Sie gehört zum Team.

Gründer brauchen Kredite. Und Banker achten darauf, dass sie das Geld, das sie verleihen, auch wieder zurückbekommen. Stefan Grote, Leiter der Start-up-Centers, erwartet von den meist jungen Leuten keinen fertigen Business-Plan. „Wir setzen viel früher an“, sagte Grote. Dabei soll der Unternehmer in spe zunächst einen ganzen Katalog an Fragen beantworten. Auf einem sogenannten White-Paper. Dabei geht es nicht nur um die betriebswirtschaftlichen Aspekte wie Produktbeschreibung und Marktanalyse. Gebeten wird auch um eine Einschätzung, ob zum Beispiel das private Umfeld die Idee unterstützt, und wie das Nervenkostüm gestrickt sei, wenn mal ein bis zwei Monate kein Geld aufs Konto kommt.

Die Sparkasse hat sich zum Ziel gesetzt, innerhalb von 72 Stunden auf die Idee zu antworten und zum persönlichen Gespräch zu laden. Wenn der Kandidat überzeugt, geht es in die „Remscheider Höhle des Löwens“, die so ähnlich funktioniert wie die gleichnamige Sendung. Das Start-up-Team stellt eine Auswahl zusammen. Die Kandidaten präsentieren ihre Idee vor einem Team aus Experten, die wissen, was es heißt, eine Firma zu gründen, und die wissen, wie viele Fehler man machen kann. Zu diesen „Know-how-Gebern“ gehört der Immobilienexperte Ulrich Rücker, Dirostahl-Geschäftsführer Roman Diederichs sowie die Unternehmer Rudi Küfner und Peter Wurm. Aber auch der YouTube-Mathelehrer Daniel Jung sowie der Coach Felix Thönnessen geben ihre Einschätzung ab.

Aus dem Impulsvortrag, den Thönnessen bei der Eröffnung hielt, lässt sich erahnen, worauf der Coach besonders achten wird: auf die Vermarktungsstrategie. Für den Coach kommt es gar nicht auf den Inhalt an. Das meiste, was erfunden und angeboten werde, sei sowieso nicht neu. Wichtig sei die Verpackung. Wer beim Pitch auf die Frage nach der Motivation antwortet: „Ich finde meinen Job blöd“, hat in den Augen von Thönnessen schlechte Karten. Wer seinen Job blöd findet, soll sich einen neuen Job suchen, aber nicht gleich in die Selbständigkeit wechseln.

Bei der Anmeldung von Patenten liegt Remscheid auf dem siebten Platz unter 71 kreisfreien Städten. Bei der Gründerdynamik auf Platz 63. Mit dem Start-up-Center hofft OB Burkhard Mast-Weisz, dass die Stadt sich weiter nach oben arbeitet. „Wir brauchen die klugen Köpfe“, sagte der OB.