1. NRW
  2. Städte
  3. Remscheid

Remscheid: Start in ein neues Leben

Wilhelm-Paschmann-Haus : Struktur hilft für den Start in ein neues Leben

Seit 51 jahren werden in Lennep an der Gartenstraße im Wilhelm-Paschmann-Haus Suchtkranke betreut.

Lange hat Dominik Israel keinen Grund gesehen, etwas an seiner Suchterkrankung zu verändern und brach eine Langzeittherapie ab. Er war, wie er selbst sagt, „total abgestürzt“. Das ist fünf Jahre her. Heute merkt man dem 30-Jährigen davon nichts mehr an. Er strahlt Zufriedenheit aus, ist motiviert und hat wieder gelernt, etwas für sich selbst zu tun. In den letzten Monaten hat er gut 30 Kilo abgenommen. Darauf ist er stolz. Doch ganz ohne Hilfe hätte er das nicht geschafft. Sein rettender Anker war das Wilhelm Paschmann-Haus (WPH) in Lennep.

Seit 51 Jahren gibt es die Einrichtung, die wohnungslose Männer mit Suchterkrankungen aufnimmt. Die Voraussetzung für die Aufnahme ist eine erfolgreiche Entgiftung. Danach gilt das oberste Gebot: Abstinenz. „Es ist wichtig, dass Suchtkranke aus dem gewohnten Umfeld kommen“, erklärt Karin Pfeiffer, weil das Umfeld häufig auch Auslöser sei. Vor drei Jahren übernahm die Diplom-Sozialpädagogin die Leitung des Wilhelm-Paschmann-Hauses. Insgesamt begleitet die 64-Jährige schon seit zwölf Jahren die Klienten in Lennep als Therapeutin und Gruppenleiterin.

Den reinen Alkoholiker gebe es heute allerdings kaum. Immer häufiger sind die Klienten „polytox“ – leiden also zeitgleich unter zwei oder mehr Substanzabhängigkeiten. Das betreffe alle Schichten. Da manche seit Jahrzehnten krank seien, leiden sie unter weiteren Folgeerkrankungen wie Depressionen, alkoholbedingter Demenz oder auch Gangschwierigkeiten. In Einzeltherapien sowie Gruppengesprächen wird die eigene Geschichte aufgearbeitet, Rückfallgedanken frühzeitig angesprochen. Darüber zu reden, die Gefühle auch zu äußern, sei das Entscheidende, betont Pfeiffer.

„Das Haus hat mir die Zeit gegeben, die ich gebraucht habe. Ich werde so akzeptiert, wie ich bin. Das ist mittlerweile mein Zuhause geworden“, sagt Dominik Israel, der aus dem Kreis Gummersbach stammt. Dass die übrigen Bewohner in der Wohngemeinschaft teilweise das Gleiche wie er durchgemacht haben, helfe zusätzlich. Inzwischen sei auch der Kontakt zu seiner Familie wieder gut.

Ein weiterer wichtiger Baustein in der Therapie ist die Beschäftigungsmaßnahme. In der Werkstatt im Neubau erledigen die Bewohner reale, niederschwellige Aufgaben für reale Firmen und erhalten dafür einen Lohn. Das gibt den Männer nicht nur ein gutes Gefühl, sondern gebe dem tag eine Struktur, erklärt Pfeiffer.

Die fehlte Michael Doll zuletzt. Der 61-Jährige kam vor zwei Jahren aus dem Kreis Neuss nach Lennep. Nach der Trennung von seiner Frau und dem Eintritt des Vorruhestandes fehlte ihm ein geregelter Tagesablauf, ein Halt. Er flüchtete sich in Alkohol, um zu verdrängen, erzählt er ganz offen. „Den Mut, so offen darüber zu reden, hätte ich vor zwei Jahren noch nicht gehabt“, betont er. Zum Schluss lebte er in seiner Garage. Das war der Tiefpunkt. Obwohl seine Kinder sich von ihm abgewandt hatten, motivierten sie ihn zu einem Entzug. Die Sicherheit im Wilhelm Paschmann-Haus und die Gespräche haben ihm geholfen.

Jetzt ist er angekommen in Lennep: Er ist engagiert bei der Arbeit, hat sich ein soziales Netz aufgebaut, das seine Vorgeschichte kennt. Er lächelt, als er erzählt, dass der Kontakt zu seinen Kindern wieder sehr gut sei. „Ich habe hier noch einmal ganz neu angefangen.“