Remscheid: Stadt wird Neuenkamp nicht kaufen

Sportflächen-Entwicklung in Remscheid : Stadt wird Neuenkamp nicht kaufen

Die Kaufpreisvorstellungen des RSV und der Verkehrswert der Sportanlage liegen rund eine Million Euro auseinander. Der BV 10 soll die Anlage weiterhin nutzen, während die Stadt eine neue Heimat mit Kunstrasen sucht.

Lange wurde verschiedene Varianten diskutiert, nun ist eine Entscheidung über die Zukunft des Sportplatzes an den Neuenkamper Straße gefallen. Wie die Stadt in einer Papier für die Ratssitzung am 26. September mitteilt, will sie die Sportanlage nicht vom Inhaber, dem Remscheider Sportverein (RSV), erwerben. Für den Fußballverein BV 10, der darauf gehofft hat, dass die Stadt als neuer Eigentümer den Aschenplatz in eine moderne Kunstrasenanlage umwandelt, soll eine „zufriedenstellende Lösung“ gefunden werden

Finanzielle Argumente geben dafür den Ausschlag. Auf eine Kaufpreisforderung von 1,5 Millionen Euro hatte sich die Delegiertenversammlung des RSV Anfang August geeinigt. Die Stadt aber will maximal einen Kaufpreis in Höhe des Verkehrswertes von 540.000 Euro akzeptieren.  Die Idee von CDU-Chef Jens Nettekoven, über das Förderprogramm „Soziale Integration im Quartier“ der Landesregierung einen Zuschuss für dieses Geschäft zu bekommen, wurde von der Verwaltung geprüft, ließ sich offenbar aber nicht realisieren.  Alles, was über den Verkehrswert des Sportplatzes hinausgehe, sei nicht förderfähig, heißt es in der Vorlage für den Rat. Und weiter: „Freiwillig einen Kaufpreis zu akzeptieren, der 960.000 Euro über dem ermittelten Verkehrswert liegt, wäre zudem rechtlich zu beanstanden“, heißt es. „ Das würde gegen die Prinzipien der sparsamen und wirtschaftlichen Haushaltsführung verstoßen“, erklärt Kämmerer Sven Wiertz (SPD)  auf BM-Nachfrage. Im schlimmsten Fall könne man der Stadt vorwerfen, einem Verein zum Schaden der Stadt einen finanziellen Vorteil verschafft zu haben.

Argumente, die am Ende offenbar sowohl den RSV als auch den Sportbund überzeugt haben. Bei einem Gespräch Ende August seien sich alle Beteiligten nach intensiver Diskussion „unter großem Bedauern einig“ gewesen, dass die Stadt die Sportanlage nicht kaufen kann.

Als erste Konsequenz aus dieser Einigung habe sich der RSV bereit erklärt, dem BV 10 „bis auf weiteres“ die Möglichkeit einzuräumen, auf der Anlage zu trainieren und zu spielen. Das Sportamt soll nun Gespräche führen, um den Pachtvertrag mit dem RSV jeweils in Jahresschritten zu verlängern. Wie berichtet, hat der RSV den Vertrag zum 31. Mai 2020 gekündigt. Der BV 10 verfügt allerdings noch über eigenen Gebäude auf der Anlage in Neuenkamp.

Parallel soll aber auch die Suche nach einer neuer sportlichen Heimat für den BV 10 intensiviert werden.  Der Fokus soll dabei auf dem Stadtbezirk Alt-Remscheid liegen. Ziel ist es, dem Wunsch des Vereins nach einer Sportanlage, die über den bei jungen Sportlern beliebten Kunstrasen verfügt, zu erfüllen.  Da die Stadt keine neuen Kunstrasen-Anlagen mehr plant, wird es wohl darum gehen, als Mitnutzer auf der einer bestehenden Sportanlagen der Stadt umzuziehen.

„Ich bin dem RSV dankbar, dass er mit seiner Entscheidung zur Deeskalation der Situation beigetragen hat“, sagte Sportdezernent Thomas Neuhaus gestern der BM. Der Druck sei durch die Einigung erst mal raus aus dem emotional diskutierten Thema. Die Stadt werde sich darum bemühen, für den BV 10 eine möglichst optimale Lösung zu finden, die keine zu weiten Wege für die Sportler bedeute.

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