Remscheid: Stadt will leeren Wohnraum „aktivieren“

Wohnen in Remscheid : Stadt will leeren Wohnraum „aktivieren“

Die Zahl der Sozialwohnungen nimmt schnell ab. Leerstehende Wohnungen sollen deshalb durch Fördermittel des Landes zu attraktiven Wohnraum umgestaltet werden. Die Zahl der potenziellen Nutznießer ist groß.

Der Kampf für bezahlbare Wohnungen bestimmt seit Monaten die öffentliche Debatte in Deutschland. In Berlin werden sogar Enteignungen erwogen, in anderen Großstädten sollen Randstreifen an Bahntrassen bebaut werden, um die drückende Wohnungsnot zu lindern.

Die Lage in Remscheid ist zwar nicht so überhitzt, aber auch hier geht in den kommenden Jahren die Anzahl an Sozialwohnungen stark zurück, weil die Sozialbindung ausläuft. Grund dafür: Seit den 1990er-Jahren wurden kaum noch Sozialwohnungen gebaut, der Markt schien gesättigt. „Das fällt uns jetzt auf die Füße“, sagt Thomas Kugel vom Fachbereich Soziales und Wohnen der Stadt.

Zwar gibt es noch freie Wohnungen, doch moderner, barrierefreier Wohnraum, der für eine Familie mit nicht so großem Einkommen bezahlbar ist, wird in Remscheid knapper. Wie groß umgekehrt die Zielgruppe für staatlich geförderten Wohnraum ist, zeigt eine Tabelle. Demnach erfüllt jeder zweite Remscheider die Kriterien, um eine Sozialwohnung anmieten zu dürfen. Vielen Remscheidern sei dies nicht bewusst, sagt Kugel.

Gemeinsam haben Bau- und Sozialdezernat eine Strategie unter der Überschrift „Preiswert Wohnen mit Lebensqualität“ entwickelt, mit der in den kommenden zehn Jahren mehr Sozialwohnungen entstehen sollen. Der Clou dabei: Es geht nicht wie in den Großstädten am Rhein um Neubauprojekte, sondern um die Umwandlung leerstehender Wohnungen in attraktiven Wohnraum. „Wir machen aus der Not eine Tugend“, sagt Christina Kutschaty, Leiterin des Fachdienstes Stadtentwicklung.

Gezielt will die Stadt Besitzer leerstehender Wohnungen ansprechen und sie zur Investition in ihre Objekte ermuntern. Das starke Argument für diese Gespräche: Über die NRW-Bank können die Vermieter zinslose Darlehen beantragen, bei der Tilgung gibt es Nachlässe von 10 bis 15 Prozent. Das alles soll begleitet werden mit einer professionellen Marketingkampagne. Wie Sozialdezernent Thomas Neuhaus berichtet, sollen die Ansprechpartner der Stadt raus aus den Amtsstuben und gut erreichbar in einem Ladenlokal untergebracht werden.

Dabei geht es auch darum, den Begriff Sozialwohnung von seinem schlechten Image zu befreien, das noch aus den 1960er- und 1970er-Jahren stammt, als diese Wohngebiete schnell hochgezogen wurden. „Die geförderten Miet- und Eigentumswohnungen sollen sich in ihrer baulichen Qualität, ihrer Ausstattung und Lage nicht von frei finanzierten Wohnungen unterscheiden“, heißt es in einem Papier des Ministeriums. Wichtig sei auch, dass die Wohnungen in einem funktionierenden Wohnumfeld liegen, das unter anderem über Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe oder eine ÖPNV-Anbindung verfügt, sagt Kutschaty.

Für den Start ins Programm hat die Stadt über das gesamte Stadtgebiet verteilt acht Bereiche in der Innenstadt, Lennep, Lüttringhausen und im Südbezirk identifiziert, die zuerst angegangen werden sollen. Insgesamt stehen in diesen Quartieren 887 Wohnungen leer. Weitere „Strategiegebiete“ für die nächsten Jahren sind benannt.