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Remscheid: Spende bewahrt Peter S. vor dem Knast

Er wurde in der JVA Remscheid mit 0,01 Gramm Marihuana erwischt : 400-Euro-Spende für Peter S.

Der wohnungslose Peter S., der aus Recklinghausen stammt, muss nicht hinter Gitter. Jacqueline Padberg hat seine drohende Ersatzfreiheitsstrafe abwenden können, indem sie eine dafür erforderliche Geldbuße von 400 Euro mithilfe von Spenden aufgetrieben hat.

Peter S. ist in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Remscheid mit einem Krümel (0,01 Gramm) Marihuana erwischt worden. Ihm drohte eine Geldbuße von 400 Euro oder ersatzweise eine 40-tägige Gefängnisstrafe, wenn er den Betrag nicht aufbringen kann.

Für Katja Grafweg, Leiterin der Justizvollzugsanstalt in Lüttringhausen, hatte sich die Ermessensfrage im Fall des wohnungslosen Peter S. nicht gestellt, erklärte sie vor einigen Wochen, als der Fall von Peter S. publik wurde. „Wir sind dazu verpflichtet, auch den Besitz kleiner Drogenmengen bei der Polizei anzuzeigen und die Substanz der Staatsanwaltschaft als Asservat zu übergeben.“

Die Gefängnis-Chefin, von Haus aus Juristin, findet das richtig, wobei die „weiche Droge“ Marihuana ein geringeres Problem darstelle als die Begleitumstände. „Damit ist ja eine ganze Subkultur verbunden“, sagt Katja Grafweg. „Menschen werden unter Druck gesetzt, erpresst, es geht um Beschaffungskriminalität und Geschäftemacherei.“

Sollte die Strafzahlung von 400 Euro, gegen die der Anwalt des Obdachlosen Einspruch eingelegt hat, rechtskräftig werden und der Mann nicht zahlen können, muss das aber keine Haftstrafe bedeuten, hatte der zuständige Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert im Januar gesagt. Bei Programmen wie „Schwitzen statt sitzen“ könne die Strafe abgearbeitet werden.

Das wird nun nicht passieren. „Wir haben die Summe von 400 Euro zusammen“, sagte die Recklinghäuserin Jacqueline Padberg am Montag erfreut. Ein Rechtsanwalt nimmt allerdings der euphorischen Spendensammlerin den Wind aus den Segeln. Peter S. habe seiner Ansicht nach ohnehin nicht auf seine Freiheit verzichten müssen. „In der Regel ist es bei derartigen Fällen möglich, die Strafe in Form von gemeinnütziger Arbeit wie Sozialstunden abzuwenden“, erklärt auch der Anwalt, der anonym bleiben möchte.

Einige Bürger der Ruhrgebietsstadt an der Grenze zum Münsterland haben den Spendenaufruf von Jacqueline Padberg als lächerlich und die Gefängnisstrafe als gerechtfertigt angesehen. „Es ist meiner Meinung nach nicht lächerlich, einem Obdachlosen zu helfen, wenn man weiß, welchen Rucksack er zu tragen hat. Es ist auch ein Geschenk, auf Nachfrage zu erfahren, welche Geschichte ein Obdachloser hat. Die Mühe machen sich aber viele nicht, weil sie nur mit sich selbst beschäftigt sind, wegschauen und Vorurteile gegenüber solchen Menschen haben. Ich nicht“, schreibt Padberg dazu.

Wenn die Geldbuße nicht notwendig wird, soll der Betrag an den ambulanten Kinderhospizdienst gespendet werden.

( avm/ric/bjb)