Remscheid: Spediteure leiden unter Dauerbaustellen

Verkehrspolitik : Spediteure leiden unter Dauerbaustellen

Um über den Rhein zu kommen, brauchen Lastkraftwagenfahrer viel Geduld. Die IHK wirbt für besseres Baustellenmanagement.

70 Lkw verlassen jeden Tag den Hof der Spedition Mäuler Auf dem Langefeld. Von den Staunachrichten im Radio lassen sich die Fahrer nicht irritieren. „Die stimmen sowieso nicht. Die gelten nur für Pkw, nicht für Lkw“, sagt Stephan Niederprüm“, Projektleiter bei Mäuler.

Acht Kilometer Stau vor dem Autobahnkreuz Leverkusen. Das ist für die Spediteure normal. Und ärgerlich. Stau und stockender Verkehr Richtung Düsseldorf und Dortmund — das ist Alltag für einen Lastkraftwagenfahrer aus Remscheid. Aber an den Ärger haben sie sich inzwischen gewöhnt.

Das Städtedreieck Remscheid / Solingen / Wuppertal hat lange Zeit die gute Verkehrsinfrastruktur als einen Standortvorteil beschrieben. Doch die Baustellen auf den Autobahnen rund um die bergischen Großstädte haben diesem Trumpf einige Kratzer verpasst. Dementsprechend ist die Stimmungslage bei den Betrieben im Verkehrsgewerbe. Im jüngsten Konjunkturbericht der Bergischen Industrie und Handelskammer (IHK) ist von einer „leichten Verschlechterung“ die Rede. Derzeit bezeichnen nach IHK-Angaben 84 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als befriedigend oder gut. 71 Prozent der Verkehrsunternehmen berichten von Umsatzzuwächsen oder gleichbleibenden Umsätzen. Die Erträge sind bei jeweils einem Drittel gestiegen, gleich geblieben oder gesunken. Doch die gesamte Branche stehe vor großen Herausforderungen. Hierzu gehören nicht nur die zum 1. Januar 2019 erhöhten Mautsätze, sondern bei 71 Prozent der Betriebe auch die hohen Energie- und Rohstoffpreise. Die konjunkturelle Abkühlung spiegelt sich auch beim Blick in die Zukunft wider. Zwar erwarten immerhin 64 Prozent der Verkehrsunternehmen eine gleichbleibende Geschäftslage, aber 27 Prozent erwarten eine Verschlechterung und lediglich neun Prozent eine Verbesserung. Konkret drückt sich das bei den Unternehmen in rückläufigen Erwartungen bei den Umsätzen aus.

„Wir müssen die Situationen auf unseren Autobahnen ertragen“, sagt Thomas Wängler, Verkehrsexperte bei der IHK. Jahrelang habe man Investitionen gefordert. Jetzt werde in das marode Straßennetz investiert. Da wolle man sich nicht wirklich beschweren. Die Fehler lagen in der Vergangenheit. Dennoch gibt es aus Sicht der IHK Möglichkeiten, die Situation erträglicher zu gestalten. Durch eine bessere Informationspolitik und Absprachen mit Unternehmen bei der Einrichtung der Baustellen. Viel dringlicher sei aber auf lange Sicht eine Verkürzung der Planungszeiten für die Sanierung von Brücken und den Ausbau von Strecken.

„Wir investieren doch in ein vorhandenes Netz und bauen keine neuen Autobahnen“, sagt Wängler. Das müsse wesentlich schneller passieren. Staus auf den Autobahnen kosten den Unternehmen Geld. In die Rechnung für einen Warentransport fließen unter anderem die Posten Zeit, Strecke und Gewicht ein. „Aber viele Kunden sind nicht bereit, mehr zu zahlen, weil wir nicht über den Rhein kommen“, sagt Niederprüm. So bleibe man auf den Stau-Kosten häufig hängen. Beruhigend sei nur, dass die bergischen Spediteure nicht die einzigen sind, die mit Dauerbaustellen zu kämpfen haben. Rund um München, Hamburg, Berlin und Frankfurt sähe es genauso aus. Stauland Deutschland.

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