Remscheid: Sparkasse kümmert sich um Reiche

Vermögensbetreuung in Remscheid: Sparkasse kümmert sich um Reiche

Seit zehn Jahren gibt es den Bereich „Private Banking“ – ein Erfolgsprojekt.

Häufig fällt der öffentliche Blick auf die arme Seite von Remscheid. Die zeigt sich zum Beispiel bei den Kita-Beiträgen. 61 Prozent der Eltern zahlen nichts, weil sie aufgrund von zu geringen Einkünften befreit sind. Doch es gibt auch das vermögende Remscheid.

Gemessen an der Kaufkraft und den Einkommen wohnen in der Werkzeugstadt überdurchschnittlich viele Menschen mit großen Vermögen. Diese Statistik kennt Frank Dehnke, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse. Denn seine Bank betreut unter der Rubrik „Private Banking“ auch Menschen mit viel Geld. 800 Personen sind dort gelistet. Und zwar 800 Personen, die mindestens 250.000 Euro besitzen, die sie in Wertpapiere oder Immobilien investieren können. Oder Kunden, die monatlich mehr als 8000 Euro verdienen und eine Beratung zum Aufbau von Vermögen in Anspruch nehmen.

Die Sparkasse, die sich in erster Linie als kommunale Bank der kleinen Leute versteht, wolle das „Private Banking“ nicht alleine der Konkurrenz überlassen. Auf diesem Feld sind vor allem Commerzbank, Deutsche Bank und Privatbanken aktiv. Vor zehn Jahren stieg die Sparkasse verstärkt in den Sektor ein und betreut heute eine Summe von 490 Millionen Euro. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 sah sie die Chance, vom Vertrauensverlust, den die Konkurrenz durch ihre rücksichtslose Casino-Mentalität erlitten hatte, zu profitieren. Der Einstieg hat sich nach Einschätzung von Vorstandsmitglied Herbert Thelen gelohnt. Zumal die Bank einerseits besonderen Wert auf ein ganzheitliches Beratungskonzept legt, und andererseits sechs Mitarbeiter beschäftigt, die neben ihrer Expertise wissen, dass es im Wertpapierhandel nicht immer nur nach oben gehen kann.

Jörg Rockel ist Leiter des Bereichs „Private Banking“. Er nennt die wesentlichen Eckpunkte des Konzepts: Generationen-Management, Absicherung von Lebensrisiken, Immobilien-Management, Altersvorsorge und Vermögensverwaltung. Zu den Kunden hält man engen Kontakt und trifft sich drei- bis viermal im Jahr. Meist handelt es sich um ältere Personen. Manche von ihnen besprechen auch das Thema Vererben.

Wer keine Nachkommen hat und nach seinem Tod seiner Heimatstadt etwas zugutekommen lassen will, kann dafür die „Stiftergemeinschaft – Gut für Remscheid“ nutzen. Vor fünf Jahren gründete die Sparkasse diese Stiftung. Die Bank übernimmt den bürokratischen Aufwand, um Mitglied dieser Stiftung werden zu können. Was die Zustimmung erleichterte. Mit 500.000 Euro Stiftungskapital ging man an den Start. Inzwischen sind es Dehnke zufolge drei Millionen. „Einen größeren Vertrauensbeweis kann man nicht bekommen“, sagt Dehnke. Die Bank verpflichtet sich, auch nach dem Tode im Sinne des Kunden zu handeln. Mit den Stiftungsgeldern werden soziale Projekte finanziert, die wiederum auch ärmeren Menschen der Stadt zugutekommen.

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