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Remscheid: Soundtrack-Spielereien der Bergischen Symphoniker​

Filmmusik im Remscheider Eventgarten : Soundtrack-Spielereien der Symphoniker

Das Orchester unter der Leitung von Nic Raine entführten die Gäste im Eventgarten ins Reich der Filmmusik. Mit dabei: Sänger Lance Ellington.

Es ist ein Titel, der verpflichtet: Unter dem Motto „Best of Cinema Symphonic“ luden die Bergischen Symphoniker am Dienstagabend in den Eventgarten ein. Der war erfreulich gut besucht, was sicherlich auch den Stellenwert der Symphoniker einmal mehr verdeutlichte. Unter der Leitung des britischen Dirigenten Nic Raine, der das Publikum charmant mit distinguiertem Akzent auf Deutsch begrüßte, legte das bestens aufgelegte Orchester voller Spielfreude los. Natürlich ist Filmmusik ganz oft von Orchestern gespielt und für Orchester komponiert. Aber es gibt natürlich Stücke, die bei einem solchen Abend nicht fehlen dürfen. Eines dieser Stücke ist die Titelmelodie des Mafia-Epos schlechthin - natürlich Francis Ford Coppolas „The Godfather“. Die wohlbekannte melancholische Melodie, in der alles Leid, aller Pathos, alle Dramatik und alle Grandezza der Familie Corleone steckte, legte eine zentimeterdicke Gänsehaut über den Schützenplatz – und bekam völlig zurecht kräftigen Applaus des Publikums.

Neben Filmmusiken der dramatischen, orchestralen und epischen Art, gab es aber auch Rockiges zu bewundern. Und rockig war dabei ganz wörtlich zu nehmen – „Gonna fly now“, das ikonisch-funkige Meisterwerk aus dem originären Boxer-Epos „Rocky“ von und mit Sylvester Stallone, wurde in einer enorm flotten Version mit treibenden Schlagzeugrhythmen geboten, ehe dann der Solist des Abends, der ebenfalls britische Sänger Lance Ellington die Bühne betrat – und direkt wieder unverrichteter Dinge abtrat. Denn es fehlte ein Mikrofon. Doch dem war schnell Abhilfe geleistet, und dann wurde es pathetisch: „Can you feel the love tonight“, der Elton-John-Hit aus dem Disney-Film „Der König der Löwen“ stand auf dem Programm. Ellington hatte auch Humor mitgebracht: „Ich fühle mich ein wenig overdressed. Das ganze Publikum liegt ja am Strand“, sagte er auf Englisch.

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Weit zurück in die Filmgeschichte ging es mit einem Song, der vom großen Charlie Chaplin für seinen Film „Moderne Zeiten“ aus dem Jahr 1936 geschrieben wurde, der aber vor allem durch den nicht minder großen Nat King Cole berühmt wurde. „Smile“ hieß die wunderschöne Ballade, die von Ellington zusammen mit den dezent aufspielenden Symphonikern, exzellent in Szene gesetzt wurde. Eine echte Premiere gab es dann zu hören, zumindest, wenn Ellington nicht flunkerte. Der Song „You were there“, den Michael Jackson für Sammy Davis Jr. geschrieben hatte, sei noch niemals mit einem Orchester aufgeführt worden. Was kaum zu glauben war, so gut, wie sich die swingende Nummer, die Jackson nie veröffentlicht hatte, mit orchestraler Begleitung anhörte.

Die Reise durch die Welt der Blockbuster führte ins Reich der Fantasy mit dem epischen Soundtrack zu James Camerons „Avatar“ oder den zauberhaften Klängen der „Harry-Potter“-Filmreihe ebenso, wie es in die 1960er-Jahre und zu Agatha Christies „Miss Marple“ ging. Abenteuer-Filme kamen mit der Filmmusik von „Lawrence of Arabia“ zu klanglichen Ehren, während Johnny Depp als Captain Jack Sparrow zur Titelmelodie aus „Fluch der Karibik“ vor dem inneren Auge seine Kaspereien vollführte und dem Agenten-Film mit „Theme from Mission Impossible“ gehuldigt wurde. Doris Lütz, freie Kulturmanagerin, hat Dirigent, Sänger und Symphoniker zusammengebracht. „Der Orchesterabend war meine Idee, ich kenne Nic Raine und Lance Ellington schon lange. Es ist wirklich toll, was alle Beteiligten hier auf die Beine gestellt haben“, sagte sie zufrieden.

Nach insgesamt 23 Stücken – und gut zwei Stunden Musik – war dann leider schon Schluss, das Publikum war aber offensichtlich mehr als zufrieden. Denn der Applaus, den es nach jedem Stück gab, wurde zum Ende hin immer lauter. Und auch der eine oder andere begeisterte Ausruf war zu hören, als etwa die angenehm britisch-schrullige „Miss-Marple“-Filmmusik erkannt wurde. „Oh, Miss Marple!“, so konnte man es hören, während die Symphoniker mit Spinett und Bläsersolo Margaret Rutherford huldigten. Es war fraglos eine sehr clevere Entscheidung, die Bergischen Symphoniker mit diesem wundervollen Programm in den Eventgarten zu holen. Die bei eventuellen Neuauflagen der Open-Air-Festivalreihe auf jeden Fall ihre Wiederholung finden sollte.