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Remscheid: Sona übersteht die Umbaupläne

Personelle Veränderungen in Remscheid : Sona übersteht die Umbaupläne

Die Sona Präzisionsschmiede am Bahnhof hat sich bei den notwendig gewordenen Umbaumaßnahmen innerhalb des Konzerns als Standort behauptet. Neben 31 Kündigungen in der Verwaltung sollen 200 neue Arbeitsplätze in der Produktion entstehen.

Nach Angaben der Geschäftsführung sollen im Remscheider Werk weiterhin Teile für die Autoindustrie hergestellt werden. Von den vier Standorten — Duisburg, München, Polgar (Ungarn) und Remscheid — bleiben die beiden Werke in Nordrhein-Westfalen erhalten. Die anderen beiden werden bis zum 31. Mai 2021 geschlossen, heißt es in einer Mitteilung an die Belegschaft. In Remscheid soll die Produktion von Teilen für die Pkw-Sparte konzentriert werden. In Duisburg werden Teile für Lkw geschmiedet. Das Unternehmen stellt Stahlteile für verschiedene Geschäftsfelder her. Die an den Pressmaschinen in Millimeterarbeit gefertigten Schmiedestücke werden in Autos, Lastwagen, Agrar- und Baumaschinen oder in Bahnen eingebaut.

Ohne Aderlass kommt der Remscheider Standort nicht davon. „31 Mitarbeiter bekommen die Kündigung“, bestätigt Betriebsratsvorsitzender Norbert Römmelt. Es handelt sich dabei in erster Linie um kaufmännische Berufe. „Das ist sehr traurig für die Kollegen“, sagt Römmelt. Zumal der Stellenabbau sehr zügig vonstatten gehen soll. Die Kündigungsfrist beträgt nur drei Monate. Als Abfindung seien maximal 2,5 Monatsgehälter möglich. Die Verhandlungen über einen Sozialplan unterliegen den Vorgaben, die während eines Insolvenzverfahrens in Eigenverantwortung festgelegt sind. Abfindungen können auch nur gezahlt werden, wenn am Ende des Insolvenzverfahrens noch genügend Masse vorhanden ist.

Das Insolvenzverfahren wurde am 27. Januar beim Amtsgericht in Wuppertal eröffnet. Mit dem Insolvenzantrag wurde gleichzeitig die Anordnung der Eigenverwaltung beantragt. Bei dieser Form der Insolvenz behält das Unternehmen als Schuldner die Verfügungsgewalt. Die Kontrolle liegt weiterhin bei der Geschäftsführung. Ein Gläubigerausschuss stellt die Interessen aller Gläubiger sicher.

Bei Sona arbeiten um die 590 Mitarbeiter. In Zukunft könnten es noch mehr werden. Die Geschäftsführung lässt die Schmieden aus Ungarn nach Remscheid holen. Die Rede ist von einem Stellenzuwachs von bis zu 200 Mitarbeitern an beiden Standorten. Den Mitarbeitern aus München sollen Angebote gemacht werden.

„Remscheid ist vom Standort her preiswerter als München und verfügt mit seiner Belegschaft über langjährige Erfahrung“, sagt Römmelt. Der größte Teil der Mitarbeiter habe bei Sona seine Ausbildung gemacht und ist anschließend geblieben. Auch während der Krisenzeiten haben die meisten Fachkräfte dem Unternehmen die Treue gehalten, sagt Römmelt. Er selber hat in der Schmiede gelernt und arbeitet dort seit 41 Jahren.

Die neue Struktur stimmt den Betriebsratsvorsitzenden vorsichtig optimistisch. Allerdings sei nicht abzusehen, mit welchen Verlusten das Werk durch die Corona-Krise kommt. Die Belegschaft ist auf Kurzarbeit gesetzt. Im Mai wurde nur an acht Tagen gearbeitet. Für Juni sind laut Römmelt bisher elf Schließtage vorgesehen. „Wir verzeichnen einen Produktionsausfall von 60 bis 70 Prozent“, sagt Römmelt. Es sei an den Bestellungen zu spüren, dass der eine oder andere Autobauer langsam die Produktion wieder hochfahre. „Die Aufträge sind da, aber sie werden nicht abgerufen“, sagt Römmelt.